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Mission Pfefferkuchen

Durch ein Projekt in Pulsnitz sollen 1,25 Millionen Euro in die Oberlausitz geholt werden.

Andreas Jürgel und Brigitte Ziesche sorgen für süßen Nachschub in der Pfefferkuchenschauwerkstatt und zudem dafür, dass das süße Gebäck künftig mehr Platz im Stadtmuseum bekommt.
Andreas Jürgel und Brigitte Ziesche sorgen für süßen Nachschub in der Pfefferkuchenschauwerkstatt und zudem dafür, dass das süße Gebäck künftig mehr Platz im Stadtmuseum bekommt. © Wolfgang Wittchen

Muskelkraft, Taktgefühl und Geschick brauchen die Teilnehmer, die alljährlich im März beim Flegeldruschwettbewerb im Dorfmuseum Markersdorf den Dreschflegel schwingen. Im modernen Agrarwesen hat die Technik zwar längst ausgedient. Doch im Museum wird die landwirtschaftliche Tradition zumindest bewahrt.

Mit dem Pulsnitzer Pfefferkuchen hat sie nichts zu tun. Oder doch alles. Denn ohne das Korn aus dem Mehl gemacht wird, könnte keiner der Pulsnitzer Pfefferküchlereien die berühmten Spitzen, die Herzen und Schaukelpferde backen. In gar nicht so ferner Zukunft wird es vielleicht gelingen, eine Verbindung zu schaffen zwischen Pulsnitz und Markersdorf. Mit einem Fahrradweg, mit einer Wanderroute, oder ganz anders. Jedenfalls publikumswirksam.

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Erst einmal aber wird der Pfefferkuchen selbst ins Rennen geschickt. Mit seiner Hilfe soll es gelingen, bis zu 1,25 Millionen Euro in die Oberlausitz zu holen. Die stellt die Kulturstiftung des Bundes bereit. Das Projekt dafür heißt „Trafo – Modelle für Kultur im Wandel“. Damit sollen Regionen unterstützt werden, die mit großen Veränderungen konfrontiert sind. Weil der Nachwuchs fehlt, alte Industriestrukturen verschwunden sind, neue Technologien Fuß fassen müssen, das Ehrenamt auf immer weniger Schultern lastet.

40.000 Euro fürs Pulsnitzer Stadtmuseum

An einer ersten Trafo-Runde war Sachsen nicht beteiligt. Jetzt, in Runde zwei, gehen je 40.000 Euro ans Musikinstrumentenmuseum nach Markneukirchen im Vogtland und ans Pulsnitzer Stadtmuseum. Das soll zusammen mit Partnern zu einem Modell für den Wandel werden. Die Idee ist, dass sich gerade kleine Museen mit bunten lokalgeschichtlichen Sammlungen spezialisieren und den Schwerpunkt auf eine Besonderheit legen, auf das gern zitierte ein Alleinstellungsmerkmal. Für Pulsnitz ist das ganz klar der Pfefferkuchen. 80 bis 90 Prozent der Besucher will sich mit dem süßen Gebäck beschäftigen. Das sorgt jährlich zwar für rund 30.000 Besucher, weiß Andreas Jürgel, Geschäftsführer der gemeinnützigen Kultur und Tourismus Pulsnitz GmbH. Die meisten aber kommen nur in die kleine Pfefferkuchenschauwerkstatt am Markt, in der es das ganze Jahr über nach Weihnachten duftet. Ins Stadtmuseum zu den Ritterrüstungen, dem Blaudruck, den Töpferwaren und dem Pionier der Landwirtschaftsforschung, Julius Kühn, zieht es die Wenigsten. 

Im nun begonnenen Modellprojekt soll der Pfefferkuchen auch im Stadtmuseum, das in einer Nebenstraße liegt, mehr Gewicht bekommen. Daneben könnten hier die anderen handwerklichen Traditionen der Stadt eine Rolle spielen. Das bedeutet aber auch, das Museum muss Platz schaffen, Objekte ins Depot räumen, die aktuelle Schau verschlanken, auf manches verzichten. Das ist ein Prozess, der auch für andere Häuser ein Thema werden könnte; Museumsexperten raten dazu, um für Besucher attraktiver zu werden. Das Eibauer Heimatmuseum im Faktorenhof hat die Spezialisierung beispielsweise so bislang nicht. Beim Oberlausitzer Sechsstädtebund- und Handwerksmuseum Löbau steckt sie im Namen, wird aber noch nicht konsequent umgesetzt. Träger für das Trafo-Projekt ist der Kulturraum Oberlausitz-Niederschlesien, der Geld vom Freistaat Sachsen und von den Landkreisen an regionale Kultureinrichtungen weitergibt. 

Auch etwas für kleine Museen?

Das Gremium bemüht sich aber auch, Mittel aus anderen Töpfen in die Region zu holen, so aus „Trafo“. 40.000 Euro gibt es nun sicher, um in Pulsnitz zu beginnen. Bis September muss ein weitreichenderes Projekt entwickelt sein und bei der Kulturstiftung des Bundes eingereicht werden, erklärt Joachim Mühle, Sekretär des Kulturraums. Noch in diesem Jahr könnte feststehen, ob die Oberlausitz zu den fünf ausgewählten Gebieten gehört, die jeweils bis zu 1,25 Millionen Euro zusätzlich bekommen. 

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Als Partner ist aktuell unter anderem das Löbauer Haus Schminke im Boot. Mit diesem und weiteren Häusern soll in dem Folge-Vorhaben mit Namen „Via cultura“ ein Netzwerk entstehen, von dem dann vielleicht auch Markersdorf profitieren könnte, sagt Joachim Mühle. Andreas Jürgel vom Pulsnitzer Museum wünscht sich, dass „Trafo“ auch etwas für die Ehrenamtler bringt, die kleine Museen am Laufen halten. Für sein Haus hofft er erst einmal auf Geld für neue Medien oder auch auf professionelle Hilfe bei der Neugestaltung der Dauerschau.