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Die Lizenz zum Retten

Waldbadtage sind für Nieskys Hortkinder in den Ferien wieder möglich. Engagierte Erzieherinnen machen sie möglich.

© André Schulze

Von Alexander Kempf

Wenn die Hortkinder aus See im vergangenen Jahr ins Waldbad fahren wollten, mussten die Erzieher im Vorfeld erst einen Rettungsschwimmer organisieren. Aufgrund von Unfällen in der Vergangenheit gibt es eine entsprechende Empfehlung der Unfallkasse Sachsen. Hortkinder dürfen demnach nur in Begleitung eines zusätzlichen Rettungsschwimmers ins Freibad. Das bedeutet für die Erzieherinnen Mehraufwand und für ihren Arbeitgeber Mehrkosten. Denn die Wasserwacht habe für einen zweistündigen Einsatz etwa 20 Euro verlangt, erzählt Erzieherin Jana Arlt vom Hort in See.

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Wäre es da nicht günstiger, wenn der Hort in den eigenen Reihen ausgewiesene Rettungsschwimmer hätte? Das Geld können wir uns doch sparen, denkt sich das Team in See und schickt zwischen März und April zwei Erzieherinnen zum Rettungsschwimmerlehrgang. „Wir sind doch jung und dynamisch“, sagt Jana Arlt mit einem Lächeln. Die 29-Jährige besitzt seit dem Frühjahr genau wie ihre Chefin Andrea Barthel den Rettungsschwimmer in Bronze. Der Kurs hat jeweils 65 Euro gekostet. Bezahlt hat diese die Stadt Niesky für ihre Angestellten. Da die Kinder in den Sommerferien ungefähr einmal in der Woche ins Waldbad gehen, wird sich die Investition in die Lehrgänge schnell rechnen.

Während die Waldbadbesuche für die Hortkinder in See in diesem Sommer gerettet sind, hat es in Niesky selbst deswegen zunächst einige Fragezeichen gegeben. Denn im zentralen Hort in See sind Rettungsschwimmer Mangelware. Einige Eltern haben daher schon befürchtet, dass die Ausflüge ins Waldbad in diesem Sommer ins Wasser fallen. Stadtrat Heiko Hentschel spricht das Thema während einer Sitzung offen an. „Das ist ein Problem“, räumt Nieskys Kämmerin Beate Hoffmann damals ein.

Allein die Größe des Horts stellt die Erzieherinnen vor Herausforderungen. Während in See knapp über 60 Kinder betreut werden, sind es in der Stadt selbst rund 150. In den Sommerferien wird gut die Hälfte der Kinder den Hort besuchen, schätzt die Kämmerin. Die sollen trotz fehlender Rettungsschwimmer aber nicht auf eine Abkühlung im Waldbad verzichten. „Wir finden eine Lösung“, versichert Beate Hoffmann. Die Kinder werden wohl in Gruppen eingeteilt und die Stadtwerke sollen als Badbetreiber einen zusätzlichen Rettungsschwimmer stellen. Die Kosten dafür wird die Stadt übernehmen.

Unterm Strich könnte es sich also auch für den zentralen Hort in Niesky rechnen, in Rettungsschwimmerkurse für die Erzieher zu investieren. Was die Betreuer erwartet, wissen die Kollegen aus See. Insgesamt haben sie eine theoretische und elf praktische Prüfungen abgelegt, berichten Jana Arlt und Andrea Barthel. Mal mussten sie in Kleidung hundert Meter schwimmen, mal galt es in vorgegebenen Zeiten verschiedene Strecken zu bewältigen. Außerdem beherrschen beide nun Rettungs- und Befreiungsgriffe. „Passieren kann immer etwas. Da ist es schon etwas anderes, wenn man sich damit beschäftigt hat“, sagt Andrea Barthel.

Auch in Zukunft wird das Thema die beiden aber beschäftigen. Denn Rettungsschwimmer sind sie nicht auf Lebenszeit. Die Prüfung müssen sie alle zwei Jahre wiederholen. Jana Arlt und Andrea Barthel machen das gerne. Denn für die Wasserwacht Görlitz haben sie nur lobende Worte übrig. „Der Kurs in Rothenburg war eine tolle Erfahrung. Es lief alles sehr schnell und unkompliziert“, sagt Andrea Barthel. Den Rettungsschwimmer in Silber wird sie dennoch nicht angehen. Dafür fehle ihr schlicht die Zeit. Mit der nächsten Stufe könnte sie auch an Teichen und Seen als Rettungsschwimmerin aufpassen.

Für die Arbeit in See aber ist Bronze völlig ausreichend. Das Waldbad bleibt auch in Zukunft die erste Adresse für die Hortkinder. Es biete tolle Bedingungen, lobt Jana Arlt. „Die Zusammenarbeit ist gut. Sie reservieren uns sogar Plätze, wenn wir kommen“, erzählt die Erzieherin. Genau wie ihre Chefin ist sie davon überzeugt, dass Baden wichtig für die Kinder ist. „Dieser Umgang mit dem Wasser gehört dazu“, sagt sie.