merken
PLUS Döbeln

Die Lehren aus dem Lockdown

Durch die Corona-Krise hat sich in den Verwaltungen einiges geändert. Doch nicht alles wird als Nachteil empfunden.

Dieser Hygiene-Hinweis bezüglich der Corona-Pandemie ist im Rathaus von Leisnig zu finden.
Dieser Hygiene-Hinweis bezüglich der Corona-Pandemie ist im Rathaus von Leisnig zu finden. © Norbert Millauer

Mittelsachsen. Die meisten Verwaltungen der Städte und Gemeinden in der Region Döbeln haben nach der Lockerung der Corona-Beschränkungen wieder geöffnet. Überall wird jedoch auf die entsprechenden Hygienevorschriften verwiesen.

Doch welche Lehren haben der Landkreis Mittelsachsen und die Kommunen aus der Corona-Krise gezogen? Wird pauschal zur Tagesordnung übergegangen, oder ist doch einiges „hängengeblieben“?

Elbgalerie Riesa
Gesicherte Nahversorgung in der Elbgalerie
Gesicherte Nahversorgung in der Elbgalerie

Die Apotheke, Drogerie und der Lebensmittelhandel haben in der Elbgalerie weiterhin für Sie geöffnet und freuen sich auf Ihren Besuch.

Landkreis erweitert die Kapazität

In der Landkreisbehörde geht man davon aus, dass die Corona-Zeit auch Verwaltungsabläufe nachhaltig beeinflussen wird, wie zum Beispiel in Form von Telefonkonferenzen. Von zu Hause aus zu arbeiten war schon vor Corona möglich. 

„Im Zuge von Corona wurden die technischen Kapazitäten erweitert, sodass in besonderen Fällen unkomplizierter reagiert und, wenn es die rechtlichen Voraussetzungen zulassen, schnell ein entsprechender Zugang eingerichtet werden kann“, sagte Pressesprecher André Kaiser.

Für den Besucherverkehr gelten besondere Regeln. Der Zugang ist nur nach vorheriger telefonischer Terminvereinbarung mit den jeweiligen Fachbereichen erlaubt. Ausnahmen bilden die Fahrerlaubnisbehörde am Standort Döbeln und alle Standorte der Kfz-Zulassungsbehörde – hier ist ein Besuch ohne Terminvereinbarung möglich. 

Die Fahrerlaubnisbehörden in Mittweida und Freiberg bleiben vorläufig noch geschlossen. Generell gilt für Besucherinnen und Besucher im Landratsamt die Pflicht zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung sowie das Abstandsgebot von 1,5 Metern.

Döbeln hat früh reagiert

Bereits im Februar wurde in der Stadtverwaltung Döbeln eine Arbeitsgruppe gebildet, die sich mit möglichen Auswirkungen der Corona-Krise beschäftigte. Unter Leitung von Oberbürgermeister Sven Liebhauser (CDU) wurden Informationen gesammelt, Szenarien entwickelt und erste Maßnahmen besprochen. 

Am 16. März wurde ein Bürgertelefon aktiviert. Die technischen und personellen Voraussetzungen waren bereits zuvor geschaffen worden. „Das Bürgertelefon wurde von Anfang an sehr gut angenommen. Unsere Mitarbeiterinnen waren sehr engagiert, wenn es darum ging, den Bürgern weiterzuhelfen“, sagte Stadtsprecher Thomas Mettcher. Mittlerweile wird das Bürgertelefon nicht mehr benötigt.

Die Möglichkeit des Homeoffice wurde nur in geringem Maße praktiziert. Die Kontakte der Mitarbeiter untereinander und mit Bürgern wurden auf ein Minimum reduziert. Die Kommunikation erfolgte vorrangig per Telefon oder E-Mail.

