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Die Melancholie des Lebens

Unter dem Titel „Engel – anders“ stellt Barbara Beger im Bischof-Benno-Haus aus. Sie zeigt die geflügelten Wesen jenseits von Gold und Kitsch.

© Uwe Soeder

Von Miriam Schönbach

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Schützend hält der Engel seine zarten, weißen Flügel um den kahlen Kopf. Das Miteinander dieser Zwei strahlt große Geborgenheit aus. Der Himmelsbote behütet absolut bedingungslos die Frau. Barbara Beger betrachtet ihr Bild. „Die Krebskrankheit einer Freundin inspirierte mich zu diesem Werk. Es ist ein schöner Gedanke, dass es jemanden gibt, der einen trägt und beschützt“, sagt die Künstlerin aus Bischofswerda. Ihre Arbeiten unter dem Titel „Engel – anders“ sind bis 22. Februar im Seminargebäude und der Kirche des Bischof-Benno-Hauses in Schmochtitz zu sehen.

Barbara Beger geht durch ihre Ausstellung und bleibt vor einem Holzschnitt stehen. Der Engel darauf ist gerade außer Dienst und braucht selbst schützende Hände. Denn er hockt eingeklemmt in einer Spalte. „Auch Engel benötigen manchmal eine Pause und sind in meiner Vorstellung auch schutzbedürftig. Ich wollte die geflügelten Rätselwesen jenseits des Kitschs und Golds darstellen“, sagt die 51-Jährige. Ihre Augen vertiefen sich in die natürliche Struktur des Bildes. Die Jahresringe des Baumes graben sich aus der Farbe und erzählen schon fast eine eigene Geschichte.

Faszination Holz

Auch in den anderen Werken begegnen dem Betrachter häufig diese mal gradlinigen, mal geschwungenen und immer lebendigen Holzgebilde. „Ich bin unheimlich gern in Tischlereien. Dort finde ich häufig Bretter, deren Strukturen mir schon ein Bild zeichnen. Der Werkstoff strahlt eine unglaubliche Wärme aus“, sagt die Absolventin der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst. Der lebendige, wunderbar duftende Werkstoff fasziniert die zierliche Frau schon im Studium. Immer wieder zieht es sie zum Holzschnitt. Die kraftvolle Technik bringt gleichzeitig Kraft in die Bilder. Was man meint, das tosende Meer auf ihrer Arbeit „Gestrandet“ zu hören. Die Leidenschaft für die Kunst begleitet Barbara Beger „schon immer“. In der Schule versucht sich die gebürtige Leipzigerin mit Comics und anderen Maltechniken. Die Eltern legen Wert auf die musische Ausbildung. Trotzdem wählt die Grafikerin zuerst einen technischen Beruf. „Aber das Stranden, Irrwege, gehören ja auch zum Leben. Es stört mich, dass es heute immer strahlende Fassaden braucht. Dabei hat das Leben viele Gesichter“, sagt sie. Ihr Ziel, Buchillustration zu studieren, verliert sie trotz ihres Umwegs nie aus dem Blick.

Geradlinig, geschwungen, lebendig

Neben dem Spagat zwischen der Arbeit als Zeichnerin im grafischen Atelier des Fachbuchverlags und ihren damals zwei Kindern absolviert Barbara Beger deshalb drei Jahre eine Zeichenausbildung an der Abendakademie. Damit bereitet sie sich auf die Eignungsprüfung an der Kunsthochschule vor. Den begehrten Studienplatz bekommt sie 1990. „Meine Ausbildung ermöglichte mir, verschiedene Drucktechniken intensiv kennenzulernen. Drucken ist ein Prozess. Oft geht die Arbeit vom Druckstock bis zum Druck über Wochen“, sagt die Wahl-Oberlausitzerin. Vor acht Jahren kehrt sie der Großstadt den Rücken. – Ihr neuer Lebensmittelpunkt ist Bischofswerda. Ihr Arbeitszimmer ist ihr Refugium. In Einsamkeit und bei Musik taucht Barbara Beger am liebsten in die Welt der Figuren, Formen und Farben hinein. Ihr künstlerisches Standbein ist das Illustrieren von Büchern. Unter anderem arbeitet sie für den Domowina-Verlag in Bautzen. Darüber hinaus taucht sie mit Kindern bei Ganztagsangeboten der Schulen in die Welt der Kunst ein. „Von den Mädchen und Jungen lerne ich viel. Das sind tolle und ehrliche Persönlichkeiten“, sagt sie. Aber auch die Buchillustrationen gehören immer noch zu ihrem Leben. „Allerdings haben die Verlage häufig sehr genaue Vorstellungen von den Zeichnungen. Bei diesen Auftragsarbeiten kommt das freie Schaffen etwas kürzer“, sagt Barbara Beger. Unter anderem gestaltet sie Publikationen für den Domowina-Verlag in Bautzen oder für die sorbische Kinderzeitschrift „P³omjo“. Viele Jahre illustrierte sie darüber hinaus die Kurzgeschichten des MDR-Figaro-Literaturwettbewerbs. Als freischaffende Künstlerin steht es sich eben besser auf mehreren Beinen.

Barbara Beger kehrt zum Engel mit den schützenden Flügeln zurück. „Anteilnahme“ nennt sie dieses Bild. Das geflügelte Wesen macht darauf nicht nur seine gutbekannte Arbeit anders als auf den Werken wie dem „Engel eingeklemmt“ und dem „Schlafenden Engel“. Das Bild strahlt anders als die Holzschnitte in großer Farbigkeit. Acrylfarben verwendete sie für dieses Werk. „Ich möchte mich jetzt mal mit Farbe befassen. Schwarz-Weiß wirkt ja auch oft traurig. Und ich brauche den Wechsel“, sagt die Malerin. Für neue Ideen tauscht sie gern auch ihre Wahlheimat mit Tagen an der Ostsee. Das Meer inspiriert Barbara Beger. „Ich finde faszinierend, dass das Wasser jeden Tag anders aussieht. Die Gerüche, die Geräusche, die Dimension und der Horizont wecken Sehnsüchte und Träume“, sagt die Künstlerin. Auf ein Wiedersehen muss sie ein wenig warten. Nach vielen Ausstellungen und Projekten im vergangenen Jahr versucht sie jetzt, ein wenig Luft zu holen. Doch dann will die Wahl-Oberlausitzerin wieder in den Norden und sich der „Melancholie des Lebens“ hingeben.

Bis 22. Februar, Bischof-Benno-Haus, montags bis sonnabends, 8–16 Uhr, sowie nach Vereinbarung.