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Letzte Fichten verschwinden in Klosterbuch

Zumindest aus dem angrenzenden Klosterbucher Forst. Der Klimawandel verdrängt diese Baumart, aber nicht den Borkenkäfer.

Die letzten drei Hektar Fichtenwald muss der Leiter des Klosterbucher Staatsforstrevieres Ronald Köllner jetzt einschlagen lassen. Der Klimawandel lässt den Fichten in der Region keine Überlebenschance.
Die letzten drei Hektar Fichtenwald muss der Leiter des Klosterbucher Staatsforstrevieres Ronald Köllner jetzt einschlagen lassen. Der Klimawandel lässt den Fichten in der Region keine Überlebenschance. © Lars Halbauer

Leisnig/Roßwein. Wenn Ronald Köllner, der Leiter des Klosterbucher Forstreviers, vom teilweise schlimmen Zustand des Waldes erzählt, kann mancher ihm kaum glauben. Denn angesichts des frischen Grüns scheinen die Wälder gerade jetzt beinahe zu leuchten. Gewiss, ein paar braune Spitzen hier und da stören das Bild, das eine Wohltat für die Augen ist. Doch der schöne Schein trügt.

Mehr als deutlich wird das im Moment an einem Weg, der kurz hinter der alten Försterei in Wendishain nach Westewitz hinunter führt. Dort hat vor ein paar Tagen der Einschlag von Fichten begonnen. „Der letzten hier in diesem Revier“, sagt Ronald Köllner. 

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Wie groß der Bestand vor 35 Jahren war, als er als Förster angefangen hat, ließe sich gewiss noch nachvollziehen. Aus dem Stegreif weiß der Klosterbucher, dass er in seinem Revier zum 1. Januar 2012 noch 28 Hektar Fichtenwald betreute. „Jetzt haben wir hier noch drei Hektar in absterbendem Zustand“, sagt er.

Das Fichtensterben führt der Forstmann auf den Klimawandel und dessen Auswirkungen wie Sturm, lange Trockenheit und den damit verbundenen verstärkten Schädlingsbefall zurück. „Dies alles hat dieser Baumart in unserer Region so zugesetzt, dass es hier keine Überlebenschance mehr für die Fichte gibt“, fasst Ronald Köllner zusammen.

Derzeit lässt er Bäume, die er noch verwerten kann, einschlagen. Dafür muss schwere Technik her. Denn die Fichten stehen an hängigem Gelände. Eine andere Form der Holzernte kommt dort nicht infrage.

Jede Art Baum hat ihre Borkenkäfer

Am Hang gegenüber werden die teils schon abgestorbenen Fichten wohl stehenbleiben. Die Flächen dort sind mit Technik noch schwerer bis gar nicht zu erreichen. Lohnen würde sich der Einschlag also nicht mehr. „In diesem Totholz liegt auch eine Chance für die Natur. Denn 20 Prozent der Waldlebewesen sind von stehendem oder nach einem Sturm umgestürzten Alt- und Totholz abhängig“, erklärt der Revierförster. Außerdem seien diese schon abgestorbenen Fichten keine Gefahr mehr in Sachen Borkenkäfer. Der lege seine Eier nur in noch lebenden Bäumen ab.

Mit dem Tod der letzten Fichten in seinem Revier dürfte sich das Thema Borkenkäfer für Ronald Köllner im Raum Klosterbuch doch nun erledigt haben und eine große Plage vom Tisch sein. Doch so einfach ist es nicht. 

„Jede Baumart hat ihren Borkenkäfer“, sagt er. Deshalb schaut sich der Revierförster jetzt häufiger zum Beispiel Lärchen an. Denen setzt nämlich der Große Lärchenborkenkäfer zu. „Allerdings längst nicht in den Ausmaßen, wie das bei Fichten der Fall war“, sagt Köllner.

Wenn die derzeitige Einschlagfläche beräumt ist, dann wird sich der Revierförster über eine Aufforstung Gedanken machen. „Auf jeden Fall kommen Eichen hier oben hin“, kündigt er an. Auch Edellaubhölzer wie Esche und Ahorn oder Ulmen könne er sich dort gut vorstellen. 

Damit setze der Forst den schon seit rund 50 Jahren laufenden Waldumbau fort. Bei dem werde auf den Anbau in der Region typischer Gehölze gesetzt. Die Fichte war das hier in der Region nicht, selbst wenn sie beispielsweise auf einer Fläche im Zweiniger Grund bei Roßwein sogar als reiner Fichtenwald angelegt worden ist und heute wie ein dunkler Märchenwald anmutet.

Fichtensterben auf dem Hartenberg

Deutschlandweit ist immerhin jeder vierte Baum eine Fichte – noch. „Sie kommt eigentlich aus der Taiga und ist in Mittel- und Hochgebirgen zuhause“, sagt der Chef des Klosterbucher Reviers. Der Siegeszug dieser Baumart begann hierzulande Ende des 18. Jahrhunderts, als ein großer Teil der Wälder heruntergewirtschaftet, zugleich aber der Bedarf an Bau- und Brennholz groß war. 

„Die Fichte eignete sich als anspruchslose Baumart gut für die Wiederaufforstung solcher Standorte“, erzählt Ronald Köllner. „Wo ursprünglich Laubwälder stockten, wuchsen bald reine Wälder aus gleichaltrigen Fichten heran, die große Mengen Holz lieferten“, erklärt er, weshalb die Fichte seit zwei Jahrhunderten den deutschen Wald prägt.

Der Vorteil einer reinen Fichtenwirtschaft seien hohe Holzerträge. Dem gegenüber stünden aber auch Nachteile: Durch Sturm und den Befall von Schädlingen besteht die Gefahr, große Teile des Bestandes auf einmal zu verlieren. Auch im Klosterbucher Revier gehörte die Fichte zu jenen Bäumen, die es bei den letzten großen Stürmen in den Jahren 2017 und 2018 am häufigsten zu Fall gebracht hat.

Ein paar einzelne Fichten werden Waldbesucher eventuell auch künftig noch hier und da sehen können. Neue kommen keine hinzu. „Die Fichte gilt als heimische Baumart mit dem ungünstigsten Anpassungspotenzial an kommende klimatische Veränderungen“, begründet Ronald Köllner. 

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Diese benötige zwar nur wenige Nährstoffe, die Wasserversorgung allerdings muss gewährleistet sein. Das war in den vergangenen trockenen Sommern und auch den zu niederschlagsarmen Wintern nicht immer der Fall. Das hat den Fichten zugesetzt. Daher hatten nicht nur Stürme, sondern auch Borkenkäfer und Rotfäule ein leichtes Spiel mit ihnen.

​Genau deshalb ist mittlerweile auch der Hartenberg, Roßwein größtes Stück Kommunalwald, nahezu frei von Fichten. Die abgestorbenen Bäume bleiben dort zumeist als Totholz liegen. Revierförster Dirk Tenzler, der die Flächen betreut, versucht, dort die Küstentanne in den Mischwald zu integrieren. Er hofft, dass diese Baumart besser als andere mit dem Klimawandel zurecht kommt.

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