Roßwein setzt auf Videokonferenz

Veit Lindner (parteilos), Bürgermeister in Roßwein hat aus der Corona-Krise mitgenommen, dass Videokonferenzen ein probates Mittel sind. „Das spart Zeit und Kraftstoff. Man kann ziemlich viel lösen, ohne dass man dafür unterwegs sein muss“, sagt Lindner. Eine weitere Konsequenz ist der Bruch mit einer Höflichkeitsgeste. 

Nach dem Motto „Höflich ohne Hände“ wird bei der Begrüßung und Verabschiedung aufs Händeschütteln verzichtet. „Seien Sie höflich ohne Hände und erleben Sie, wie ein Lächeln zur Begrüßung genauso gerne erwidert wird“, heißt es auf einem kleinen Plakat, welches im Rathaus aufgehängt ist.

Nach dem bekannt werden der Beschränkungen sind in der Roßweiner Verwaltung sofort alle Büros zu Einzelarbeitsplätzen umfunktioniert worden. Gearbeitet wurde im Zwei-Schicht-System. Das Homeoffice sei dagegen kaum angewendet worden. „Aufgrund unseres geschlossenen IT-Systems wäre das problematisch gewesen“, so Lindner. 

Kurzarbeit sei nur für das Team des Stadtbades kurzzeitig angeordnet worden. Das Rathaus ist wieder zu den gewohnten Zeiten geöffnet. Dennoch empfiehlt die Verwaltung besonders für das Einwohnermeldeamt die Vereinbarung von Besuchsterminen. „Diese Lösung hat sich bewährt und hilft Wartezeiten zu vermeiden“, sagte Veit Lindner.

Leisnig unterstützt Mitarbeiter

Die Stadt Leisnig hat die technischen Voraussetzungen geschaffen, um zumindest einem Teil der Belegschaft Homeoffice anzubieten. Damit soll die Vereinbarkeit von Familie und Beruf unterstützt werden, wenn Kitas und Schulen geschlossen sind.

Momentan arbeiten alle Mitarbeiter wieder im Rathaus. Die Verwaltung ist für die Bürger wieder zu den gewohnten Sprechzeiten erreichbar. Mittels eines Aufstellers im Eingangsbereich des Rathauses werden die Besucher auf die Hygieneregeln hingewiesen. 

Zudem werden durch den jeweiligen Mitarbeiter die Kontaktdaten der Besucher erfasst, um eine mögliche Infektionskette zurückverfolgen zu können. Ein Bestellsystem wie zu Corona-Zeiten gibt es nicht mehr. „Aber die Bürger können auch außerhalb der Sprechzeiten Termine vereinbaren“, sagte Bürgermeister Tobias Goth (CDU).

Großweitzschen erstellt Pandemieplan

Aus den Erfahrungen der Corona-Krise heraus hat die Gemeinde Großweitzschen einen Pandemieplan erstellt. Dieser soll es ermöglichen, gezielt schnell zu handeln, um das Homeoffice zu koordinieren und die Begegnungen zu minimieren. Von zu Hause aus arbeiten im Bedarfsfall Bürgermeister Jörg Burkert sowie die Amtsleiter. „Durch die wenigen Mitarbeiter in der Verwaltung ist ein rollierendes System möglich, um Begegnungen so gering wie möglich zu halten“, sagt Hauptamtsleiterin Denise Lange.

Die Verwaltung sei wieder wie gewohnt zu den Sprechzeiten geöffnet. „Wir empfehlen den Bürgern jedoch, speziell im Meldeamt Termine zu vereinbaren, um Wartezeiten und Begegnungen im Foyer zu vermeiden“, so Lange. Bürger und Besucher werden gebeten, ein Kontaktformular auszufüllen, um eine Nachvollziehbarkeit von eventuellen Infektionswegen gewährleisten zu können.

Kriebstein schafft Technik an

„Wir werden uns Videotechnik, Headsets und ähnliches zulegen, um schneller und besser auf Online-Meetings oder Webinare reagieren zu können und diese besser nutzen zu können“, zieht Kriebsteins Bürgermeisterin Maria Euchler (Freie Wähler) ein Fazit aus der Corona-Krise. In der kleinen Verwaltung hat fast jeder Mitarbeiter sein Einzelbüro. Deshalb musste niemand von zu Hause aus arbeiten.

