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Die meisten Opfer sind Frauen

Schutz. Nur wenige, die von häuslicher Gewalt betroffen sind, suchen Hilfe. Dabei arbeitet im Landkreis seit einem Jahr sogar ein Netzwerk für sie.

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Von Dorit Oehme

Wo Gewalt ins Spiel kommt, ist die Grenze überschritten, auch in Familie oder Partnerschaft! Eine Broschüre und eine CD-Rom mit detaillierten Hilfestellungen für Betroffene häuslicher Gewalt in acht verschiedenen Sprachen ist ab sofort bei der Gleichstellungsbeauftragten des Weißeritzkreises und der Stadt Freital, Jona Hildebrandt-Fischer, erhältlich.

Die Gleichstellungsbeauftragte stellte sie in dieser Woche auf dem Treffen des kreisweiten Netzwerkes gegen häusliche Gewalt im Saal der DRK-Geschäftsstelle Freital vor. Die Broschüre heißt zwar „Nein zu Gewalt an Frauen“. „Wir können den Titel aber ändern, um auch Männer zu berücksichtigen“, sagt Jona Hildebrandt-Fischer.

Auf Definition geeinigt

Mit Hilfe von Andrea Siegert, freiberufliche Supervisorin und Mitarbeiterin der Sächsischen Initiativgruppe gegen Gewalt an Frauen, hatte sich das Netzwerk bei dem Treffen auf eine eigene Definition für häusliche Gewalt geeinigt. – Eine feste Erklärung gibt es in Fachkreisen bisher nicht.

Das Netzwerk entschied sich dafür, das Augenmerk auf Prävention und Hilfe bei Gewalt zwischen Erwachsenen in Familie und Partnerschaft in verschiedenen Konstellationen zu richten: Zwischen Männern und Frauen, in gleichgeschlechtlichen Beziehungen, zwischen erwachsenen Eltern und Kindern, Pflegebedürftigen oder Behinderten und Angehörigen. „Der Hauptanteil der Opfer sind Frauen. Kinder sind immer mit betroffen, auch wenn sie nicht angegriffen werden. Denn sie tragen bleibende Schäden mit sich“, sagt Siegert.

Im Jahr 2005 erfasste das Landeskriminalamt Sachsen 1436 Fälle häuslicher Gewalt. Die Dunkelziffer liegt wie in ganz Deutschland weit höher. „Wir können nur helfen, wenn die Straftaten auch angezeigt werden“, betont Jörg Weyand, Pressesprecher der Polizei.