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Die Lehrer hoffen auf tobende Schüler

Schulsport. Die neue Turnhalle der Triebischtalschule gehört nun den Kindern. Am Wochenende wurde sie offizielleingeweiht.

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Von Claudia Parton

Die Luft riecht unverbraucht und würzig nach dem frischen Holz der Wände, der hellgrüne Boden ist noch ohne Striemen – doch das könnte sich bald ändern. Nach rund einem Jahr Bauzeit erobern nun die knapp 500 Schüler der Triebischtalschule an der Wettinstraße ihre neue Turnhalle. Mit einem großen Fest ist der Neubau am vergangenen Wochenende offiziell eingeweiht worden. Eckard Fatteicher, der Leiter der Mittelschule, freute sich über eine der modernsten Anlagen in der Stadt: „Wir haben völlig neue Geräte, einen freundlichen Saal und vor allem viel Platz.“

Wer baut die Geräte auf?

Mit leuchtenden Augen führte er die Besucher – Schüler, Ehemalige und Eltern – am Sonnabend durch die Halle: Zwei Felder hat sie, die sich mit einem Vorhang trennen lassen. „Jetzt können zwei Klassen gleichzeitig Unterricht bekommen“, sagte der Schulleiter. Er hofft, dass sie in der Halle ausgelassen spielen und toben können.

22 Klassen musste Fatteicher bis 2002 nacheinander im Vorgängerbau unterbringen – einem kleinen, miefigen Saal, der noch aus dem 19. Jahrhundert stammte. Dann kam die Flut der Triebisch. Nachdem das Wasser weg war, stand fest: Das Gebäude ist für den Schulsport nicht mehr zu gebrauchen, muss abgerissen werden.

So bekam die Triebischtalschule für knapp 2,7 Millionen Euro, was die alte Halle niemals hätte bieten können: Auf dem hellgrünen Fußboden – federnd und für Bodenturnen wie Ballspiele gleichermaßen geeignet – zeigen blaue, grüne und schwarze Linien die Felder für alle Sportarten, welche der Lehrplan fordert: Volleyball, Fußball, sogar Badminton. Die Basketball-Körbe und die Kletterwände lassen sich per Knopfdruck nach unten fahren. Über ein silbriges Rohr drückt frische Luft den verschwitzten Mief der Schüler während ihrer Sportstunden nach außen. Die Fassade ist in warmen Orangetönen gestrichen. „Ich habe hier gelegentlich Bauleute herum geführt. Alle waren begeistert“, so Fatteicher.

Wichtig war ihm auch der Verbinderbau, welcher es den Schülern erspart, im Regen über den Schulhof laufen zu müssen – und der über einen Fahrstuhl alle Barrieren für Rollstuhlfahrer ausräumt. Dafür mussten Teile der Schule abgerissen werden. Wo einst die Toiletten der Mädchen waren, klafft nun der Schacht für den Fahrstuhl. Die Chemie- und Physiklehrer büßten ein Drittel ihrer Fachkabinette ein. „Wir haben ihre Schränke in den Flur gestellt. Neue Toiletten gab es auch“, sagte der Schulleiter. Um den Verbinderbau finanzieren zu können, musste aber der Förderverein der Schule helfen: Er trug mehr als 70 000 Euro an Spenden zusammen.

Die Volleyballmannschaft, die Tanzgruppe und die Fußballer der Schule waren die ersten, welche die neue Halle am Sonnabend auskosten durften. „Es ist toll hier. Für uns fallen jetzt die langen Wege weg“, sagte Tina-Sophia Grille aus der siebten Klasse. Während der Bauzeit mussten sie und ihre Mitschüler in die Jahn- oder Afrahalle pendeln – was bis zu 25 Minuten der Pausen- und Unterrichtszeit gekostet habe, sagte die Sportlehrerin Steffi Starystach. Sie träumt nun, die Ausscheide im Bundeswettbewerb „Jugend trainiert für Olympia“ an ihre Schule zu holen.

Vorerst wird es aber bei einigen Testspielen bleiben: Das Schuljahr endet in knapp drei Wochen. Erst mit den neuen Stundenplänen will Fatteicher festlegen, welche Klasse wann die neue Halle nutzen darf. Zunächst werden ohnehin seine fünf Sportlehrer an den Geräten wie Reck und Barren üben, die ebenfalls neu sind. Sie entsprechen den Wünschen der Profiverbände, weil auch die Sportvereine an der Wettinstraße trainieren sollen. Daraus ergibt sich aber ein Problem für den Schulsport: Die Pause von zehn Minuten reicht nicht aus, um die Konstrukte aus Stahl und Holz aufbauen zu können. Fatteicher will nach Lösungen suchen. Wie die aussehen könnten, blieb ungewiss. Aber: „Das ist für uns kein Haar in der Suppe.“

Kommen neue Fünftklässler?

Unklar ist für viele Eltern allerdings, was die neue Halle für die Zukunft der Schule bedeutet. Im kommenden Schuljahr wird es keine fünften Klassen geben. Es meldeten sich zu wenige Schüler an. Einige Beobachter sehen die Ausgaben für die Halle als Garantie dafür, dass die Schule dennoch langfristig gehalten werden soll. Der Elternsprecher Jürgen Kwiasowski unterstellt der Stadt hingegen andere Pläne: Er vermutet, dass in dem Gebäude an der Wettinstraße eine große Grundschule untergebracht werden soll. „Wir haben uns unter anderem die Pläne für die neue Schülerbeförderung angeschaut. Daraus geht das in meinen Augen deutlich hervor.“

Fatteicher, beim Kultusministerium verbeamtet, wollte sich dazu nicht äußern. „Ich kann die Pläne für die Zukunft nicht beeinflussen.“ Er hofft aber auf fünfte Klassen im kommenden Jahr, die in der neuen Halle toben können.