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Die magische Anziehung des Dreifingerturms

Wie eine Riesenhand thront der Dreispitz in den Schrammsteinen. Ein Amerikaner gehörte zu den Kletterpionieren.

© Mike Jäger

Von Mike Jäger

Bad Schandau. Der Dreifingerturm in den Schrammsteinen gehört zu den Felsgebilden im Elbsandsteingebirge mit besonders eigentümlicher Gestalt. „Der Turm besteht aus drei riesenhaften Felsplatten, die wie die drei letzten Finger einer Hand aus der Erde hervorwachsen“, beschreibt Rudolf Fehrmann in seinem ersten Kletterführer 1908 den Gipfel. Die glatten Wände, die langen Risse und Kamine sowie die markanten Kanten machen den etwa 50 Meter hohen Felsturm zum begehrten Kletterziel.

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Die erste Ersteigung vollführten Konrad und Friedrich Meurer und Oskar Schuster 1894. Der Alte Weg steht heute mit dem Kletterschwierigkeitsgrad III im Kletterführer. Schuster schrieb damals über die Kletterei am „kühnen Dreispitz“, es ginge in einem äußerst anstrengenden Kamin in die Höhe. Im oberen Teil ist der Kamin auch sehr glatt und ausgesetzt. Wenn auch nur von geringer Schwierigkeit, darf sich der Kletterer bis heute hier beim Höherstemmen keinen Fehler erlauben. Der zweite Weg am Turm war der „Südriss“, erstbegangen von Rudolf Fehrmann und dem US-Amerikaner Oliver Perry-Smith. Das war der Vorstoß in eine neue Kletterschwierigkeit. Nachdem Perry-Smith im Bielatal 1906 am Spannagelturm eine sehr schwierige Kantenkletterei vollbracht hatte, war der Riss am Dreifingerturm der zweite Kletterweg überhaupt mit dem heute vergebenen Schwierigkeitsgrad VIIb. Am 3. September 1906 gelang der Durchstieg. Der dritte VIIb-Weg folgte nur sechs Tage später mit der ersten Teufelsturm-Besteigung.

Bernd Arnolds Kletterlinien

Zu den überragenden Erschließern nach dem Zweiten Weltkrieg zählte Harry Rost. Nachdem er Krieg und Gefangenschaft überstanden hatte, war er voller Tatendrang. Seine „Ostrisse“ zählen zu den schönsten und schwierigsten Rissklettereien im Elbsandsteingebirge. Bei der Erstbegehung 1947 war Rost kurz vorm Gipfel nach rechts gequert. Nicht wirklich ernst gemeint spöttelten Bergfreunde über den Wegverlauf: Das sei doch so (immerhin mit einer Wegstrecke von 40 Metern) nur eine Einstiegsvariante zum Alten Weg. Rost konterte und kletterte zwei Jahre später den Direktausstieg zum Gipfel.

Auch für den bekannten Kletterer Bernd Arnold muss der Dreifingerturm zu Beginn seiner Karriere eine magische Anziehungskraft besessen haben. 1966, als gerade 19-Jähriger, fand er eine Klettervariante zu den „Ostrissen“, die zu Ehren Harry Rosts auch „Rostrisse“ genannt werden. Es war eine seiner ersten schwierigen Erstbegehungen. In den Folgejahren verewigte sich Bernd Arnold immer wieder am Dreifingerturm mit eindrucksvollen Kletterlinien. Sieben neue Möglichkeiten bis in die höchsten Schwierigkeiten erklomm er gemeinsam mit seinen Seilgefährten.