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Die Liga jagt den Eislöwen-Trainer

Aber Thomas Popiesch beteuert seine Loyalität zum Dresdner Eishockey-Zweitligisten.

© Ronald Bonß

Von Berthold Neumann

Wenn Thomas Popiesch mit dem Auto davondüst, verfolgen ihn derzeit bange Blicke der Dresdner Eishockey-Fans: Fährt der Trainer der Eislöwen zu Vertragsgesprächen mit künftigen Spielern oder ist er schon in eigener Sache unterwegs? Angeblich soll der 48-Jährige beim EV Ravensburg und dem EC Bad Nauheim hoch im Kurs stehen. Beide Konkurrenten aus der Deutschen Eishockey-Liga 2 suchen einen neuen Trainer. Dieser soll vor allem viel Erfahrung aus der zweithöchsten Spielklasse Deutschlands mitbringen.

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Popiesch wäre so einer. Seit seinem Amtsantritt 2006 bei den Lausitzer Füchsen und dem Wechsel 2009 nach Dresden trainiert er acht Jahre in Folge in der 2. Liga. Der Eislöwen-Coach reagierte gestern verschnupft. „Das sind alles nur Medien-Spekulationen, und ich werde mich nicht daran beteiligen“, erklärte er auf Anfrage der Sächsischen Zeitung und verwies auf seinen bis 2015 laufenden Vertrag bei den Dresdnern. „Ich habe immer loyal zum Verein und zur Stadt gestanden – egal, was passierte“, beteuerte er mit Blick auf die latenten wirtschaftlichen Turbulenzen, in denen die Eislöwen seit Jahren stecken.

Dass die Dresdner diesmal akut existenzgefährdet sind, hat sich freilich bei der Konkurrenz herumgesprochen. Die ambitionierten Ravensburger haben sich gerade von ihrem langjährigen Trainer Petr Kujala getrennt. Popiesch beharrt dennoch auf seiner Aussage. „Der Standort Dresden hat für mich Priorität“, sagte er. Und: „Ich habe immer meine Bereitschaft erklärt, auch mit geringeren Mitteln zu arbeiten.“

Für die Stadt Dresden ist der zuletzt stetig wachsende Spieleretat einer der wesentlichen Kritikpunkte am Sanierungskonzept der Eislöwen. Aber nur mit einer neuerlichen Finanzspritze der Kommune sind die mit 400.000 Euro verschuldeten Eislöwen überhaupt noch zu retten. Der Stadtrat will am 16. April darüber entscheiden. SZ-Leser Fabian Löser sieht trotz aller Versäumnisse früherer Eislöwen-Geschäftsführungen auch eine Mitverantwortung der Politik. „Für mich ist Dresden mehr als ein verstaubtes Barockdenkmal. Auch die Eislöwen tragen dazu bei, die sächsische Landeshauptstadt bundesweit bekannter zu machen“, schrieb der Eislöwen-Fan in einem offenen Brief an Dresdner Politiker und fragt: „Mit wie vielen Millionen wird die Semperoper unterstützt? Was bekommt die Operette oder die Philharmonie an Zuschüssen?“

Ob Popiesch weiter die Eislöwen trainiert und Dresden auch in der kommenden Saison in der DEL 2 spielt, hängt vom Geschick des neuen Geschäftsführers Volker Schnabel ab. Gestern hat der 56-Jährige, der in gleicher Position aus dem SC Bietigheim einen der wirtschaftlich gesündesten Vereine der Liga machte, die finanziellen Unterlagen gemeinsam mit der bisherigen Eislöwen-Chefin Veronika Petzold eingesehen. Schnabel muss nun das Kunststück gelingen, innerhalb von 14 Tagen die drohende stille Liquidation der Betriebsgesellschaft abzuwenden und vor allem die – über das Hickhack bei den Eislöwen erzürnte – Dresdner Oberbürgermeisterin Helma Orosz von der Solidität des Sanierungskonzeptes noch zu überzeugen.