Einen weiteren Lockdown wünscht sich die Bürgermeisterin nicht. „Aber die entschleunigte Zeit sollten wir uns alle verinnerlichen. Diese hat vielen privat oder beruflich gutgetan“, sagt Maria Euchler. Das Rathaus der Gemeinde Kriebstein ist noch aufgrund von Corona geschlossen. Die Bürger werden gebeten, Termine zu vereinbaren oder zu klingeln. „Wir sind aber immer da und für die Bürger erreichbar“, so Euchler. Unter den Mitarbeitern wird auf Eigenverantwortung gesetzt. Sie verzichten seit Corona auf das Händeschütteln zur Begrüßung. „Meetings finden aber ganz normal statt, da sitzen wir weit auseinander. Wer hustet oder schnieft, bleibt zu Hause“, so Euchler.

Harthaer Rathaus öffnet am 1. Juli

Die Stadt Hartha hält das Rathaus derzeit für den Besucherverkehr noch geschlossen. Ab dem 1. Juli sind die Mitarbeiter im Rahmen der bekannten Sprechtage wieder persönlich erreichbar. Um Wartezeiten im Bürgerbüro zu vermeiden, werden die Besucher gebeten, zuvor möglichst einen Termin zu vereinbaren (Tel. 034328/52139). Während des Besuches sollten die bekannten Abstands- und Hygieneregeln eingehalten werden. Bürgermeister Ronald Kunze (parteilos) ist froh, dass die Arbeit trotz der Einschränkungen während des Lockdowns so gut bewältigt wurde.

Waldheim schaltet Corona-Seite

Die Stadt Waldheim hat in ihrem Internetauftritt eine Vorschaltseite zum Thema Corona platziert. „Die Stadt Waldheim reagiert auf das erhöhte Informationsbedürfnis der Bevölkerung zum Corona-Virus“, heißt es dort. Außerdem wird auf weitere Informationsquellen wie das Gesundheitsamt des Landkreises verwiesen.

Während das Bürgerbüro wieder für Besucher erreichbar ist, muss für weitere Anliegen innerhalb des Rathauses ein Termin vereinbart werden. Der interne Dienstbetrieb der Stadtverwaltung wird aufrechterhalten. Anträge, die per Post oder E-Mail eingehen, werden bearbeitet.

Ostrau hat genügend Platz

Mit den Erfahrungen aus den vergangenen Wochen fühlt sich die Gemeindeverwaltung Ostrau für die Zukunft gerüstet. „Wir haben nun einen erprobten und jederzeit anwendbaren Pandemieplan. Die Hygienevorkehrungen wie die Trennscheiben in den Büros mit Publikumsverkehr oder die Desinfektionsspender bleiben sicher dauerhaft in Betrieb“, sagte Bürgermeister Dirk Schilling (CDU). 

Die Anschaffung von Homeoffice-Ausrüstungen sei nicht erforderlich gewesen, weil die Mitarbeiter Einzelbüros haben und die Verwaltung durch die getrennten Standorte eine maximale Abstandsregelung problemlos darstellen kann. Auch in Ostrau gibt es kein Bestellsystem mehr. Es könne aber jederzeit aktiviert werden. „Die telefonische Voranmeldung lief recht reibungslos“, so Schilling.

Zschaitz-Ottewig

Aus Sicht von Immo Barkawitz (parteilos), Bürgermeister der Gemeinde Zschaitz-Ottewig, hat sich die telefonische Anmeldung, die während der Corona-Krise eingeführt wurde, bewährt. Zudem setzt er auf die Einhaltung der Hygieneregeln. Nach dem Ende des Lockdowns sei die Verwaltung wieder geöffnet. „Wer ein Anliegen hat, kann auch einfach so vorbeikommen“, so Barkawitz.

Mehr lokale Nachrichten aus Döbeln und Mittelsachsen lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Döbeln