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Hoyerswerda

Etwas Buntes in dieser Zeit

Wochenmärkte dürfen weiter stattfinden. Kunden und Händler sind froh darüber und nutzen die regionalen Angebote.

In Hoyerswerda ist der Wochenmarkt in der Altstadt traditionell schwächer bestückt als der in der Neustadt.
In Hoyerswerda ist der Wochenmarkt in der Altstadt traditionell schwächer bestückt als der in der Neustadt. © Foto: Juliane Mietzsch

Hoyerswerda/Weißwasser. Am Dienstag ist auf dem Platz an der Schwimmhalle und freitags auf dem Platz vorm Rathaus in Weißwasser immer Wochenmarkt. Besonders ältere Menschen mögen diese Märkte. Hier bekommen sie frische Ware, selbst in kleinen Mengen, erfahren sie persönliche Bedienung und Neues, treffen sie Bekannte, können sie schwatzen und sich die Zeit vertreiben. So war es bis jetzt. Nun heißt es: hingehen, einkaufen, heimgehen. Denn die Märkte unter freiem Himmel unterliegen durch Corona ganz besonderen Vorschriften. So sind Hygienevorgaben und Steuerung des Zutritts – um größere Ansammlungen und Warteschlangen zu vermeiden – klar geregelt. Klappt es, gehören Wochenmärkte weiter zum Alltag – obgleich Angebot, Nachfrage und das Einkaufserlebnis stark abgenommen haben. Vorigen Freitag war der Wochenmarkt nicht mal halb so groß wie sonst. Weil die Grenzen zu sind, fehlten auch die beliebten polnischen Waren.

„Bleibt bitte dort. Weiter stellen wir uns nicht zusammen. Ich will nicht krank werden“, sagt eine ältere Dame, während sie Arm und Hand samt Gehstock ausstreckt und in Richtung ihrer Bekannten hält. Die vier Damen kaufen auf dem Wochenmarkt in Weißwasser ein. Doch wie viele Menschen haben auch sie Angst vor Corona, verzichten deshalb freiwillig auf Nähe und ihre sonst geliebten langen Schwätzchen.

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Einsicht und Vorsicht bei allen

„Die Händler achten sehr streng auf Einhaltung der Regeln. Ebenso die Käufer. Das ist gut, trotzdem beobachten und kontrollieren wir. Sonderauflagen seitens der Stadt gibt es für die Wochenmärkte aber nicht“, so Weißwassers Stadtsprecher Wulf Stibenz. Wie sich an Regeln halten funktioniert, ist an einem mobilen Bäckerstand zu erleben. „Bitte halten Sie Abstand und benutzen Sie den Teller für das Geld“, ruft die Verkäuferin den Kunden zu. Wie alle Händler auf dem Wochenmarkt trägt sie Handschuhe, reinigt regelmäßig den Stand und hat gut sichtbar ein Hinweisschild zum Kundenverhalten an einer Scheibe.

So ein Schild hat auch ein Hausschuh-Händler aus Forst. Doch bei ihm wirken die Hinweise fast ironisch. Seit Stunden wartet er vergeblich auf Kunden. „Ich weiß nicht, ob ich weiter auf Wochenmärkte fahre“, so der Mittsechziger, der den Namen nicht nennen will. Als Solo-Selbstständiger hofft er wegen der Umsatzeinbußen auf Hilfe. „Ein Kredit würde nicht helfen, aber früherer Renteneintritt. Das lasse ich prüfen.“

Weiter regionale Märkte abklappern will dagegen „Gurkenschulze“, alias Gerd Schulze, aus Lübben. Am Stand mit Spreewälder Erzeugnissen warten die Kunden in gebührendem Abstand auf Bedienung. „Kundschaft und Umsatz sind da. Wir ziehen durch, solange es geht“, so Schulze.

So sieht es auch die Verkäuferin am Stand der Gärtnerei Steglich aus Bautzen. „Wir bieten selbst produziertes Obst und Gemüse, Blumen sowie Pflanzen für Gärten an“, erklärt Andrea Frenzel, während ein Kunde nach Kohlrabipflanzen fragt. „Die «Weißen» sind ausverkauft“, erklärt Frenzel. Der Kunde nimmt fünf blaue Pflanzen, zahlt, geht. „Solange die Wochenmärkte öffnen dürfen, sind wir da. Die Leute brauchen auch was Buntes in dieser Zeit“, sagt die Verkäuferin – eine von dreien, die sechs Tage die Woche auf Märkten von Löbau bis Radeberg, Weißwasser bis Hoyerswerda stehen – und zeigt dabei auf Tulpen- und Narzissensträuße. „Ihr seid goldrichtig hier“, bestätigt ihr eine Kundin aus der Region Pforzheim, die gerade Blumen kauft. Immer, wenn sie ihre Mutti in Rietschen besuche, gehe sie freitags auf den Wochenmarkt in Weißwasser. „Wenn sich alle richtig verhalten, können die Wochenmärkte hoffentlich noch lange öffnen“, sagt sie.

