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Betrüger nutzt die "Lücken des Systems"

Mehr als 300.000 Euro soll sich ein 53-Jähriger erschwindelt haben. In der Region Meißen ist er kein Unbekannter.

Mit einem Bezahlsystem ähnlich Paypal soll sich ein Meißner rund 300.000 Euro erschwindelt haben.
Mit einem Bezahlsystem ähnlich Paypal soll sich ein Meißner rund 300.000 Euro erschwindelt haben. © Symbolfoto: dpa-tmn/Robert Günther

Meißen/Dresden. Der 53-Jährige wird aus der Untersuchungshaft vorgeführt. Seit vorige Woche sitzt B. in Dresden vor Gericht. Mal wieder. Sein Vorstrafenregister ist lang, seine Kernkompetenz ist Betrug. 15 Mal wurde er bereits verurteilt, fast immer wegen Betruges. 

Der gebürtige Leipziger, der vor der Haft in Meißen wohnte, ist Malermeister. Den Beruf übt er aber schon lange nicht mehr aus. Geld will er auf andere Weise verdienen. Doch der Erfolg ist eher mäßig. B. hat permanent Geldprobleme. Um die zu lösen, setzte er unter anderem auf Jugendarbeit. So wollte der Mann vor Jahren das Rittergut Tanneberg (Gemeinde Klipphausen) kaufen. 

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Auch wenn er sehr eloquent vor dem Gemeinderat auftrat, erkannte dieser kein Konzept, witterte betrügerische Absichten. Doch nicht nur deswegen kam der Verkauf nicht zustande. B. hatte mit seiner Pirnaer GmbH lediglich 40.000 Euro geboten. Der Verkehrswert lag aber bei mehr als dem Doppelten. 

Auch das ehemalige Rittergut in Tanneberg wollte der Angeklagte einst kaufen. Der Gemeinderat von Klipphausen lehnte aber ab.
Auch das ehemalige Rittergut in Tanneberg wollte der Angeklagte einst kaufen. Der Gemeinderat von Klipphausen lehnte aber ab. © Archivfoto: Claudia Hübschmann

Fraglich, ob B. selbst die 40.000 Euro hätte aufbringen können. Jedenfalls wollte er später den Gasthof in Großdobritz kaufen. Auch dieser Kauf kam nicht zustande. Dass B. den Makler, Planer und Architektenbüros um 10.000 Euro Provision betrog, war eher eine Randnotiz. 

Für seine drei Firmen in Pirna und Meißen, die er als Geschäftsführer leitete, sollte er laut damaliger Anklage die Insolvenz teilweise fünfeinhalb Jahre verschleppt haben. Für die Firmen soll er im Laufe der Jahre Waren und Dienstleistungen für mehr als 200.000 Euro bestellt, diese  erhalten, aber nicht bezahlt haben.

 Er bestellte massenweise Spielzeug, 85 Beamter, Einrichtungsgegenstände, ohne sie zu bezahlen. Ein Teil der Ware wurde bei einer Razzia im Gasthof Großdobritz entdeckt.

Referatsleiterin beschimpft und beleidigt

Sowohl in Tanneberg, als auch später in Großdobritz, wollte B. das Jugendprojekt "Lindenkids" ins Leben rufen. Etwa zehn Kinder und Jugendliche im Alter zwischen drei und zwölf Jahren sollten hier in einer Wohngemeinschaft leben und von Sozial- und Heilpädagogen betreut werden. Nachdem dies scheiterte, versuchte er sich damit in Meißen, behauptete, mit dem Jugendamt zusammenzuarbeiten. Das Landratsamt hatte damals jegliche Zusammenarbeit energisch bestritten.

Auch, dass er als Dozent für die Bildungsagentur in Dresden und Leipzig arbeite, war frei erfunden. Tatsächlich hatte er sich bei der Bildungsagentur beworben, wurde aber abgelehnt. Daraufhin soll er die Referatsleiterin auf unflätigste Art und Weise beschimpft haben.

Die Banken haben den Schaden

Wenn er vor Gericht saß, ging es meist um sechsstellige Summen. So ist es auch diesmal. Dabei hat er offenbar eine neue Betrugsmasche entdeckt. B. soll sich laut Anklage ein Bezahl-Terminal angeschafft haben, das ähnlich funktioniert wie Paypal. In diesem Terminal werden Gelder von Banken oder Kunden hinterlegt, dann Rechnungen gestellt, der Dienstleister zahlt das Geld auf das Konto, holt es sich dann von dem Kunden. 

Jedenfalls theoretisch. Praktisch wurden getürkte Rechnungen gestellt, die abgeforderten Gelder flossen auf des Malers Privatkonto. Sobald das Geld überwiesen war, hob er es ab. So konnte es der Finanzdienstleister nicht zurückbuchen, aber auch nicht vom Kunden einziehen. 

Das hat nicht immer, aber oft genug geklappt. B. sackte so 107.000 Euro ein. Und weil es so gut funktionierte, zog er im Januar vorigen Jahres die gleiche Nummer noch einmal ab, jetzt bei einem anderen Finanzdienstleiter. Der Schaden diesmal: 190.000 Euro. Das Nachsehen hatten nicht die Kunden, sondern der Finanzdienstleister, also die jeweilige Bank. Er habe "die Lücken des Systems ausgenutzt", sagte B. vor Gericht. 

Auch bei einem schwedischen Möbelhaus soll der Betrüger für 12.000 Euro eingekauft haben. Leider war sein Konto nicht gedeckt. Da fallen die 169 Euro, für die er in einem Baumarkt in Ottendorf-Okrilla einkaufte und wo sein Konto ebenfalls keinen müden Euro aufwies, kaum ins Gewicht. Dabei hatte er durchaus ein Konto mit Guthaben. Dieses "vergaß" er aber anzugeben, als ihm ein Gerichtsvollzieher eine Eidesstattliche Versicherung, im Volksmund "Offenbarungseid" genannt, abnahm. 

Die Große Strafkammer des Landgerichtes Dresden hat insgesamt sieben Verhandlungstage bis zum 12. Oktober angesetzt. Das Urteil könnte allerdings auch eher fallen. Wie so oft, ist B. geständig. Die Möglichkeit, dass er für längere Zeit aus dem Verkehr gezogen wird, ist groß. Ihm droht eine lange Haftstrafe.  

Die nächsten Verhandungstermine sind der 11. und der 26. August. Beginn ist jeweils um 9.30 Uhr.

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