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Die Marke der Ex-Dynamos

Drei ehemalige Fußball-Profis kennen sich seit der Jugend und bringen jetzt ihre Kollektion für Teamsport heraus. Im Osten betreten sie Neuland.

© Eric Münch

Von Lars Kühl

Die Expertentische vor TV-Kameras sind genauso wenig ihre Arbeitsplätze wie harte Trainerbänke. Dirk Oberritter, Gunnar Grundmann und Rico Clemens stehen zwischen Bergen von Pappkartons. Darin liegt ihre eigene Teamsport-Kollektion, die die drei Ex-Profifußballer jetzt auf den Markt bringen. Es sieht nach riesigem Durcheinander aus. Die Stapel sind kreuz und quer im Lager verteilt. Hier das Richtige auf Anhieb zu finden, scheint eine unlösbare Aufgabe. Kein Problem für Grundmann. „Ist systematisch geordnet.“ Trikots, Hosen, Stutzen, Trainingsanzüge und sogar Schiri-Klamotten – so gut wie alles, was eine Fußballmannschaft benötigt.

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„Geco“ heißt die Neue im hartumkämpften Sportmarken-Markt. Die Wortschöpfung steht für die Anfangsbuchstaben der drei Dresdner, das „E“ für den Investor im Hintergrund. Oberritter, Grundmann und Clemens – heute 41, 40 und 43 Jahre alt – kennen sich seit ihrer Jugend. Alle haben die fußballerische Ausbildung bei Dynamo Dresden durchlaufen. Im Männerbereich trennten sich ihre sportlichen Wege. Abwehrmann Oberritter kickte unter anderem zweimal für Dynamo in der Bundesliga und bestritt ein Spiel für den VfB Leipzig eine Klasse tiefer. Auch Torwart Grundmann war mehrere Jahre im Kader des damaligen Zweitligisten aus der Messestadt und wurde dabei siebenmal eingesetzt. Nach dessen Abstieg war er Stammhüter. Und Stürmer Clemens hatte seine erfolgreichsten Jahre bei Sachsen Leipzig, als er in der Regionalliga unter anderem sogar einmal gegen Dynamo traf.

Nach ihrer Profi-Zeit kehrten die drei in ihre Heimatstadt zurück. Genug Geld, um ausgesorgt zu haben, hatte keiner von ihnen verdient. Jeder suchte nach dem Karriereende seinen eigenen Weg. Oberritter erst in der Immobilienbranche, bevor er schnell Kontakt zur Szene im Teamsport fand. Bei der für Borussia Dortmund entwickelten Eigenmarke „goool.de“ war er Vertreter und fädelte 2002 auch einen Deal mit Dynamo Dresden ein. Grundmann versuchte sich mit einem kleinen Sportladen und an einem Nachwuchsfußball-Camp. Arbeitslos war er auch mal. Noch heute ist er bei Dynamo im Nachwuchs Torwarttrainer. 2004 stieg er dann bei Oberritter ein. Der gelernte Instandhaltungsmechaniker Clemens („Früher der typische Fußballerberuf, habe aber nie darin gearbeitet.“) schulte zum Bürokaufmann um und arbeitete in verschiedenen Verwaltungsjobs. 2010 stieß er zu seinen Jugendkumpels.

Mehrere Jahre waren sie für verschiedene Bekleidungshersteller tätig und bauten sich ein Netz von 300 bis 400 Händlern in Deutschland auf. Viele Dresdner Vereine wurden Partner. Doch immer wieder gab es Probleme mit den Sportartikel-Firmen, von denen sie abhängig waren. Dabei wollten die Geschäftsmänner lieber selbst entscheiden und ihre Vorstellungen einbringen. „Voriges Jahr haben wir uns dann entschlossen, eine eigene Marke zu gründen“, erinnert sich Grundmann. Nicht spontan, die Idee habe sich nach und nach entwickelt. Oberritter ergänzt: „Es war wichtig, dass wir uns auskennen.“

Zugute kam ihnen, dass sie wissen, auf was Sportler und vor allem Fußballer Wert legen. Für das nötige Startkapital fanden sie einen Investor aus Europa, der Kontakte zu Produktionsstätten in Asien hat. Dort lassen auch die Marktführer Adidas, Puma oder Nike ihre Kollektionen fertigen.

Das Geco-Konzept, auf ein kleines Sortiment mit „einfachem sowie schlichtem Design mit wenig Applikationen und nichts Verrücktem“ zu setzen, wie Grundmann sagt, ließ sich dort gut umsetzen. Produziert werden soll Sportkleidung, die mit dem Preisleistungsverhältnis überzeugt. Entscheidend sei nicht ein auffälliges Aussehen, sondern die Funktionalität. Die Beschaffenheit der Trikots, Hosen und Jacken haben die Fußballer genauso ausgesucht wie die Anordnung der wenigen Streifen auf den Stoffen. Auch ein passendes Logo haben sie entworfen.

Im März zog die Firma von der Neustadt nach Kaditz, um mehr Platz zu haben. Neben dem Büro- Verhandlungs- und Verkaufszimmer liegt ihr großes Lager. Das füllte sich in den vergangenen Wochen nach und nach, als die Pappkartons aus Asien angeliefert wurden. Erste Vereine haben bereits ihre Bestellungen abgegeben. Rund zehn Prozent des Händler-Stamms nimmt die Geco-Kollektion schon jetzt mit ins Angebot. Tendenz steigend. Der Vertrieb nach Holland, Belgien, Spanien und Portugal ist geplant.

Die Dresdner denken, mit ihrer bezahlbaren Sportkleidung eine Marktlücke entdeckt zu haben. „Dafür brauchte es einen langen Atem“, sagt Grundmann. Er denkt an die vielen Abstimmungen mit den asiatischen Partnern. Auch Name und Logo mussten geprüft werden. Zudem ist die Anzahl der Stunden auf dem Patentamt stattlich. „Doch jetzt sind wir die erste Teamsport-Marke im Osten Deutschlands.“

Wenn heute die WM in Brasilien angepfiffen wird, beginnt auch der Kampf der Team-Ausrüster um die Käufer-Gunst. Eine Nationalelf oder Profiteams auszustatten, ein Ziel für die Zukunft? Grundmann wiegelt ab: „Nein, nein, wir wollen den kleinen Verein bedienen, der kein Geld hat.“

www.geco-sportswear.com