Corona ist oft Gesprächsthema

In Hoyerswerda ist das Bild nicht viel anders. Die Straßen und Plätze werden zunehmend leerer. Zuletzt durch das erlassene Kontaktverbot. Deutlich zu sehen war das auch noch mal auf dem Wochenmarkt am Sonnabend. Auf dem Lausitzer Platz haben wie üblich verschiedene Anbieter aus der Stadt und Region ihre Stände und Wagen platziert. Auf dem großzügigen Areal bieten etwa 15 Händler ihre Waren an. Das Angebot reicht von Obst und Gemüse über Pflanzen hin zu Wurst- und Käsewaren und Fisch. Zuletzt gab es für eine kurze Zeit gar keinen Wochenmarkt, weil durch die Stadt Hoyerswerda zunächst die Durchführung verboten, aber wenige Tage später wieder erlaubt wurde. Diese vorübergehende Schutzmaßnahme fand nicht nur Anklang. Die Händler lassen sich den Wochenmarkt ungern entgehen: um die Kundschaft nicht an die Supermärkte zu verlieren und stattdessen die Kaufkraft in der Region zu belassen. Da, wo Unterstützung gerade dringend benötigt wird. Die Gespräche drehen sich häufig um Corona, die Folgen und die ungeahnten Ausmaße. „Rausgehen, so lange es noch möglich ist“, hörte man einerseits. Andererseits sei es wichtig „nicht zu viel Panik zu verbreiten“. Dass Hysterie keinem nützt, wird oft angesprochen.

Mittagsangebote locken Kunden

Die Händler geben weiterhin ihr Bestes. Auch die kleinen Einkäufe helfen. Am Sonnabend wurden mal Blumen für den Friedhof benötigt, mal für den Garten. Aus der Ferne ließ sich auch eine besonders lange Schlange erkennen, denn hier wurde Abstand gehalten. Die Kunden warteten geduldig auf das langsame Vorrücken bis hin zur Bedienung an diesem Wagen mit Fleisch und Wurst. Eine gesunde Vorsicht mischte sich mit dem Verlangen nach Normalität. Vereinzelt schlenderten Menschen über den Markt, aber meist waren es zielgerichtete Einkäufe, die erledigt wurden.

Auch am Montag baute ein Händler auf dem Markt in der Altstadt wie gewohnt seine Waren auf. Dass an diesem Tag kein weiterer Stand vorhanden ist, hat wenig mit Corona, sondern vielmehr mit den Entwicklungen der letzten Jahre zu tun. „Das scheint sich nicht mehr zu lohnen“, erklärt die Verkäuferin, die am Morgen aus Bautzen mit dem Lieferwagen gekommen ist. Freitags ist der Wochenmarkt in der Altstadt wesentlich belebter. Dann locken auch verschiedene Mittagsangebote die Menschen auf die Fläche.

Stammkunden kommen auch an diesem Tag und erledigen ihre Besorgungen. Es gibt den Hinweis, auf Hygieneregeln und den nötigen Abstand zu achten. Ein besonders breiter Aufbau der Tische und Regale mit Pflanzen, Blumen und Lebensmitteln wie Kartoffeln, Zwiebeln und Gurken ermöglicht es, den nötigen Abstand zu halten. Hier gibt es mehr Möglichkeiten, Platz zu schaffen, als in einem normalen Laden. Und diese werden genutzt. „Wir versuchen, die Bevölkerung zu versorgen, so lange wir dürfen“, verspricht die Verkäuferin. Ab und zu ergibt sich ein Gespräch mit Kunden; neuerdings auch vermehrt mit Neukunden, die Fragen haben und das Sortiment noch nicht so gut kennen.

Von den geschlossenen Baumärkten wird etwas profitiert. Denn Blumenerde ist zum Beispiel erhältlich – aber Toilettenpapier wird es auch in Zukunft auf dem Wochenmarkt nicht geben. Am heutigen Dienstag sind die Händler dann wieder auf dem Lausitzer Platz zu finden.