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Die Metamorphose in Kamenz lebt wieder auf

Der Kunstverein wurde reaktiviert. Er arbeitet mit der „Zukunftswerkstatt“ Hand in Hand für eine lebendige Innenstadt.

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Von Birgit Engel

Um den Verein „Metamorphose – Kunst in Kamenz“ war es lange Zeit still gewesen in der Stadt. Dies war auch der Tatsache geschuldet, dass der Vorsitzende Rüdiger Vollhardt vor vier Jahren viel zu früh verstarb. Jetzt wollen die anderen den Beweis antreten, dass kreative Arbeit in Kamenz weiter gefragt und nötig ist. Auch im Namen des bis zu seinem plötzlichen Tod so humorvollen und vor Ideen nur so sprühenden Vereinsmitinitiators. Die Metamorphose hat sich jetzt getroffen und neu aufgestellt. Nach dem Motto: „Es gibt genug zu tun – packen wir es an!“

Neue Vorsitzende ist Anne Hasselbach. Die 39-Jährige kümmert sich seit Langem um eine attraktivere, lebendige Innenstadt. Und dabei vor allem auch mit künstlerischen Mitteln. Immer wieder stören sie tote Schaufenster, triste Wände und leere Baulücken. Dagegen setzt sie Farben, Formen und Figuren. „Manchmal kann man mit wenigen Mitteln eine große Wirkung erzielen. Man muss es nur wollen.“ Zuletzt war sie gedanklich am Schulplatz und an der kalten Fassade des Rossmann-Parkdecks dran (die SZ berichtete), was gewissermaßen als Initialzündung gedacht war. Und nach Rücksprachen im Rathaus brachte sie jetzt den Vereinsleuten eine frohe Botschaft mit: „Die Bretterwand an der Pulsnitzer Straße ist für die Kunst freigegeben!“ An dieser Stelle hatte sich die freie Künstlerin und Fotografin schon vor ein paar Wochen abgearbeitet, wie nebenstehende Foto-Montage zeigt. Rote High Heels auf braunen Brettern? Das war natürlich nur eine Spielerei, meint Hasselbach. Man darf gespannt sein, was am Ende wirklich hier zu sehen sein wird.

Der Verein war vor allem im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends mit spektakulären Aktionen in Kamenz aufgefallen. Die „Tal(f)ART“ im noch industriell geprägten Herrental hat sich eingeprägt, wie auch die Kunstaktionen in der Wurstfabrik Stiftstraße und vor allem im Barmherzigkeitsstift selbst. Letzteres steht nun seit bald 15 Jahren leer, womit eine kritische Grenze erreicht ist. Das Bönischstift liegt den Vereinsmitgliedern immer noch sehr am Herzen. Deshalb gab es jetzt mit Vertretern der neu gegründeten „Zukunftswerkstatt Kamenz“ (ZWK) und des Baselitzhausvereins, der ein neues Vereinsziel sucht, sowie Rathausmitarbeitern eine Begehung vor Ort. „Wir wollten schauen, ob es nicht möglich ist, zum diesjährigen Tag des Denkmals im September wieder eine Kunstaktion im Stift durchzuführen“, so Hasselbach. „Leider wird das nix, der Aufwand wäre mittlerweile viel zu hoch.“

Spätestens an dieser Stelle kommt die Zukunftswerkstatt noch stärker ins Spiel. Hier haben sich seit ein paar Monaten engagierte Kamenzer zusammengetan, um die dringende Belebung der Innenstadt mit voranzutreiben. Mitorganisator Dr. Jochen Reinhold: „Dazu gehören mit dem alten Amtsgericht und dem Bönischstift natürlich auch stadtbildprägende Gebäude in Zentrumsnähe.“ Nach dem Rundgang war man auch in der ZWK ziemlich desillusioniert. Im denkmalgeschützten früheren Krankenhaus wurde der Hausschwamm zunächst ganz erfolgreich bekämpft, alles hängt aber von einer möglichst schnellen Sanierung und Wiedernutzung des Gebäudes ab. Eine Studie mit Varianten liegt vor, allein es fehlt an finanzieller Potenz. Weder die Stadt noch ein privater Investor scheinen derzeit in der Lage zu sein, das Heft des Handelns in die Hand zu nehmen. In der Werkstatt, die einen offenen Charakter hat, brachte jetzt Bernd Lichthorn, der schon mehrere Häuser in der Innenstadt mit großem Erfolg saniert hat, einen interessanten Vorschlag ein: „Die Stadt sollte Haus und Grundstück für einen symbolischen Betrag sowie mögliche Städtebauförderungen in Aussicht stellen und an das beste Projektangebot binden.“ Zum Beispiel nach einer Ausschreibung, die eine Entwicklung des Areals im städtischen Interesse festschreibt. Mancher in der Werkstatt könnte sich für ein Mehrgenerationenwohnen an attraktiver Stelle erwärmen. Aber auch eine solche Nachnutzung bräuchte intensive Förderung, wenn man das denkmalgeschützte Gebäude irgendwie integrieren wolle. Die ZWK jedenfalls werde sich auch bei den neuen Stadträten für eine Projektausschreibung stark machen. „Die Zeit drängt“, so Dr. Reinhold. Eine „Ideenkonferenz“ zum Stift gehört ebenfalls zu den Anregungen der engagierten Kamenzer Bürgerschaft.

Und um Ideen geht es natürlich auch dem Metamorphose-Verein. Dazu arbeite man mit der Werkstatt unmittelbar Hand in Hand, so Anne Hasselbach. Auch künftig wolle man gemeinsam zu Veranstaltungen einladen und damit noch stärker als bisher die Kamenzer Bürgerschaft ansprechen. „Wir brauchen viele Mitstreiter, weil Kunstprojekte natürlich auch viele helfende Hände brauchen“, so die Vereinschefin. Ihr zur Seite stehen im neuen Vorstand Simone Heller als Stellvertreterin, Jens Krzikalla als Schatzmeister und Martina Burghart-Vollhardt und Frank Oehl als Beisitzer. Wer sich für eine Mitwirkung in der Metamorphose erwärmen könnte, findet bei den Genannten erste Ansprechpartner.