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Die letzte Zelle

Die öffentlichen Telefone im Elbland verschwinden nach und nach. Doch es gibt auch neue Angebote.

© hübschmann

Von Peter Anderson

Wo steht die nächste Telefonzelle? Viele Meißner kommen bei dieser Frage ins Grübeln. Nach Angaben der Rettungsleitstelle des Landratsamtes gibt es derzeit im Altkreis Meißen noch rund 170 Häuschen beziehungsweise Säulen. Mitte der 90er Jahre dürften es über 250 gewesen sein. Zahlen kann die Deutsche Telekom eigenen Angaben zufolge nur für das gesamte Bundesgebiet liefern. Rund 40 000 sollen demnach zwischen Oberstdorf und Sylt ihren Dienst tun.

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Der für Sachsen zuständige Sprecher Georg von Wagner teilt auf SZ-Nachfrage mit, dass die öffentlichen Telefone durch den Siegeszug des Handys immer seltener benutzt werden. Seit Ende der 90er Jahre schrumpften die jährlichen Umsätze in der Sparte von einer Milliarde auf 100 Millionen Euro. „Wenn eine Telefonzelle nicht mehr gebraucht wird, dann sprechen wir mit der Kommune über einen Abbau“, sagt Wagner. Der Unterhalt koste Geld, etwa für Strom, Platzmiete und Wartung. Falle der Umsatz an einem Standort unter die 50 Euro pro Monat, wende sich die Telekom an das zuständige Rathaus. Entsprechende Post bekamen im Landkreis zuletzt die Bürgermeister von Priestewitz, Schönfeld, Zeithain und Glaubitz. Drei von ihnen lehnten den Abbau allerdings ab, lediglich eine Gemeinde stimmte zu. Das Besondere an diesem Verfahren: Die Kommunen haben gegenüber dem Unternehmen ein Vetorecht. Um die anfallenden Kosten zu reduzieren, bietet die Telekom den Rathäusern in solchen Fällen Alternativen wie sogenannte Basistelefone an.

Betrunken und Kinder

Fragt sich, wozu die Telefonzellen überhaupt noch nützlich sind, angesichts einer steigenden Handy-Dichte. Die Meinungen darüber gehen auseinander. Die Rettungsleitstelle des Landratsamtes spricht sich aus Prinzip für den Erhalt aus. „Grundsätzlich sollte keine technische Möglichkeit, einen Notruf abzusetzen, abgeschafft werden“, heißt es aus der Behörde. Die Bedeutung der Telefonzelle lasse sich nicht an der Einsatzstatistik messen. Deren Zahlen sind allerdings ernüchtern. Vergangenes Jahr hat die für den Altkreis zuständige Rettungsleitstelle Meißen gut 23 000 Notrufe entgegengenommen. 270 davon kamen aus Telefonzellen. In lediglich zwei Fällen rückten dann ein Rettungswagen beziehungsweise die Polizei aus. Der Rest fällt unter Fehlalarm und Missbrauch. Regionale Schwerpunkte kann die Leitstelle nicht erkennen. Insgesamt 52 öffentliche Telefone seien 2013 für Notrufe genutzt worden, heißt es.

Von ähnlichen Erfahrungen berichtet Jana Ulbricht, Sprecherin der für den Kreis Meißen zuständigen Polizeidirektion Dresden. Zwei Drittel der Notrufe erreichten die Polizei über das Funktelefon. Der Rest entfalle auf das Festnetz. Der Anteil von Telefonzellen werde nicht erfasst. Allerdings hätten die Kollegen berichtet, dass öffentliche Telefone gern von Betrunkenen in Anspruch genommen würden, die die 110 mit der Telefonseelsorge verwechselten. Auch Kinder und Jugendliche missbrauchten den Notruf für schlechte Scherze.

Ist damit das Aus für öffentliche Telefone besiegelt? Telekom-Sprecher Georg von Wagner kann das nicht erkennen. „Neue Dienste und Produkte steigern die Bedeutung“, sagt er. So seien 2010 rund 3,5 Millionen Kurznachrichten von öffentlichen Telekommunikationsstellen versandt worden. Sein Unternehmen habe eine Reihe neuer Angebote entwickelt und auf den Markt gebracht. An deutschlandweit rund 2 000 Telestationen und Multimediastationen sei mittlerweile kabelloser Internet-Zugang über WLAN verfügbar. Dort habe die Telekom sogenannte Hotspots eingerichtet, also öffentliche drahtlose Internetzugriffspunkte, an denen sich Passanten kabellos einwählen können. Unter www.hotspot.de gibt es einen Standort-Finder. Zu erkennen sind die Internet-Punkte am Aufkleber mit dem magentafarbenen Hotspot-Logo. Auch der Meißner Marktplatz gehört seit wenigen Wochen dazu.

Wer möchte, kann sich eine alte Telefonzelle kaufen. Informationen über Preise und Konditionen können schriftlich erfragt werden: [email protected]