merken
PLUS

Die magische 50 000

Anleger im Landkreis verloren Zigtausende Euro. Sie gaben einem Mann, der nun vor Gericht steht, trotz Zweifeln wiederholt Geld.

© dpa

Von Stephan Klingbeil

Dippoldiswalde. Bei einer Vortragsveranstaltung zum Thema Energiesparen in einem Dresdner Hotel lernte die Rentnerin den Angeklagten aus Bayern kennen. Neun Jahre später muss sich der damalige Redner am Amtsgericht Dippoldiswalde verantworten. Der Bamberger soll mehrere Leute aus der Region um Zigtausende Euros betrogen haben (SZ berichtete).

Elbgalerie Riesa
Gesicherte Nahversorgung in der Elbgalerie
Gesicherte Nahversorgung in der Elbgalerie

Die Apotheke, Drogerie und der Lebensmittelhandel haben in der Elbgalerie weiterhin für Sie geöffnet und freuen sich auf Ihren Besuch.

Auch die heute 68-Jährige zählte dazu. Insgesamt 57 000 Euro hatte die Frau aus Kurort Hartha zwischen 2008 und 2010 bei den hochriskanten Investmentgeschäften des Angeklagten in den Sand gesetzt. Der 62-Jährige bestreitet, dass er betrogen hat.

Am dritten Verhandlungstag vor dem Schöffengericht in Dippoldiswalde schilderte die 68-Jährige nicht nur, wie sie nach jenem Vortrag über Bekannte ins Gespräch mit dem redegewandten Angeklagten gekommen war. Sie sprach auch über Vertragsdetails und warum sie und ihr jetziger Mann immer wieder neue Summen investiert hatten – trotz ihrer Zweifel.

Der Angeklagte hatte die Frau demnach in Kurort Hartha besucht, ihr das angeblich lukrative Geschäftsmodell schmackhaft gemacht. „Wir wollen nicht die Börsen reicher machen, sondern Sie und mit Verlaub auch mich“, habe er der Frau mitgeteilt.

Das Geld wurde in einen Topf eingezahlt, in den eine begrenzte Anzahl weiterer Anleger investiert habe. Die Mindestvertragslaufzeit betrug sechs Monate. Mit dem Geld habe ein Broker spekuliert, aber nur an höchstens 20 Börsentagen pro Monat würde investiert, „an Tagen, in denen es sich der Handel lohne“. Zinsen von sechs Prozent wären dabei monatlich möglich.

Der erste Vertrag über 5 000 Euro wurde 2008 über die Edita Services GmbH mit Sitz in der Schweiz abgeschlossen. Rund ein Jahr später gab es 5 000 Euro als Auszahlung, ihr Partner investierte daraufhin 6 000 Euro. Der neue Vertrag lief indes über die französische Edita Consultations. Auch hier war der Angeklagte Ansprechpartner.

Traum vom Bodensee zerplatzt

Die Beträge wurden fast immer in bar überreicht, angeblich um Gebühren zu vermeiden. Weitere mutmaßlich geprellte Anleger aus dem Umfeld, der Familie und Nachbarschaft der 68-Jährigen gaben anfangs gerne ihr Geld. Denn die Abrechnungen, die sie – wie die Rentnerin – regelmäßig erhielten, versprachen satte Rendite.

Einsätze hatten sich schnell mehr als verdoppelt. Allerdings warteten fast alle jener Anleger später vergeblich auf die Auszahlung ihrer vermeintlichen Gewinne. Immer wieder hielt sie der Angeklagte hin. Ja, er wolle zahlen. Obschon er das mit Blick auf die Verträge eigentlich gar nicht müsste. Doch mal war eine Bank pleite, mal der Broker nicht zu erreichen. Auch sei ein Online-Finanzportal, über das der Mann Geschäfte tätigen ließ, durch US-Behörden am Fortbetrieb gehindert worden.

„Wir waren dumm, immer weiter Geld zu geben, aber wir hatten die magische Grenze von 50 000 Euro vor Augen“, so die Frau aus Kurort Hartha. „Ab dieser Summe wurden uns noch bessere Zinsen versprochen, und wir wollten doch unseren Traum von einem Lebensabend am Bodensee erfüllen. Der ist nun geplatzt.“ Sie haben „keinen Cent mehr“ gesehen. 2014 erfolgte die Anzeige. Ob der Angeklagte wegen Betrugs verurteilt wird, ist offen. Der Prozess gegen den gesundheitlich angeschlagenen Bamberger wird in Kürze fortgesetzt.