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Die leuchtende Tomatenplantage

Eine Anlage hinter der polnischen Grenze sorgt seit Wochen für Aufregung. Nun hat sich ein Sachse beim Umweltministerium beschwert.

© Matthias Weber

Von Jan Lange

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Der Himmel bei Zittau leuchtet in einem grell-gelben Licht. Dabei ist es nach 18 Uhr, und es müsste, jetzt im Winter, eigentlich dunkel sein. Dass der Himmel taghell ist, liegt an der Beleuchtung der riesigen Tomatenplantage hinter dem polnischen Kraftwerk in Turow.

Nun gibt es die erste Beschwerde eines Bürgers über grenzüberschreitende Lichtverschmutzung. Das bestätigte Landrat Bernd Lange (CDU) auf Anfrage von Kreisrat Jens Thöricht (Linke). Die Angelegenheit, so Lange, werde aber von Sachsens Umweltministerium bearbeitet. Wie die SZ aus der Dresdner Behörde erfuhr, gibt es noch keine abschließende Entscheidung zu der Beschwerde. „Eine ordentliche Bewertung ist erst nach einer Messung vor Ort möglich“, sagt Pressesprecher Falk Hofer. Nun werde nach einem geeigneten Messort im Haus des protestierenden Bürgers gesucht. Wie auch ein günstiger Zeitpunkt für die Messung. Danach werden die Umweltfachleute über das weitere Vorgehen entscheiden.

Ganz einfach wird das jedenfalls nicht. Denn es gibt keine europaweiten Grenzwerte für Lichtimmissionen. Selbst in Deutschland existieren nur Richtwerte. Demnach darf die Raumaufhellung in einem Dorf tagsüber fünf Lux und nachts ein Lux betragen. Für ein Wohngebiet betragen die Richtwerte drei Lux tagsüber und ein Lux nachts. Die Beleuchtungsstärke einer Kerze in etwa einem Meter Entfernung beträgt zum Vergleich ebenfalls ein Lux. „Selbst bei der Überschreitung der deutschen Richtwerte sind Sanktionen nicht einfach so durchsetzbar“, räumt Hofer ein. Gegebenenfalls könne durch Gespräche aber erreicht werden, dass die Beleuchtungsstärke verringert wird. Das hat beispielsweise schon mal im Fall des Kraftwerkes Turow geklappt.

Auch für Lärm gibt es keine europaweit gültigen Grenzwerte. Trotzdem werden seit Längerem umfangreiche Lärmminderungsmaßnahmen im Kraftwerk umgesetzt. Erst vor einigen Wochen konnten sich die deutschen Nachbarn davon vor Ort ein Bild von dem machen. Hirschfeldes Ortsbürgermeister Bernd Müller war damals bei dem Treffen im Kraftwerk dabei. Beim Rundgang über die Gebäude seien die Besucher auch aufs Dach geführt worden. Dabei wurde zufällig die neue Tomatenplantage entdeckt, die kurz vor der Eröffnung stand. Zuvor habe es keinerlei Informationen von den Nachbarn über die Großinvestition gegeben – und schon gar nicht zu den möglichen Lichtbelastungen, die auf die Anwohner zukommen. „Das ärgert einen schon ein wenig“, sagt Müller.

Jens Thöricht ist darüber ebenfalls nicht sehr glücklich. „Es gibt doch grenzüberschreitende Informationskanäle, warum nutzen wir diese nicht“, fragt sich der Kreisrat. Dass die deutschen Behörden in das Genehmigungsverfahren nicht einbezogen wurden, wird sowohl vom Umweltministerium wie auch von Zittaus Ex-Bürgermeister Michael Hiltscher (CDU) bestätigt. Dabei sind die polnischen Behörden aufgrund internationaler Vorschriften verpflichtet, Projekte gegenüber dem Nachbarstaat anzuzeigen, wenn diese erhebliche nachteilige grenzüberschreitende Umweltauswirkungen haben. Der betroffene Nachbarstaat hat dann Gelegenheit zu einer Stellungnahme. Im Fall der Windkraftanlagen, die in großer Anzahl über der Neiße auf polnischer Seite errichtet werden, waren die deutschen Nachbarn beispielsweise eingebunden. Die Lichtbelästigung durch das Riesengewächshaus könnte etwa durch Jalousien verringert werden, schlagen Anwohner vor. Ein Vorschlag, den auch Energieberater Ludwig Koban unterstützt. Er hat sich wegen der außergewöhnlichen Beleuchtung an mehrere Kreistagsfraktionen gewandt. Er fürchtet, dass das grelle Licht auch Einfluss auf die Insektenwelt haben könnte. Von der Verringerung der Lichtimmissionen nach außen könne ebenso der Betreiber profitieren, da so der Energieverbrauch zurückgehe.

Bei der Beleuchtung der Plantage könne man von Lichtsmog reden, findet Ex-Bürgermeister Hiltscher. Nach Erkenntnissen des Umweltministeriums wird die Lichtquelle derzeit gegen 17 Uhr abgeschaltet. Ortsbürgermeister Müller widerspricht. Er sei am Montag kurz nach 18 Uhr zur Singstunde gefahren und habe dabei einen hellgelben Schein am Himmel gesehen. Die gesamte Nacht leuchte die Anlage aber nicht, bestätigen Bewohner. So sei die grelle Beleuchtung am Montagabend kurz vor acht ausgeschaltet worden. Am frühen Morgen, zwischen drei und vier Uhr, werde sie eingeschaltet, berichtet Hiltscher. Er selbst stört sich relativ wenig an der ungewöhnlichen Lichtquelle. „Andere stört es mehr“, meint der 65-Jährige. Viele Menschen seien einfach sensibler geworden. Hiltscher geht davon aus, dass die Beleuchtung im Sommer wahrscheinlich nicht eingeschaltet wird.

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