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Die Leutewitzer Papiermacher

Die Mädchen und Jungen der 75. Grundschule verwandelten ihren Klassenraum zu einer Papierfabrik im Kleinformat.

Von Alexander Gessert

Laurenz hat sich bisher nicht viele Gedanken gemacht, was mit seinem Trinkpäckchen passiert, wenn er die Milch leergetrunken hat. Er wirft es in den Mülleimer und danach muss der Junge sich wieder auf den Mathe- oder Deutschunterricht konzentrieren. Wie es jedoch mit dem Pappkarton weitergeht, zeigte jetzt die Aktion „Wir machen Papier“ dem 10-Jährigen und seinen Klassenkameraden der 4a. Die Kinder der 75. Grundschule an der Warthaer Straße lernten dabei auf spielerische Weise, wie Nachhaltigkeit in der Praxis funktioniert.

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Im Mittelpunkt der Aktion stand eine Papierfabrik im Kleinformat. So recycelten die Schüler ihre leeren Milchpackungen, indem sie zunächst die Zellstofffasern zurückgewannen und daraus anschließend neues Papier schöpften. „Für mich ist das vollkommen neu, aber ich habe mich sehr darauf gefreut“, sagt die 10-jährige Celina. Andere Kinder, wie die 9-jährige Lucy, haben dagegen schon Recycling-Erfahrung. „Aber ich habe vergessen, wie es genau geht, und deswegen ist es schön, dass wir das noch einmal machen“, sagt sie.

Michael Koßmann, der Leiter des Projekts, erklärte den Jungen und Mädchen, wie Nachhaltigkeit funktioniert. Zunächst werden die Milchkartons in einer Maschine klein geschnitten sowie alle Plastik- und Silberfolien entfernt. Nachdem das Papier zu einer klumpigen Masse vermengt und dann wieder in Wasser aufgelöst wird, kann es schließlich geschöpft werden. Danach hält der 59-Jährige ein fast fertiges Blatt Papier in den Händen. Das muss nur noch 24 Stunden trocknen und kann dann benutzt werden.

Der frühere NDR-Journalist organisiert solche Recycling-Aktionen für Schüler seit 15 Jahren. Landesweit beteiligen sich mittlerweile knapp 2 700 Schulen an dem von Tetra Pak und Vogtlandmilch ins Leben gerufenen Projekt. „Es ist wichtig, dass die Kinder so etwas selbst einmal machen. Dadurch behalten sie es viel besser im Gedächtnis“, sagt Koßmann.

Was sie genau im Gedächtnis behalten sollen, hat nicht nur der 10-jährige Sebastian verstanden: „Man muss das Papier richtig entsorgen, damit es recycelt werden kann. So müssen nicht immer neue Bäume gefällt werden.“ Auch Laurenz hat die etwas andere Schulstunde gefallen. „Ich fand’s gut, vor allem weil wir alles selber machen durften.“