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Die Mauer muss bleiben

Bürger fordern den Erhalt der Einfriedung an der alten Hohenhaus-Gärtnerei. Auch der Denkmalschutz ist gegen die Baupläne.

Auf dem Grundstück an der Mittleren Bergstraße sollen vier Wohnhäuser entstehen. Dafür müsste die historische Mauer, die sich um das Gelände zieht, mehrfach durchbrochen werden.
Auf dem Grundstück an der Mittleren Bergstraße sollen vier Wohnhäuser entstehen. Dafür müsste die historische Mauer, die sich um das Gelände zieht, mehrfach durchbrochen werden. © Norbert Millauer

Radebeul. Ob auf dem Gelände der ehemaligen Gärtnerei vom Hohenhaus gebaut werden darf, wurde im Stadtentwicklungsausschuss lange diskutiert. Letztendlich sprach sich ein Großteil der Stadträte dafür aus, dass ein Investor dort vier Einfamilienhäuser errichten darf. Doch gegen die Bauentwürfe regt sich jetzt Widerstand in der Bevölkerung. Radebeuler haben eine Petition gestartet, um die historische Mauer, die sich um das Areal zieht, zu retten.

Wie soll die Einfriedung laut den Bau-Entwürfen verändert werden?

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Die alte Mauer soll abgerissen und zwei Meter nach hinten versetzt wieder aufgebaut werden. Allerdings mit fünf Unterbrechungen, geplant sind jeweils fünf Meter breite Einfahrten zu den neuen Wohnhäusern. 

In Vorentwurf heißt es dazu: „Eine geringere Breite der Maueröffnung als die vorgesehenen fünf Meter lässt sich aus Verkehrssicherheitsgründen nicht realisieren, da dann die Freihaltung des Sichtwinkels nicht mehr gegeben wäre.“ Die neue Mauer soll außerdem weiter hinten stehen, damit die Mittlere Bergstraße breiter wird, von drei Meter auf 5,50 Meter.

Was sagen die Kritiker gegen diese Pläne?

Bürger haben eine Onlinepetition gestartet, um Unterschriften gegen diese Pläne zu sammeln. „Wir sind gegen die Errichtung einer Mauer aus Beton mit Blendwerk, welche um zwei Meter rückversetzt und mit fünf je fünf Meter breiten Zufahrten zerschnitten werden soll“, steht darin. Initiiert hat die Petition Katja Leiteritz, die auch Mitglied im Verein für Denkmalpflege und neues Bauen ist. 

Vor allem kann sie nicht nachvollziehen, dass die Mauer einfach abgerissen und versetzt werden darf, obwohl sie mitten im Denkmalschutzgebiet „Historische Weinberglandschaft Radebeul“ steht. Laut Satzung ist in diesem Bereich „das traditionelle Erscheinungsbild der das Gebiet erschließenden Straßen, Wege und Plätze in ihren vorhandenen Breiten und Profil“ geschützt. 

Außerdem sei die Mauer als Einzeldenkmal in der Liste der Kulturdenkmale des Landesamts für Denkmalpflege Sachsen aufgeführt. „Durch die Planung wird das Denkmal komplett zerstört“, steht in der Petition.

 Die Trockenmauer sei im Meilenblatt von Sachsen aus dem Jahr 1801 nachweisbar und damit ein wichtiges Zeugnis der jahrhundertealten Weinbaulandschaft. Es sei unverständlich, dass in Radebeul anderenorts Trockenmauern mit Fördermitteln saniert werden und die in der Mittleren Bergstraße derart verändert werden soll.

Die Petenten fordern, dass die Wohnhäuser nicht von außen erschlossen werden, sondern eine gemeinsame Zufahrt von hinten bekommen. Eine ausreichend große Zufahrt sei schon vorhanden. 

Eine Verbreiterung der Straße sehen viele Anwohner kritisch. Gerade weil es an der Stelle eng ist, fahre hier jeder langsam und vorsichtig, sagt Katja Leiteritz. Außerdem sei die Mauer Lebensraum für Tiere und Pflanzen und schütze die Straße vor Überschwemmungen bei Starkregen, steht in der Petition, die noch sechs Tage läuft.

Wie positioniert sich der Denkmalschutz?

Die Untere Denkmalschutzbehörde teilt auf Anfrage der SZ mit, dass sie 2017 und 2019 am Verfahren beteiligt wurde und sich beide Male gegen Zufahrten zu den Wohngebäuden, die die geschützte Stützmauer durchschneiden, ausgesprochen habe. „Unabhängig davon ist eine Sanierung der Stützmauer notwendig, die gegebenenfalls eine komplette Erneuerung der Bruchsteinmauer bedeuten kann. 

Dabei ist aus Sicht der Unteren Denkmalschutzbehörde die Mauer aber wieder im gleichen Erscheinungsbild wie bisher, auf ganzer Länge geschlossen und mit aufgesetztem Zaun herzustellen.“ Der Bebauungsplan werde von der Stadt beschlossen, bisher gebe es keine Genehmigung für eine Veränderung.

Noch kritischer sieht Marcus Köhler das Bauvorhaben. Der Professor für Geschichte der Landschaftsarchitektur an der TU Dresden findet, das Gelände dürfe überhaupt nicht bebaut werden. In seiner Stellungnahme heißt es: „Mit der geplanten Bebauung ist das bedeutende Kulturdenkmal in seiner heute noch überkommenden authentischen Gestalt und seinen Qualitäten akut bedroht.“ 

In Radebeul seien in den letzten 30 Jahren ohnehin viele Baufehler begangen worden. Köhler nennt das zusammenhängende Areal am Hohenhaus deshalb einen „seltenen Glücksfall“. Solche sensible Flächen sollten seiner Meinung nach nicht angegriffen werden. „Es kann nicht sein, dass man für Investoren plant, aber nicht für die Allgemeinheit“, sagt er. Es müsse eine Diskussion geben, wie das Areal anderweitig genutzt werden kann.

Hier geht es zur Petition: www.szlink.de/hohenhaus

Auf dem Grundstück an der Mittleren Bergstraße sollen vier Wohnhäuser entstehen, jedes mit einer eigenen Zufahrt – so sieht es zumindest der Vorentwurf für den Bebauungsplan vor. Dafür müsste die historische Mauer, die sich um das Gelände zieht, mehrfach durchbrochen werden. Foto: Norbert Millauer

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