SZ +
Merken

Die letzten Aussiedler sind ausgezogen

Rödern. Der Kreis hat das Übergangswohnheim für Spätaussiedler endgültig geschlossen.

Teilen
Folgen

Von Kathrin Krüger-Mlaouhia

Aufbruchstimmung an der Röderner Dorfstraße. Die Schränke werden ausgeräumt, das Geschirr aus der Gemeinschaftsküche aufgeteilt, ebenso wie viele Spenden, die im Laufe der Zeit hier ankamen. Das Übergangsheim für Spätaussiedler schließt seine Pforten. Der Mietvertrag der Großenhainer Diakonie beim Moritzburger Diakonenhaus als Eigentümer ist Ende des Monats Oktober ausgelaufen. Vorigen Freitag erhielten die letzten 22 Bewohner neue Wohnungsschlüssel für eine Plattenbauwohnung im Großenhainer Külzviertel oder in der Waldsiedlung auf dem Kupferberg. Am Sonnabend rollten die Umzugstransporter an.

Kaum noch Zuweisungen

„Zu Jahresende wäre das Haus sowieso geschlossen worden, es rentierte sich nicht mehr. Denn der Kreis bekommt kaum noch Spätaussiedler zugewiesen“, sagt Gerlinde Franke von der Diakonie. Das Diakonische Werk hatte die Heimbetreuung für den Landkreis übernommen. Das dreistöckige Haus in Rödern mit seinen 27 Zimmern verfügt über eine Kapazität von 80 Plätzen. „Maximal 75 Bewohner haben aber hier zeitweise gewohnt“, so Gerlinde Franke. Platz hatten sie ein bisschen mehr, als ihnen zusteht. In der Regel suchten sich die Russlanddeutschen nach einem halben Jahr Eingewöhnung ein eigenes Zuhause.

Als das Haus im April vor zwei Jahren eröffnet wurde, gab es unter den Einheimischen große Proteste. Bei einer Einwohnerversammlung äußerten sie große Ängste, dass man mit den Spätaussiedlern nicht auskäme. Das Gegenteil war der Fall. Röderner brachten des Öfteren Kleiderspenden. Vor allem die örtliche Kirchgemeinde half mit bei der Integration. Pfarrer Seifert besuchte die Spätaussiedler regelmäßig. Es entwickelten sich sogar Freundschaften wie zwischen dem 56-jährigen Wladimir Enders und einem Nachbarn. „Wir verlassen ein schönes Haus und eine schöne Umgebung“, sagt Enders beim Abschied etwas wehmütig. Hier gab es sogar einen kleinen Blumengarten. Sein neues Zuhause ist mit seiner Frau in Riesa-Weida, in der Nähe weiterer Familienangehöriger. Immerhin ein Jahr haben Lidia und Wladimir Enders in Rödern verbracht.

Nur zweieinhalb Monate war Maria Krohs mit Mann und zwei Kindern im Wohnheim. Aus Transkarpatien in der Ukraine kamen sie nach Deutschland. Von Anfang an besuchten auch die Krohs einen Deutsch-Sprachkurs. „Mir hat es hier gut gefallen, wir halfen uns untereinander sehr viel“, sagt Maria. Gern wäre der Familienverband, dem sie angehört, wieder in eine gemeinsame Wohnung gezogen. „Aber das geht bei uns in Deutschland nicht, das mussten die Familien leider einsehen“, so Gerlinde Franke.

Hilfe bei der Wohnungssuche

Noch am 13. Oktober war eine Mutter mit fünf Kindern im Heim angekommen. Unter Zeitdruck musste auch für sie eine Wohnung gefunden werden. „Die Großenhainer Wohnungsgesellschaft und die Arge waren sehr kooperativ“, sagt Gerlinde Franke. Niemand wäre auf der Straße gelandet. Zumal für eine Aussiedlerfamilie die Miete entsprechend den Hartz-IV-Sätzen bezahlt wird, wenn sie sozial bedürftig ist.

Auch sechs Schulkinder und ein Kindergartenkind verlassen nun Rödern. Der kleine Mark wollte unbedingt bis zum letzten Tag in die Kita gehen. „Wir sind mit den Aussiedlerkindern immer gut klargekommen, sie werden uns fehlen“, meint die Röderner Kitaleiterin. Mark muss sich wie die drei Grundschüler an neue Freunde gewöhnen. Die Mittelschüler wurden eh schon in Großenhain unterrichtet.