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Die Mega-Tankstelle

Am größten Tanklager Sachsens wird reichlich Heizöl gezapft – denn die Preise sind niedrig wie seit Jahren nicht mehr.

© hübschmann hübschmann

Von Jana Ulbrich, Christoph Scharf, Philipp Siebert und Maria Lotze

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Nur Geduld! Es dauert seine Zeit, bis 31 000 Liter im Tank sind. Fast 20 Minuten muss der Fahrer des Tankwagens warten. Dann ist sein Lkw randvoll mit Heizöl. Viel zu tun bleibt dem Mitarbeiter einer Spedition derweilen nicht. Denn im Tanklager Neubodenbach, dem größten in Sachsen, läuft alles vollautomatisch. Schranke und Rolltor öffnen sich von allein, sobald der Fahrer an der Einfahrt seine Daten angegeben hat. Die abgezapfte Menge an der Füllbühne wird automatisch verbucht. Und auch die kleinen Häuschen an der Ausfahrt sehen nur so aus, als würden Pförtner drin sitzen: Per Tastatur und Bildschirm meldet sich der Lkw-Fahrer ab – und schon wieder rollt ein großes Rolltor zur Seite, während sich die Schranke an der Ausfahrt hebt.

Im Nossener Ortsteil ist derzeit ordentlich was los. Mehrere Güterzüge aus allen möglichen Raffinerien ganz Deutschlands rollen pro Tag ein. Zwei mehr als 400 Meter lange Züge können gleichzeitig entladen werden. 186 000 Kubikmeter Diesel, Benzin und Heizöl fasst das rund um die Uhr geöffnete Tanklager, das zur Petrotank Neutrale Tanklagergesellschaft mit Sitz in Bremen gehört. „Das Geschäft mit Heizöl läuft gut zurzeit“, sagt Petrotank-Chef Onno Handels. Dabei ist das eigentlich gar nicht die richtige Wetterlage dafür: Bei strahlendem Sonnenschein und Temperaturen an die 15 Grad Celsius wird weniger geheizt als im Januar üblich. „Bei niedrigeren Temperaturen könnte das Geschäft noch besser laufen“, sagt der Chef des Unternehmens mit 21 Standorten zwischen Osnabrück und Regensburg, Trier und Nossen. Zumal der Winter bisher relativ mild war und die Lagerbestände bei den Kunden dementsprechend hoch.

Und trotzdem: Es scheint gerade, als ob jeder, der noch irgendwie Platz hat, seine Öltanks noch einmal auffüllt bis zum Rand. Selbst viele Kunden, die sich ihren Wintervorrat immer schon im Sommer anlegen, ordern jetzt noch einmal ein paar Hundert Liter nach. Das ist ja auch kein Wunder bei einem Heizölpreis, der so günstig ist wie seit neun Jahren nicht mehr: Kosteten am 13. Januar 2014 100 Liter im Durchschnitt 78,80 Euro, waren es gestern noch 55,30 Euro. In den Vorjahren – wir erinnern uns nur zu gut – lagen die 100-Liter-Preise auch schon mal weit über 80, teilweise sogar bei über 90 Euro. Besonders im letzten Quartal fielen sie rasant: Am 31. Oktober lagen sie noch bei 75,30 Euro, am 1. Dezember dann schon bei 65,90 Euro, am 31. Dezember bei 58,50 Euro. Derzeit gehen bei den Mineralölhändlern so viele Bestellungen ein, dass es für die Auslieferung schon Wartelisten und Wartezeiten bis zu zwei Wochen gibt.

Auch bei der Schneider Mineralöl-Gesellschaft mit einer Außenstelle in Großweitzschen steht kein einziger Tankwagen mehr auf dem Hof. Alles, was fahren kann, fährt Heizöl aus. „Dass wir mit dem Liefern kaum noch hinterherkommen, das hat es wirklich lange nicht mehr gegeben“, erzählt Vertriebsleiter Thomas Müller, „gleich gar nicht um diese Jahreszeit.“ 5,5 Millionen Liter hat das Unternehmen allein im Dezember in Ostsachsen ausgeliefert – fast 400 komplette Tankfahrzeug-Füllungen.

Hochbetrieb herrscht auch bei den Brennstofflieferanten in der Region Döbeln, wenn auch der Ansturm schon wieder etwas nachlässt, zumindest bei der Firma Harald Schäfer. „Unsere zwei Fahrzeuge waren im Dauereinsatz“, sagt Mitarbeiterin Katrin Otto. Der niedrige Preis wirke sich durchaus auf das Geschäft aus. Die Lieferanten hätten alle Hände voll zu tun. Von einem Boom will Brennstoffhändler Lothar Schulze nicht sprechen. Die Nachfrage sei gut, aber lange Wartezeiten gebe es nicht. Sie liege zurzeit bei einer Woche.

Die Prognosen sagen: Der Ölpreis fällt in den nächsten Tagen noch weiter. Das liegt vor allem am Überangebot in den OPEC-Staaten und den USA. Dementsprechend ist auch die Heizöl-Nachfrage hoch. „Der Handel ist hart gefordert“, sagt Klaus Bergmann vom Heizöl-Dienstleister esyoil. Er komme mit der Lage dennoch recht gut zurecht. Ganz ohne längere Lieferzeiten ginge es aber nicht. „Das liegt auch daran, dass im Winter mehr Eilbestellungen auflaufen als üblich.“ So werden die automatischen Schranken und Tore in Neubodenbach diese Woche kaum lange stillstehen.

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