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„Die Mitarbeiter müssen besser sein als der Chef“

Seit August gibt es sechs neue Lehrlinge bei Teppich Schmidt – mehr als sonst. Holger Schmidt erklärt im SZ-Gespräch, warum sich junge Leute bei ihm bewerben.

Teppich Schmidt begrüßt im August sechs neue Azubis.
Teppich Schmidt begrüßt im August sechs neue Azubis. © Teppich Schmidt

Herr Schmidt, warum haben Sie dieses Jahr mehr Azubis?

Wir haben viel dafür getan, damit wir junge Leute für unseren Betrieb begeistern. Sonst haben wir zwischen zwei und vier Azubis jedes Jahr. Dieses Jahr werden es aber vielleicht im September noch mehr, da es weitere Bewerber gibt. Zumindest solche, die ihren Studienplatz vielleicht nicht erhalten. Dann wären wir gut ausgelastet. Aber wir brauchen auch alle Azubis. Wir bilden aus, um sie einzustellen. Denn wir suchen immer wieder gute Mitarbeiter. Wir wollen Fachkräfte in der Region selbst ausbilden und übernehmen.

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Das heißt, alle Azubis werden nach drei Jahren übernommen?

Wir wollen die Besten, und die behalten wir dann auch. Die drei Jahre sind dafür eine fantastische Probezeit. Der Azubi kann überprüfen, ob er bei uns arbeiten möchte. Wir können schauen, ob er zu uns passt.

Und wie viele übernehmen Sie im Durchschnitt?

Wir haben viele Abbrecher im ersten Jahr, denn unsere Ausbildung fordert die Lehrlinge. Es gibt aber Jahre, wo keiner abbricht. Unser Übernahmequote liegt etwa bei 40 bis 50 Prozent. Also in manchen Jahren stellen wir alle ein, in manchen Jahren gar keinen.

Warum brechen so viele ab?

Wir verlangen sehr viel, manche Azubis überfordert das. Am Ende wissen wir aber, dass die Absolventen wirklich gut sind. Azubis übernehmen im ersten Lehrjahr von Anfang an Aufgaben eigenständig. Das sind viele gar nicht gewöhnt, plötzlich Verantwortung zu tragen. Je mehr der Azubi für etwas verantwortlich ist, desto besser wird er. In den 1990er-Jahren ist bei uns ein Azubi im zweiten Lehrjahr Filialleiter geworden. Er war besser als der Facharbeiter vor Ort. Wer Verantwortung übernimmt, hat gute Chancen bei uns.

Wie sind die Azubis heute?

Wir haben einen Handelsfachwirt ausgebildet, der jetzt bei uns Verkaufsleiter ist. Ein anderer, junger Handelsfachwirt führt eine Abteilung. Den haben wir aber nicht ausgebildet. Wenn junge Leute das eigenständig gut machen, ziehen wir uns immer mehr zurück. Es muss nicht sein, dass ich in fünf Jahren noch im Unternehmen bin. Wir wollen gern Platz für Leute schaffen, die Verantwortung tragen möchten. Die Mitarbeiter müssen besser sein als der Chef.

Und wie geht das?

Das ist ein großer Lernprozess aller Mitarbeiter, auch von mir. Ich übergebe zum Beispiel Aufgaben und vertraue meinen Mitarbeitern, dass sie diese ordentlich erfüllen. Sie sollen wiederum erfahren, dass sie Fehler machen und daraus lernen dürfen. Sie sollen spüren, dass ich sie als Chef entscheiden lasse – auch wenn ich es vielleicht anders machen würde. Gerade bei der EDV – da haben uns die jungen Leute schon immer überholt.

Was sind für Azubis Gründe, sich bei Ihnen zu bewerben?

Im Bewerbungsgespräch fragen wir natürlich, wie sie auf uns aufmerksam geworden sind. Bei vielen war der Hauptgrund: unser moderner Auftritt im Internet. Wer hat ihn gestaltet? Das waren unsere jungen Mitarbeiter. Das spricht dann andere junge Leute an genauso wie unser junges Team. Viele Azubis reizt zudem, dass wir sie von Anfang an in das Unternehmen mit einbinden.

Das Gespräch führte Martin Skurt.

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