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"Kinder ertrinken oft lautlos"

Der Dresdner Rettungsschwimmer Erik Elster warnt vor mehr Badeunfällen durch die Corona-Krise und gibt wichtige Hinweise für den Ausflug zum See.

Baden in der Elbe ist längst nichts Außergewöhnliches mehr. Rettungsschwimmer Erik Elster will die Dresdner für die Gefahren beim Baden sensibilisieren.
Baden in der Elbe ist längst nichts Außergewöhnliches mehr. Rettungsschwimmer Erik Elster will die Dresdner für die Gefahren beim Baden sensibilisieren. © Sven Ellger

Dresden. Schlangestehen vor dem Freibad? Abstandsregeln einhalten? Vielen Dresdner könnte das in den kommenden Wochen zu nervig sein. "Es ist zu vermuten, dass in der Corona-Zeit mehr Menschen als in anderen Jahren auf freie Badestellen ausweichen werden", sagt Erik Elster. Dort kann dann allerdings auch er im Notfall nicht helfen - weil er nicht da ist.

Der 29-Jährige ist so etwas wie der perfekt ausgebildete Retter. Er kam mit 16 Jahren über einen Freund zum Rettungsschwimmen hat inzwischen alle Ausbildungen durchlaufen. Außerdem ist er noch Fließwasser- und Luftretter, hat eine Ausbildung zum Rettungsassistenten absolviert - und ist obendrein noch psychologisch bewandert.

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Vor sieben Jahren kam er aus der Heimatstadt Quedlinburg für sein Psychologiestudium nach Dresden. In wenigen Wochen will er die Masterarbeit beenden. Deswegen weiß Elster auch noch nicht, ob er es in diesem Sommer an die Ostsee schaffen wird. Es wäre seine elfte Saison als Rettungsschwimmer, aber dieses Jahr läuft sowieso alles ein bisschen anders. 

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Die Badesaison startete Corona bedingt mit Verspätung. An den Schulen fiel wochenlang der Schwimmunterricht aus, der laut Elster in Sachsen auch in normalen Zeiten schon äußerst stiefmütterlich behandelt werde. Viele Kinder lernten so immer schlechter und später schwimmen.

Da viele Urlaubsreise abgesagt wurden, werden in diesem Jahr wohl mehr Dresdner daheim nach Abkühlung suchen. Dabei prognostizieren Wetterexperten erneut einen besonders heißen Sommer.

"Wir sind auf jeden Fall bereit", sagt Erik Elster. Er ist Mitglied der Studentischen Wasserwacht, einer von zwei Dresdner Ortsgruppen, die gemeinsam die Kreiswasserwacht bilden, hinter der das Deutsche Rote Kreuz steht. Viele Veranstaltungen, bei denen er und die anderen Dresdner Rettungsschwimmer in diesem Jahr ehrenamtlich im Einsatz gewesen wären, wurden abgesagt. Zum Beispiel das Elbeschwimmen und das Anpaddeln. Nur zu Himmelfahrt war er bislang auf dem Wasser. 

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Auch ohne Ostseereise wird sich das in nächster Zeit ändern. Die Freibäder sind inzwischen offen und bei großem Andrang greift die Dresdner Bäder GmbH auf  Rettungsschwimmer wie ihn zurück.

An den freien Badestellen wie der Elbe oder der Kiesgrube in Leuben, die in diesem Jahr nun vermutlich stärker genutzt werden könnten, gibt es dagegen niemanden, der im Zweifel Leben retten kann. "Genau deswegen haben wir uns gerade dieses Jahr für die Kampagne entschieden", sagt Erik Elster. Er meint die Kampagne #SchauAuf, eine gemeinsame Initiative von Wasserwacht und Deutscher Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) Dresden

Für die Kampagne entwickelten die Dresdner Retter fünf Grundsätze: Schau auf deine Kinder, schau auf deine Sicherheit, schau auf Gefahren im Wasser, schau auf andere in Not und schau auf Signale und Hinweise.

"Wir wollen das Bewusstsein schärfen"

Vor allem das längst allgegenwärtige Smartphone und die damit verbundene Unaufmerksamkeit an Seen und Flüssen berge ein hohes Risiko. Wenn Mama und Papa gerade beide Nachrichten tippen, im Internet surfen oder Spiele daddeln, dann sind ihre Kinder zu oft und zu lange unbeobachtet. "Die Leute müssen wieder mehr auf ihre Kinder schauen", sagt Erik Elster. Um so mehr dort, wo keine Rettungsschwimmer zur Verfügung stehen.

Die einfachsten Sicherheits- und Verhaltensregeln könnten daher nicht oft genug wiederholt werden. 

"Viele denken immer noch, das Kind werde schon schreien, wenn es Hilfe braucht", sagt Erik Elster, "aber Kinder ertrinken oft lautlos". Im und am Wasser müssten sie daher jederzeit aufmerksam beobachtet werden.

Wer sich in der Elbe abkühlen wolle, der müsse ausreichend Abstand von Brücken und schwimmenden Hindernisse halten. Bei Brücken sind das laut Wasser- und Schifffahrtsamt mindestens 100 Meter.

"Wir wollen mit der Kampagne niemanden bevormunden", betont Erik Elster, "sondern nur das Bewusstsein über häufige Ursachen von Badeunfällen stärken." Die seien zwar zum Glück selten, aber jeder Einzelfall sei einer zu viel. 

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