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„Die Mehrheit ist eher für Motocross“

Anwohner wehren sich gegen eine neue Strecke in Bannewitz. Der Bürgermeister sagt, warum es dafür zu früh ist.

© Karl-Ludwig Oberthür

Herr Fröse, in Bannewitz wird seit Wochen über die neue Motocross-Piste an der B 170 diskutiert. Anwohner fürchten Dauerlärm und sammeln Unterschriften dagegen. Es kursieren Flugblätter. Verstehen Sie die Sorgen?

Natürlich, grundsätzlich kann ich die Sorgen nachvollziehen. Ich habe aber kein Verständnis dafür, wenn Anwohner aufgestachelt werden. Anonyme Schreiben in Bannewitz und im Dresdner Süden zu verteilen, um somit möglichst viele Gegner zu mobilisieren, ist keinesfalls konstruktiv.

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Warum nicht?

Weil einige Informationen, die das Projekt betreffend gestreut werden, nicht korrekt sind. Das geschieht sicherlich auch aus dem Grund, weil einfach noch nicht feststeht, in welchem konkreten Umfang die neue Motocross-Stecke künftig überhaupt genutzt wird. Wenn wir eine Richtung haben, informieren wir darüber gern allumfassend. Aber zurzeit befinden wir uns noch in einer frühen Phase der Planung. Es muss jetzt erst einmal geprüft werden, inwiefern der Motocross auf dem Grundstück möglich ist und wie groß die Lärmbelastung für die Anwohner wäre. Nach dem Ergebnis dieser Prüfung richten wir uns.

Was halten Sie vom Bürgerentscheid?

Von einigen wurde das angeregt. Von mir aus gern. Wir könnten es zur Kommunalwahl 2019 machen. Allerdings wollen das, wie ich hörte, die Motocross-Gegner nicht. Sie ahnen sicherlich, dass sich die Mehrheit der Bannewitzer eher für das Projekt aussprechen würde, weil sie nicht unmittelbar betroffen wären.

Denken Sie, dass es einen Konsens zwischen dem Betrieb der Motocross-Strecke und den Bannewitzern geben wird?

Ja. Denn es sind nicht alle dagegen. Viele Bannewitzer sprechen sich für den Motorsport an der B 170 aus. Abgesehen von den wenigen Anwohnern, die dagegen Stimmung machen, gab es viele sachliche Gespräche dazu. Diese zeigten, dass nicht ein großes Cross-Rennen pro Jahr als problematisch angesehen wird. Der Aufhänger ist der Umfang der Trainingstage.

Wie viele Trainings werden genehmigt?

Das steht noch nicht fest. Aktuell wünscht sich der Motocross-Club Bannewitz, dass beispielsweise mittwochs von 9 bis 18 Uhr gefahren wird, natürlich unter Einhaltung der Ruhezeit, und an maximal 26 Sonnabenden pro Jahr, jeweils von 9 bis 12 Uhr und von 14 bis 18 Uhr. In diesem Zeitraum sollen die Trainings für Kinder stattfinden. Wie gesagt, das ist aber noch nicht fix. Darüber hinaus soll die Strecke auch für Mountainbiker und BMX-Fahrer zugänglich werden, denen bisher eine solche Trainingsstrecke fehlt. Von ihnen wäre kaum Lärm zu erwarten. Im Übrigen trainiert der Motocross-Nachwuchs schon in Welschhufe. Von den Anwohnern dort liegen uns bisher keine Beschwerden vor.

Warum kann der Motocross nicht weiterhin in Welschhufe stattfinden?

Als der Verein in dem Gewerbegebiet anfing, die Trainings für Kinder durchzuführen, war von Anfang an klar, dass es nur eine Zwischenlösung ist. Zum einen soll das Grundstück wieder gewerblichen Zwecken dienen. Zum anderen brauchen wir ein Areal, auf dem alljährlich das Rennen stattfinden kann, wenn wir dieses wieder dauerhaft in Bannewitz wollen. Für die letzten beiden Veranstaltungen musste jedes Mal aufwendig eine neue Strecke gebaut werden, weil eine dauerhafte Fläche dafür fehlte. Das soll sich ändern.

Warum muss es ausgerechnet diese Fläche im Norden des Gewerbegebietes sein? Gibt es nicht noch andere ähnlich große Grundstücke in der Gemeinde, auf denen Motocross möglich wäre?

Es gäbe eine Fläche, die vielleicht denkbar wäre: Wo sich früher das alte Wertstofflager in Goppeln befand, nahe der neuen S 191. Aber auch dort ist das Grundstück in Privatbesitz und es ist völlig unklar, ob ein Verfahren eine Chance hätte. Vielleicht wäre es perspektivisch zu hinterfragen. Um aber den Motorsport in seinen Neuanfängen weiterzuführen und auch das alljährliche Rennen nicht pausieren zu lassen, haben wir mit dem Areal an der B 170 eine gute Lösung gefunden, vorausgesetzt, es wird genehmigt.

Hat sich die Stadt Dresden schon zu dem Projekt geäußert? Immerhin könnte die Südvorstadt auch etwas vom Motocross-Lärm zu hören bekommen.

Ja, uns liegt eine Stellungnahme der Landeshauptstadt vor. Über die Inhalte darf ich derzeit aber noch nichts sagen.

Wie geht es jetzt weiter?

Um Motorsport auf dem Grundstück durchführen zu können, muss es als Sport- und Freizeitfläche im Rahmen des geänderten Flächennutzungsplanes ausgewiesen werden. Rund 300 Stellungnahmen sind uns dazu eingegangen, die geprüft werden müssen. Parallel dazu ist das Bebauungsplan-Verfahren angeschoben, bei dem beispielsweise Interessen des Umweltschutzes und auch die Lärmbelastung untersucht werden. Wie oft und in welchem Umfang gefahren werden darf, ist Teil der Genehmigung. Deshalb kann erst danach vom Gemeinderat entschieden werden, wie die Strecke konkret genutzt wird. Ich gehe davon aus, dass das gesamte Verfahren erst im Frühjahr 2019 abgeschlossen ist.

In welchem Umfang darf der Verein bis dahin die Strecke nutzen?

Die Sondergenehmigung gilt nur für das diesjährige Rennen am 23. September und den Trainingstag vorab. Darüber hinaus darf der Verein maximal noch zwei offizielle Trainings oder Rennen durchführen.

Wie die Nutzung letztlich auch immer festgelegt ist: Wie wollen Sie garantieren, dass sie eingehalten wird?

Der konkrete Nutzungsumfang der Strecke wird im Konzept des Vereins und im Betreibervertrag festgehalten, den die Gemeinde mit dem Verein abschließt. Darin wird es auch einen Abschnitt geben, der sicherstellt: Sollte es eine missbräuchliche Nutzung geben, wird der Vertrag vorzeitig gekündigt. Um hier einschreiten zu können, wird der Betreibervertrag auch nicht direkt mit dem privaten Grundstücksbesitzer der Fläche abgeschlossen, sondern die Gemeinde schaltet sich als Pächter dazwischen.

Herr Fröse, wie stehen Sie persönlich zum Motocross in Bannewitz?

Ich finde, Motocross ist eine tolle Tradition, auf die Bannewitz stolz zurückblicken kann. Ich kenne es selbst noch aus meiner Kindheit. Es wäre doch schön, wenn diese Tradition ansatzweise wieder auflebt. Abgesehen davon bin ich als Bürgermeister genauso wie die Gemeinderäte auch für die kulturelle und sportliche Freizeitgestaltung in Bannewitz verantwortlich.

Das Gespräch führte Verena Schulenburg.