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Die Lindenallee wird städtisch

Monatelang haben Anwohner mehr Engagement des Kreises für die Pflege der Lindenallee gefordert. Jetzt ist der Kreis auf einmal nicht mehr im Boot.

Von Anja Beutler

Verknorpelt und verknubbelt reihen sich die altehrwürdigen Linden wie eine Kette aneinander. Die geschützte Baumreihe ist gut zu überblicken, wenn man auf der alten B 178 zwischen Oberseifersdorf und Euldorf unterwegs ist. Zu sehen sind dabei leider auch die Lücken in der Reihe. Und um die geht es einigen Großhennersdorfern schon seit einigen Monaten. Mit Unterschriftenlisten und regelmäßigen Nachfragen forderten sie den Landkreis dazu auf, endlich neue Bäume nachzupflanzen und die alten Stutzlinden zu pflegen. Passiert ist etwas: So gab es erste Nachpflanzungen und auch Edelreiser für die Nachpflanzungen hat man gezogen. Den Allee-Freunden war der Werdegang allerdings ein bisschen zu zäh.

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Die Lindenallee von Großhennersdorf hat ihre Wurzeln in der Zeit vor rund 300 Jahren. Damals war es hier üblich, solche Stutzlinden-Alleen zu pflanzen. Rund 240 Bäume gehören eigentlich zu der Allee in Großhennersdorf. Foto: Matthias Weber
Die Lindenallee von Großhennersdorf hat ihre Wurzeln in der Zeit vor rund 300 Jahren. Damals war es hier üblich, solche Stutzlinden-Alleen zu pflanzen. Rund 240 Bäume gehören eigentlich zu der Allee in Großhennersdorf. Foto: Matthias Weber

Nun ist die Adresse, an die alle Kämpfer für die Großhennersdorfer Lindenallee ihre Anliegen richten können, von selbst ein bisschen näher gerückt: nach Herrnhut. Denn nachdem nun die neue Ortsumgehung für die Stadt – das Teilstück der neuen B 178 – fertiggestellt worden ist, hat sich an den Straßen in der Stadt einiges geändert. Die alte B 178, die an der Lindenallee vorbeiführt, ist ebenso in ihrer Bedeutung herabgestuft worden wie die Lindenallee selbst auch. Jetzt ist demnach nicht mehr der Kreis für die Straße zuständig, sondern die Stadt. Und da die Linden aus Sicht des Amtes nur „Straßenbegleitgrün“ sind, muss sich nun Herrnhut auch um die Bäume, die Nachpflanzungen und die Pflege kümmern. Das bestätigte der Landkreis über das Amt für Straßenwesen und die Untere Naturschutzbehörde jetzt auf SZ-Anfrage.

Herrnhuts Bürgermeister Willem Riecke (Herrnhuter Liste) ist diese neue Aufgabe auch bereits mitgeteilt worden. Er sieht die Sache aber durchaus pragmatisch: „Ich glaube, dass die Probleme und Spannungen, die sich da in den letzten Monaten aufgebaut haben, jetzt ein bisschen besser zu handhaben sind“, umschreibt er seinen Eindruck vorsichtig.

Dass die Stadt mit finanziellen Mehrbelastungen durch die neue Aufgabe zu rechnen hat, das weiß Riecke sehr wohl. Allerdings könne man ja – wie auch der Landkreis zuvor – Fördergelder einwerben.

Dass der Landkreis, der bislang Wert darauf gelegt hatte, dass er wegen des Flächennaturdenkmalstatus‘ zuständig ist, nun gänzlich aus dem Schneider sein soll, wundert Allee-Freunde wie Hartmut Tittmann dann aber doch. Auch er sieht durchaus die Vorteile, die durch die neue Lösung erwachsen. Immerhin gebe es in der Stadt selbst ja Erfahrung mit solchen Stutzlinden – auf dem Gottesacker und auch wegen der Berthelsdorfer Allee. Aber, dass der Kreis nun nur noch als überwachendes Organ zuständig sein sollte, mutet ihm eigenartig an. Dennoch will er jetzt im Moment eher nach vorn schauen: „Ich will als Stadtrat im kommenden halben Jahr ein Konzept erarbeiten, wie es weitergehen kann, wo Spenden und geeignete Bäume für Nachpflanzungen zu bekommen sind“, sagt Tittmann. Auch will er mit dem Landwirtschaftsbetrieb reden, der die benachbarten Felder bewirtschaftet, weil dieser in den Augen der Allee-Schützer nicht genügend Rücksicht auf die Bäume nimmt.

Ein bisschen Geduld wird er aber noch haben müssen: Denn auch die Übergabegespräche zwischen Stadt und Kreis laufen noch, sagt Riecke.