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„Die Leute haben die Nase voll von Versprechungen“

Christian Walter ist neuer Gemeinde-Chef von Bad Gottleuba-Berggießhübel. Er will keine Luftschlösser bauen.

Wie entwickelt sich Bad Gottleuba-Berggießhübel? Ab 1. März liegt das in der Hand des neuen Bürgermeisters.
Wie entwickelt sich Bad Gottleuba-Berggießhübel? Ab 1. März liegt das in der Hand des neuen Bürgermeisters. © Foto: Marko Förster

Bad Gottleuba-Berggießhübel hat einen neuen Bürgermeister gewählt. Nach aufreibenden Wochen fällt beim parteilosen 34-jährigen Christian Walter die Anspannung ab. Er hat am Sonntag im zweiten Wahlgang gegen die CDU-Kontrahentin Madlen Rätze mit 67,5 Prozent gewonnen. Zeit zum Ausruhen ist nicht. Der Kurort steht vor einigen Herausforderungen.

Haben Sie Ihre Sprache wiedergefunden, Herr Walter?

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Ein Spitzenangebot kommt selten allein: Wer bei MediaMarkt Technik einkauft, bekommt reichlich Geschenke. Und die haben es wirklich in sich.

Ja, klar. Aber ich freue mich noch immer sehr. Meine erste Reaktion war: Unfassbar, wie viele für mich stimmten. Ich werde mit meiner Leidenschaft und Einsatzbereitschaft für das Bürgermeisteramt antworten und mit Vernunft und Sicherheit für die Zukunft unseres Kurortes arbeiten.

Wer hat Ihnen am Sonntagabend zuerst gratuliert?

Der erste Gratulant war Gemeindewahlleiter Lothar Seifert, dann folgten der Liebstädter Bürgermeister und der Bad Gottleubaer Amtsinhaber. Auch viele Wahlhelfer gratulierten. Zu Hause dann auch meine Eltern, die mitgefiebert hatten. Am Montag ging es weiter. Es ist ein schönes Gefühl.

Der Montag war für Sie ein normaler Arbeitstag. Sie hatten Einsatz als Schöffe am Jugendgericht. Wann wird Ihnen Amtsinhaber Thomas Mutze die Geschäfte übergeben?

Ich würde die Amtsgeschäfte gern am 1. März übernehmen. Die Amtszeit von Herrn Mutze endet regulär am 28. Februar. Ich wünsche mir, dass es funktioniert, abhängig ist es jedoch von Fristen wie der Bekanntmachung und Wahlprüfung. Ich hoffe, das Wahlergebnis wird akzeptiert.

Der bisherige Verwaltungsleiter ist der neue Bürgermeister von Bad Gottleuba-Berggießhübel: Christian Walter.
Der bisherige Verwaltungsleiter ist der neue Bürgermeister von Bad Gottleuba-Berggießhübel: Christian Walter. © Marko Förster

Sie hatte vor der Wahl gesagt, im Falle des Sieges von Frau Rätze nicht mehr als Verwaltungsleiter in Gottleuba zu arbeiten. War das ernst gemeint?

Ja. Ich hätte mich beruflich verändert.

Sie sind im Wahlkampf als der sachliche Rechner und Pragmatiker aufgetreten, der kaum etwas verspricht und Wünschen auch mal mit einem „aber“ begegnete. Trotzdem hat die Mehrheit der Wähler Ihnen das Vertrauen ausgesprochen. Wie erklären Sie sich das?

Ich denke, das hat mit Offenheit und Ehrlichkeit zu tun, auch wenn das nicht so bequem ist. Ich habe erlebt, dass die Leute die Nase voll haben von Versprechungen. Sie wollen lieber ein ehrliches Nein und wissen, woran sie sind. Was ich auch erfahren habe, ist ein ganz großer Gesprächsbedarf.

Wie werden Sie den nach der Wahl decken?

Mit mehr Transparenz und regelmäßigen Einwohnerversammlungen in allen Ortsteilen.

