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Die Männer für die besonderen Möbelstücke

In der Mittagspause haben sie es jetzt mal ausgerechnet: 650000 Euro haben Borchert Pohle und Karsten Hein im Jahr 2008 investiert. Die Kredite sollten teilweise bis in die 2020er Jahre laufen. Aber: „Seit zwei Wochen sind wir schuldenfrei“, sagt Pohle – und lächelt.

Von Gabriel Wandt

In der Mittagspause haben sie es jetzt mal ausgerechnet: 650 000 Euro haben Borchert Pohle und Karsten Hein im Jahr 2008 investiert. Die Kredite sollten teilweise bis in die 2020er Jahre laufen. Aber: „Seit zwei Wochen sind wir schuldenfrei“, sagt Pohle – und lächelt. Die beiden 43-jährigen Männer haben es geschafft. Als sich ihnen eine Chance bot, etwas Neues, Eigenes aufzubauen, haben sie sie ergriffen. Heute sind sie deutschlandweit im Geschäft – von Wirtschaftskrise keine Spur.

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Pohle und Hein sind Gründer, wie sie im Buche stehen. An Leute, die ebenfalls Ideen haben wie die beiden einst, richtet sich in diesem Monat eine ganze Gründerwoche in Deutschland, und die Volksbank Löbau-Zittau veranstaltet heute Abend in Neugersdorf eine Gründerwerkstatt, auf der viele Fragen rund um den Start auf den eigenen Füßen besprochen werden.

Hein und Pohle sind Objekteinrichter. Bis sie ihre eigene Firma aufgebaut haben, haben sie in einem Oberlausitzer Möbelhaus gearbeitet, Aufträge bearbeitet, mit Kunden Kontakt gehabt, unterwegs und im Büro gearbeitet. Das war ihr Metier. Und dann kam die Nachricht, dass im Löbauer Gewerbegebiet West ein Unternehmen Insolvenz anmelden musste. Das haben sie eines Tages auf einer Baustelle gehört. „Und am nächsten Tag haben wir einen Businessplan geschrieben“, erinnert sich Karsten Hein. Der Entschluss stand sofort fest, und auch danach ging es ziemlich schnell: Kein halbes Jahr hat es gedauert von der Initialzündung bis zu dem Moment, in dem sie tatsächlich in den eigenen Hallen standen.

Dazwischen allerdings lagen viele Schritte: zu Banken, zum Insolvenzverwalter, fürs Ausarbeiten des Businessplans. Bei mehreren Geldinstituten haben sie ihre Idee vorgestellt, viele Ablehnungen erhalten. Sie hatten keine Sicherheiten vorzuweisen, besaßen lediglich ihre Ideen. Die Volksbank Löbau-Zittau konnte sich den Erfolg vorstellen – und gewährte Kredit. Ganz offensichtlich die richtige Entscheidung, wie sich heute zeigt. 15 Leute arbeiten bei Hein und Pohle, die Aufträge kommen aus ganz Deutschland herein. Hauptsächlich sind die Löbauer aber im Allgäu tätig. Da haben sie auch ihre ersten Schritte gemacht, und hatten damit viel Glück in der Startphase, wie sie selbst erzählen. Ein Kunde aus dem Allgäu hat ihnen zu Beginn einen großen Auftrag anvertraut. Arbeit für ein halbes Jahr – und Referenzen. Nach wie vor sitzt die Stammkundschaft im Allgäu, die übrigen Aufträge kommen aus dem gesamten Bundesgebiet, gut ein Drittel aus der Oberlausitz. Kliniken, Schulen, Kindergärten oder Pflegeheime sind es, die bei Hein und Pohle anfragen. Auch die Staatskanzlei in Mainz steht auf der Kundenliste. Wer bei Hein und Pohle anruft, will keine Büroeinrichtung von der Stange, sondern etwas Individuelles, und die Kunden seien bereit, auch dafür zu zahlen, sagt Borchert Pohle. Die Wirtschaftskrise scheint hier kein Thema. Die Aufträge kommen nach wie vor. Für rund 130 Objekte haben die Löbauer seit 2008 Ideen entwickelt, mit dem Kunden besprochen, angepasst – in den eigenen Hallen hergestellt und beim Kunden aufgebaut. Da werden besondere, auf die jeweiligen Räume zugeschnittene Küchenzeilen entworfen, Schränke und Schreibtische speziell für verwinkelte Büroräume entwickelt oder andere unkonventionelle Lösungen gefunden. Ein Bad beispielsweise, das ohne Fliesen auskommt und in dem trotzdem alles wasserdicht ist. Platten aus speziellen Werkstoffen machen es möglich. Für die kleine Firma werden damit ganz verschiedene Typen von Auftraggebern zu Herausforderungen: Solche, die genaue Vorstellungen haben und solche, die nicht wissen, wie eine Lösung am Ende aussehen kann.

Würden Hein und Pohle den Start in die Selbstständigkeit heute noch einmal wagen? Ja, sagen beide. Sie hätten viel probiert, vielleicht auch manches falsch gemacht, aber viel gelernt. Zu hoch hinaus zum Beispiel wollen die beiden nicht. Ihr 15-Leute-Team habe genau die richtige Größe, man kenne sich, jeder weiß, was er kann, und bringt sich mit ein, ist kreativ. Die Firma kann schnell reagieren, beispielsweise wenn kurzfristige Aufträge hereinkommen. Und auch bei zu großen Auftraggebern halten sich Hein und Pohle mittlerweile eher zurück. Zu viele Entscheider, zu lange Wege, zu späte Bezahlung, sind ihre Erfahrungen. Und auch Löbau als Standort sei nach wie vor richtig, sind die beiden Geschäftsführer überzeugt. Die Männer aus Oderwitz und Schönbach sind hier verwurzelt, genauso wie ihr Team, ohne das sie nicht arbeiten wollen. „Das sind Leute, die mitdenken, die teilweise 20 Jahre Berufserfahrung haben“, sagt Pohle. Solche Fachkräfte finde man nicht auf dem Arbeitsmarkt. Und so wollen sie auch künftig weitermachen. Ohne Experimente. Auf ein Wort