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Die Mischung macht‘s

Im neuen Gemeinderat wollen die Kodersdorfer einen Mix aus erfahrenen und neuen Gesichtern. Egal, von welcher Liste.

Von Frank-Uwe Michel
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Am Sonntag, dem 19. Mai, wird ab 14 Uhr der neue Spielplatz hinter dem Gemeindeamt mit einem Familienfest offiziell eingeweiht. Er ist Teil der Ortsverschönerung von Kodersdorf und zählt zu den weichen Standortfaktoren, die der neue Gemeinderat verstärkt
Am Sonntag, dem 19. Mai, wird ab 14 Uhr der neue Spielplatz hinter dem Gemeindeamt mit einem Familienfest offiziell eingeweiht. Er ist Teil der Ortsverschönerung von Kodersdorf und zählt zu den weichen Standortfaktoren, die der neue Gemeinderat verstärkt © André Schulze

Wenn sich die zwölf Kodersdorfer Gemeinderäte am 21. Mai zum letzten Mal in dieser Legislaturperiode treffen, dann nicht etwa, um auf vergangene Erfolge anzustoßen. Das Bierchen gibt’s vielleicht hinterher. Zuvor wird – anders als in vielen anderen Orten kurz vor der Kommunalwahl – noch einmal jede Menge diskutiert und beschlossen.

Am wichtigsten dabei dürfte der neue Haushalt sein, der auch die Zeit nach der Wahl am 26. Mai betrifft. Wann die konstituierende Sitzung des neuen Gemeinderates stattfindet, steht natürlich noch nicht fest. Allerdings dürfte dies Ende Juli oder Anfang August zu erwarten sein. Dann könnten sich viele der jetzigen Kommunalpolitiker – bestätigt von den Bürgern – wiedersehen. Denn von den aktuellen Gemeinderäten, die alle für die CDU-Liste in dem Gremium sitzen, bitten acht erneut um das Vertrauen der Wähler. Insgesamt schicken die Christdemokraten zwölf Frauen und Männer ins Rennen. Mit vier Kandidaten beteiligt sich die Wählervereinigung „Unser Kodersdorf“ an der Gemeinderatswahl. Nur Einzelkämpfer bieten Die Linke und die Sozialdemokraten auf. Alles deutet also auf die Fortsetzung der in den vergangenen Jahren praktizierten Kommunalpolitik hin, was im Vorfeld der Wahl unterschiedlich bewertet wird.

Ingrid Löbling findet, dass es auf dem bisherigen Weg weitergehen soll. „Was der Gemeinderat in den vergangenen Jahren geleistet hat, kann sich sehen lassen“, sagt die 77-jährige Seniorin, die bis zu ihrem Ausscheiden als Präsidentin des hiesigen Sportvereins vor rund zwei Jahren immer wieder Unterstützung von dem Gremium erfahren hat. Allerdings hat sie auch nichts gegen frischen Wind. „Auf jeden Fall müssen es fähige Leute sein, die unseren Ort weiter voranbringen.“ Ähnlich sieht das Mario Pahl, derzeit Schatzmeister bei Aufbau Kodersdorf. Neue Räte müssten jedoch die Welt nicht neu erfinden. Denn: „Es ist alles da, was ein Ort wie der unsere braucht.“ Keinesfalls dürfe der Gemeinderat die positive Entwicklung der vergangenen Jahre infrage stellen.

Etwas kritischer fällt die Beurteilung von Olaf Schneider aus. Er betreibt den Edeka-Markt in Kodersdorf und findet, dass die Gemeinde den in der Ortsmitte ansässigen Gewerbetreibenden zu wenig Aufmerksamkeit schenkt und sich stattdessen vor allem auf die Großindustrie im Gewerbegebiet konzentriert. Das sei zwar insgesamt gesehen bestimmt nicht falsch, „aber auch wir zahlen Gewerbesteuer und müssen das Überleben unserer Firmen sichern.“ Schneider denkt dabei an seine 30 Beschäftigten und hat Bauchschmerzen, wenn er die Bemühungen um die geplante Umgehungsstraße sieht. „Den Schwerlastverkehr aus der Gemeinde herauszubekommen, ist zwar verständlich. Was aber passiert dann mit dem Berufs- und Urlaubsverkehr? Diese Leute sorgen bis jetzt nicht ganz unerheblich für Umsatz bei uns. Wenn es eine neue Straße gibt, kommen die nicht mehr hier vorbei.“ Nicht nur er sei davon betroffen, auch die Gaststätten, der Bäcker und die Kfz-Werkstätten entlang der B 115. „Man sieht ja in Reichenbach und Weißenberg, wohin das führt. Dort sind die Innenstädte weitgehend ausgestorben.“ Er hoffe deshalb auf offene Ohren der neuen Gemeinderäte, die sich um die Belange aller in Kodersdorf ansässigen Unternehmen kümmern sollten. Frischer Wind in dem Gremium könne da keinesfalls schaden.

Trotz der großen Herausforderung für seine Kameraden mit möglichen Einsätzen im Autobahntunnel und im Gewerbegebiet ist Wehrleiter Andreas Flade froh über die Entwicklung seines Heimatortes. „Die Einwohner können stolz sein auf das, was hier geschaffen wurde. Meckerer gibt es immer.“ Er findet, dass im künftigen Gemeinderat eine gut funktionierende Mischung von alten und neuen Räten sitzen sollte. „Die Leute, die sich bisher schon für den Ort eingesetzt haben, wissen, was fortgeführt werden muss. Deshalb wäre es sicher gut, wenn ein erfahrener Stamm weitermachen könnte.“ Der soll dann auch über das Anliegen der Feuerwehr entscheiden, die Entschädigungssatzung zu verändern. Ziel ist es, das Engagement der Kameraden perspektivisch finanziell besser zu stellen.

René Schöne sieht der Zusammensetzung des neuen Gemeinderates entspannt entgegen. „Die Bürger entscheiden, wer sich künftig für den Ort einsetzen darf.“ Ihm sei wichtig, so der Bürgermeister, dass in dem Gremium ein möglichst breites Spektrum der Bevölkerung abgebildet werde. Da spiele die Listenzugehörigkeit überhaupt keine Rolle. „Wichtig ist doch, dass wir zusammen Politik für unsere Gemeinde machen.“ Er freue sich, wenn neben erfahrenen Räten demnächst auch Neueinsteiger über die anstehenden Zukunftsprojekte beraten. Und die sind nach Ansicht des Bürgermeisters zahlreich vorhanden. So steht für etwa 3,6 Millionen Euro die Erweiterung der Kläranlage an. Für 1,5 Millionen Euro wird neuer Platz in der Oberschule geschaffen. Außerdem geht es um den Bau eines neuen Kindergartens, die Schaffung von Eigenheimstandorten, um altersgerechtes betreutes Wohnen. „Wir wollen die sogenannten weichen Standortfaktoren stärken. Kultur, Dorfentwicklung – der neue Gemeinderat hat viel zu tun.“

Diese 18 Kandidaten wollen in den Gemeinderat:

Liste CDU: Sebastian Förster, Uwe Bork, Angelika Mischinger, Torsten Stark, René Kämmer, Mirko Lattermann, Armin Backasch, Dieter Förster, Karsten Wiesenhütter, Michael Storch, Ben-Uwe Pahl, Daniel Knobloch

Liste Die Linke: Charly Donat

Liste SPD: Dana Dubil

Liste Wählervereinigung „Unser Kodersdorf“: Christian Höhne, Nicole Schieber, Tilo Schmidt, Sven Gleim

Quelle: Verwaltungsverband Weißer Schöps/Neiße

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