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Die Millionäre von der Arbeitsagentur

Die Behörde kann in diesem Jahr etwa 100 Millionen Euro ausgeben. Was hat die Oberlausitz von dem Geld?

Von Tilo Berger
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Nein, die Arbeitsagentur kann nicht wahllos in diesen Haufen Geld greifen und sich bedienen. Jede Ausgabe muss einen guten Grund haben. Aber mit rund 100 Millionen Euro in diesem Jahr lässt sich eine Menge Gutes tun.
Nein, die Arbeitsagentur kann nicht wahllos in diesen Haufen Geld greifen und sich bedienen. Jede Ausgabe muss einen guten Grund haben. Aber mit rund 100 Millionen Euro in diesem Jahr lässt sich eine Menge Gutes tun. ©  dpa

Für 32 Millionen Euro lässt sich ein stattlicher Fuhrpark von 1.600 VW Golf kaufen. Oder eine Kette von Ein-Euro-Stücken legen, die von der Autobahnauffahrt Bautzen-Ost bis zum Rasthof Dresdner Tor reicht. Für solche Zahlenspiele haben die Finanzverwalter der Arbeitsagentur Bautzen keinen Nerv. 32 Millionen Euro sind für sie auf bürodeutsch das Eingliederungsbudget SGB III für dieses Jahr.

Das dritte Buch Sozialgesetzbuch regelt das deutsche Arbeitsförderungsrecht. Und genau darum geht es: Arbeit fördern. Wer keine hat, soll schnell wieder eine bekommen. Und wer eine hat, soll darin so fit bleiben, dass er sie behalten kann. Dafür will die Arbeitsagentur Bautzen in diesem Jahr insgesamt 32 Millionen Euro ausgeben.

Passgenaue Bewerber

So viel Geld für diese Zwecke hat es seit 1990 in der Oberlausitz noch nie gegeben. Zum Vergleich: 2012 standen als Eingliederungsbudget rund 15,2 Millionen Euro zur Verfügung. Warum die Summe jetzt so viel höher liegt, erklärt Ilona Winge-Paul, die Vize-Chefin der Arbeitsagentur Bautzen: Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt passen immer weniger zusammen.

Auf der einen Seite können die Arbeitsvermittler sofort 4.323 freie Jobs in der Oberlausitz anbieten. Auf der anderen Seite sind 28.381 Frauen und Männer arbeitsuchend gemeldet. 20.438 von ihnen haben aktuell gar keine Stelle, die anderen stehen zwar in Lohn und Brot, wollen aber gern wechseln.

Rein rechnerisch lassen sich sofort alle freien Stellen besetzen, und es bleiben immer noch mehr als 24.000 Suchende übrig. Aber so einfach funktioniert der Arbeitsmarkt eben nicht. Chefs haben, wenn sie der Agentur eine freie Stelle melden, meist schon ganz konkrete Vorstellungen davon, was ihr künftiger Mitarbeiter können soll. Auch Arbeitsuchende wissen oft ganz genau, was sie wollen und was nicht.

Aber beide Gedankengänge passen eben in der Regel nicht zueinander. Hier will die Arbeitsagentur eingreifen, indem sie den möglichen Bewerber passgenau für den angebotenen Job fit macht. Und dafür hat sie einen ganzen Strauß an Möglichkeiten, zu denen unter anderem Eingliederungs- und Gründungszuschüsse gehören.

Geld für Weiterbildung

Die Agentur kann Qualifizierungen und Umschulungen bezahlen. Sie gibt unter bestimmten Voraussetzungen auch einem Unternehmer Geld, wenn er einen Job-Kandidaten Probearbeiten lässt. Sie kann Reisekosten für die Fahrt zu Vorstellungsgesprächen erstatten oder auch Geld für Nachhilfeunterricht geben, damit junge Leute in bestimmten Fächern bessere Noten schaffen.

Die Hilfe der Agentur geht bis zur Vorbereitung auf Klassenarbeiten und Prüfungen. Für Beschäftigte in Unternehmen kann die Agentur Weiterbildungen bezuschussen, damit sie auf dem neuesten Stand der Technik bleiben. All das summiert sich in diesem Jahr auf die erwähnten 32 Millionen Euro. Der größte Einzelposten davon sind zwölf Millionen Euro für berufliche Weiterbildung. „Damit werden Arbeitnehmer für oder auch in Unternehmen qualifiziert“, sagt Winge-Paul.

Zusätzlich zu diesen 32 Millionen Euro kann die Bautzener Agentur in diesem Jahr rund 20 Millionen Euro ausgeben, um Menschen mit Handicap in Arbeit zu bringen oder ihre Bedingungen im Job zu verbessern. Die Vize-Chefin der Agentur nennt mögliche Beispiele: Wenn etwa ein Rollstuhlfahrer eine Rampe braucht, um an seinen Arbeitsplatz zu gelangen. Oder wenn für die Arbeit orthopädische Schuhe benötigt werden. „Menschen mit Handicap haben mehr Chancen auf dem Arbeitsmarkt verdient“, sagt Ilona Winge-Paul – und weiß dabei, dass manche Firmenchefs zu Unrecht anders denken. 

50 Millionen Euro Arbeitslosengeld

Das zeigt sich an der Zahl der Schwerbehinderten in der Arbeitsmarkt-Statistik: Im Januar waren in der Oberlausitz 1.287 Schwerbehinderte arbeitslos gemeldet. Das waren zwar 20 weniger als zwölf Monate zuvor – doch die Zahl der Arbeitslosen insgesamt ist im selben Zeitraum um 1.572 gesunken.

32 Millionen Euro Eingliederungsbudget und 20 Millionen Euro für Menschen mit Handicap sind aber nicht die größten Posten im Gesamtetat der Arbeitsagentur für die Oberlausitz. Dieser größte Posten sind die Gelder, die an Bezieher von Arbeitslosengeld gezahlt werden. 2017 waren es 50 Millionen, die Zahl für 2018 liegt noch nicht vor.

Wie viel in diesem Jahr an Arbeitslose überwiesen wird, kann niemand genau vorhersagen. Angenommen, es sind etwas weniger als 50 Millionen, so käme für die Bautzener Arbeitsagentur immer noch ein Gesamtetat von rund 100 Millionen Euro für dieses Jahr zusammen. Da ist noch nicht mitgerechnet, was die Agentur für die Gehälter ihrer rund 370 Mitarbeiter braucht, für Miete, Büromaterial, Telefon- und Internet-Flatrate, und, und, und.

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