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Die Meister der lauten Töne

Die Trommler und Pfeifer des Nossener Spielmannszugs können Vieles – nur kein Piano.

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© hübschmann hübschmann

Von Christoph Scharf

Verstärker? Mikro? Lautsprecher? Darauf kann der Nossener Spielmannszug getrost verzichten. Legen die 40 Musiker erst einmal richtig los, ist Stimmung angesagt. Das merkt man schon im Proberaum des Vereins. Das Gewölbe des früheren Polizeipostens kann den Klang kaum fassen, den die Jugendlichen erzeugen. Die Lyra beginnt, die Querflöten fallen ein, Becken und Trommel schlagen den Takt. Die Vibrationen spürt man mit den Füßen, dem Magen, von den Ohren ganz zu schweigen.

Aber die Mitglieder des Spielmannszugs bereiten sich ja auch gerade auf einen Auftritt im größeren Rahmen vor: das Jubiläumskonzert zum zehnjährigen Bestehen im Sachsenhof. Dort hat der Klang viel mehr Platz, sich zu entfalten – so wie sonst beim 1. Mai in Nossen, dem Nossener Weinfest, dem Tag der Sachsen. Dann zeigen die Musiker mit den weißen Hosen und den roten Oberteilen, dass zum Repertoire mehr gehört, als nur „Glück auf, der Steiger kommt“ oder der Ehrenfriedersdorfer Bergmarsch. Auch die Puhdys mit „Hey, wir woll’n die Eisbärn sehn“ oder Final Countdown lassen sich trefflich unter dem Tambourstab aufführen. Nur mit wirklich leisen Stücken steht der Spielmannszug auf Kriegsfuß. „Piano spielen wir nicht so gerne. Da heißt es immer, Trommel und Pauken sind zu laut“, sagt Christin Pfaff.

Die 26-Jährige ist von Anfang an beim Nossener Spielmannszug dabei. Zuvor fing die Neukirchnerin mit 12 Jahren bei der Konkurrenz aus dem Nachbarkreis an – angespornt von ihrer älteren Schwester. „Die spielte Flöte. Also wollte ich unbedingt die Trommel haben.“ Denn das ist eine Erfahrung bei Spielmannszügen: Jüngere Geschwister möchten nie das gleiche Instrument, wie die großen Brüder oder Schwestern. Man will sich selbst verwirklichen – am besten mit etwas Lauterem. Mittlerweile hat es die Bankkauffrau und zweifache Mutter zur Stabführerin gebracht – und ist noch immer vor jedem Aufritt aufgeregt. „Wenn ich was mit dem Tambourstab falsch mache, machen das alle nach.“

Dazu gehört auch Ronald Raußeck, mit 30 Jahren einer der Älteren unter den aktiven Mitgliedern. „Die meisten sind zwischen 15 und 20 Jahre. Wir haben aber auch Achtjährige und Leute, die an die 50 sind.“ Der Softwareentwickler fing beim Spielmannszug ebenfalls mit der Trommel an, ist mittlerweile aber auf die Flöte gewechselt. „Ich habe eine weitere Herausforderung gesucht“, sagt Ronald Raußeck mit einem Lächeln. Die sucht der Nossener Spielmannszug auch jährlich bei der Landesmeisterschaft – wo allerdings meist noch etwas Luft nach oben bleibt.

Damit sich das ändert, proben die mehr als 40 aktiven Mitstreiter jeden Freitag – das ganze Jahr über, selbst in den Sommerferien. Dazu kommen noch regelmäßige Trainingslager. „Das Wichtigste dabei ist die Gemeinschaft. Hier ist keiner ein Einzelkämpfer!“, sagt der Exil-Nossener, der zu jeder Probe aus Dresden anreist. Wie aus Dutzenden einzelnen Instrumenten ein einziger Klang wird, ist am Sonnabend im Sachsenhof zu erleben.

Jubiläumskonzert, Sonnabend 15 Uhr im Sachsenhof. Karten: 9 Euro (Erw.), 4 Euro (Kinder bis 14). Vorverkauf: Schreibwaren Thäter, Markt 23, Tel. 035242 68177

www.spielmannszug-nossen.de