Was gehen Sie als Erstes an? Die Liste der Wünsche, Forderungen, Notwendigkeiten ist lang …

Das Erste ist, auch wenn ich da noch nicht offiziell Bürgermeister bin, dass ich am 14. Februar im Stadtrat auf einen mehrheitlichen Beschluss des Haushaltes hoffe, damit die geplanten Investitionen beginnen können. Das sind der gemeinsame Rathausstandort, die Kirchbergbrücke, die Elektrosanierung der Grundschule, Breitband in allen Ortsteilen und das Stadtentwicklungskonzept.

Ihre Mitbewerberin Madlen Rätze ist Stadträtin, mit ihr müssen Sie gemeinsam für die Zukunft des Kurortes arbeiten. Der Ton zwischen Ihnen war im Wahlkampf nicht immer freundlich, um es vorsichtig zu sagen. Wie soll das weitergehen?

Ich hoffe, dass es trotz des anstrengenden Wahlkampfes nicht zu einem Stillstand kommt, sondern wir zur Sachpolitik zurückkehren und die Streitigkeiten aufhören. Jeder Stadtrat und auch der Bürgermeister ist Teil einer Gemeinschaft, die sich als Ganzes sehen sollte.

Was hat Sie der Wahlkampf gekostet?

Ich habe als Einzelkandidat alles selbst bezahlt, hatte aber große Hilfe bei der Organisation. Aber der vierstellige Betrag, den ich investiert habe, hat sich gelohnt.

Sie haben gesagt, Sie seien zu abergläubisch, um eine Wahlparty zu organisieren. Sie werden aber noch feiern, oder?

Natürlich. Es ist mir ein Bedürfnis und eine Herzensangelegenheit, mit meinen Unterstützern zu feiern und ihnen Danke zu sagen. Ohne sie hätte ich das nicht durchgestanden. Es ist ein wahnsinniges Netzwerk entstanden, das mich nun weiter trägt.

So haben die Ortsteile abgestimmt

Bad Gottleuba: Madlen Rätze verliert in ihrer Heimatstadt am Sonntag im Vergleich zum ersten Wahlgang Stimmen. Statt 336 Stimmen erhält sie nur noch 263. Walter steigt von 380 auf 425.

Berggießhübel: Hier lagen in der ersten Runde der nun nicht mehr kandidierende Chris Mathias Wolf und Madlen Rätze mit jeweils 201 Stimmen gleichauf. Nun bleibt Rätze auch mit 184 Wählern unter dem Januar-Ergebnis. Für Walter ist es der Ortsteil mit den meisten Wählern: 458. Berggießhübel ist auch der Ortsteil mit der höchsten Wahlbeteiligung: 45,5 Prozent.

Langenhennersdorf/Bahra: 206 Wähler stimmen am Sonntag für Walter, das sind neun mehr als bei der ersten Wahlrunde. Madlen Rätze 76 Stimmen, bei ersten Wahlgang waren es 110. Langenhennersdorf/Bahra hat am Sonntag die zweitgeringste Wahlbeteiligung von 38,3 Prozent.

Börnersdorf-Breitenau: Hier trennten Walter und Rätze beim letzten Mal nur drei Stimmen. Diesmal holt Walter in der CDU-Hochburg fast doppelt so viele wie sie: 114 zu 58.

Markersbach/Hellendorf: Hier war am Sonntag die Beteiligung am geringsten: 37,3 Prozent. Doch die Entscheidung war deutlich: 149 Stimmen für Christian Walter, 62 für Madlen Rätze. Bei der Januar-Wahl wollten 78 Einwohner der Orte sie als neue Bürgermeisterin sehen.

Briefwahl: Schon beim ersten Mal waren die Briefwähler mehrheitlich Walter-Wähler. Diesmal entfielen von 312 Stimmen 206 auf Walter, 106 auf Rätze. Das prozentuale Verhältnis entspricht in etwa dem vom ersten Mal: 151 Walter, 85 Rätze. Quelle: Wahlleiter Kommune

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