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Die Mischung machts

Hochschule. Viele junge Menschen studieren in Görlitz und mögen die Stadt. Auch wenn ihnen oft zu wenig los ist.

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Von Katja Pautz

Hunderte von Drahteseln drängeln sich in den Fahrradständern auf dem Campus der Hochschule Görlitz. Zwischen manchen klemmen Studenten, die ihr Rad gerade an oder abschließen. Auf den Bänken sitzen andere in der Sonne und lesen, diskutieren, rauchen. Manche ganz geschäftig, andere erholen sich, denn es ist Pause. So viele junge Menschen an einem Ort gibt es in Görlitz nur hier fast jeden Tag, das ganze Semester über; und es werden kontinuierlich mehr, wie die Referentin des Rektors, Hella Trillenberg, bestätigt.

Doch wo sind sie eigentlich sonst? „Na, ab und zu kaufen hier schon mal Studenten ein Brötchen“, sagt Katja Peter, Verkäuferin im Café Kretschmer auf der oberen Berliner Straße. Aber eigentlich hat sie nicht das Gefühl, es seien viele. Und das, obwohl genau gegenüber das ehemalige Hotel Hansa liegt – eine Unterkunft für Studenten: „Wohnen und Studieren in Görlitz“. Man erkenne sie ja auch nicht, meint die Friseurin nebenan.

Provinz mit Flair

„Wo soll man denn schon großartig hin? Görlitz ist eine schöne kleine Stadt, aber es ist zu wenig los“, sagt Kati Walter. Sie studiert Heil- und Behindertenpädagogik im zweiten Semester. Ihre Kommilitonin Jana Fischer kommt aus Dresden. Da ist Studieren schon etwas anders. „Aber es kommt immer drauf an, welche Erwartungen man hat“, sagt sie. Den Studentinnen gefällt die Mischung in der Stadt, auch für die Freizeit: „Da sind wir viel im Volksbad, in den Parks, man kann sich zurückziehen.“ Dass die Wege kurz sind und sie vieles mit dem Rad oder zu Fuß erreichen können, sei ein Pluspunkt. Der täusche jedoch nicht darüber hinweg, dass die Kneipen viel zu zeitig zumachten. Zwar konzentriere sich ihr studentisches Leben schon auf Campus, Alt- und Innenstadt, aber auch in den anderen Stadtteilen seien sie schon gewesen.

In Königshufen machen sie im Förderschulzentrum eine Theatergruppe im Rahmen ihres Studiums. Solche Praktika und Projekte gibt es zahlreiche an der Hochschule. Sozialpädagogik-Studentin Maxi Lorenz zum Beispiel absolviert ihres im Quartiersmanagement auf der Berliner Straße, bei dem die Chemnitzerin viel über die Stadt erfahren hat. „Es ist schon so, dass man anfangs hauptsächlich hier ist, um zu studieren. Aber wenn man länger bleibt, auch mal über das Wochenende, lernt man die Stadt besser kennen“, sagt die 22-Jährige. Und sie findet, Görlitz hat ein gemütliches Flair.

„Die, die nur dienstags bis donnerstags hier sind, können sich natürlich nicht so einleben“, sagt auch Heiner Seibt. Der Student hilft „Neulingen“, sich in Görlitz zurecht zu finden, zeigt Straßen, erzählt über die Stadt. Ob sie Görlitz als „echte Studienstadt“ empfinden, hängt davon ab, wo sie herkommen, sagt er. Doch würden viele sagen, dass sie die kleine Provinzstadt schnell ins Herz geschlossen haben. Nur sei eben so wenig los. Deshalb passiert viel in Eigenregie: Wie zum Beispiel eigene Grillfeten, Wohnheimparties oder das Campus Open Air an diesem Wochenende. „Im Sommer ist das natürlich am einfachsten“, sagt Heiner Seibt. Er selbst mag Görlitz: „Es ist eine sehr schöne Stadt mit viel Potenzial. Und wenn das mit der Kulturhauptstadt was wird, wäre das eine richtig tolle Sache.“