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„Die Natur vor der Haustür wird einfach vergessen“

110 Vogelarten gibt es im Zittauer Gebirge – eine Vielfalt, die aber Schutz braucht.

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© SZ Thomas Eichler

Von Dietmar Rößler

Aus Anlass der derzeit im Waltersdorfer Volkskunde- und Mühlenmuseum gezeigten Ausstellung „Die Vögel des Zittauer Gebirges“ sprach die SZ mit Klaus und Gert Hofmann, dem Vorsitzenden und dem Chronisten der Ortsgruppe Zittau im Verein Sächsischer Ornithologen.

Was stirbt eher aus, die Vögel oder die Ornithologen?

Natürlich weder noch. Aber wir haben leider immer noch einen kontinuierlichen Rückgang bei den Populationen der meisten Singvogelarten. Unsere Fachgruppe war auch schon mal bedeutend jünger und zahlreicher. Aber, wenn in der heimatlichen Natur etwas bewegt werden soll, ist unsere Arbeit ohne Alternative. Und die Beschäftigung mit der Natur ist nicht zuletzt interessant. Und hält gesund. Also durchaus überlegenswert auch für Ältere.

Und junge Leute? Was könnte für sie spannend sein an der Vogelwelt?

Wenn wir mit jungen Leuten sprechen, stoßen wir immer auf Interesse an biologischen Fragen. Wir hoffen deshalb, dass diese Ausstellung eine Möglichkeit bietet, solche Kontakte auszubauen. Ein Problem der heutigen Medienwelt ist doch, dass am Computer die ganze Vielfalt und alle Probleme der weltweiten Flora und Fauna „erlebt“ werden kann. Dabei wird die Natur „vor der Haustür“ manchmal vergessen.

Wer kann für die heimischen Vögel sensibilisieren? Die Schulen?

Es wäre zu wünschen, dass der Lehrplan mehr Raum für die heimische Natur einräumen würde. Schließlich ist die Umweltproblematik ein Thema für junge Leute. Gerade die Vogelwelt ist dafür ein guter Indikator. Massenvermehrungen oder Verminderungen bestimmter Vogelarten geben Hinweise über den Umweltzustand. Fleißige und kompetente Arbeit von Freizeitornithologen ist wichtig – und macht Spaß. Schließlich sind die „Beobachtungsobjekte“ hübsch anzusehen. Gerade auch für Schüler eine spannende Beschäftigung.

110 Vogelarten im Zittauer Gebirge. Das ist doch gar nicht schlecht?

Das ist nicht schlecht. Aber einst gab es hier auch Auerhähne und Birkhühner. Und viele der in der Ausstellung erwähnten 110 Arten bestehen zurzeit aus wenigen Brutpaaren. Sind also hochgradig gefährdet.

Es ist zu betonen, dass Vögel nicht nur die Welt bunter machen, sondern auch ihren Platz in einem intakten Ökosystem haben. Die Aktivität einer „organisierten Vogelkunde“ beschränkt sich deshalb nicht nur auf „Vögel zählen“ und „Nisthilfen bauen“, sondern berät bei Gartenbau, Landwirtschaft und Bauprojekten. Da ist eine größere Zahl von Mitstreitern aller Berufsgruppen unbedingt nötig. Und natürlich vor allem auch die Mitarbeit junger Leute.

Beim eben erschienen „Sächsischen Vogelatlas“ haben 800 Ehrenamtliche mitgezählt. Eine „starke Truppe“?

Glücklicherweise gibt es viele engagierte Leute. Auch wenn von diesen 800 etwa 300 nur eher zeitweise Helfer waren.

In der über 120-jährigen Tradition unserer organisierten Vogelkunde gab es immer Höhen und Tiefen. Starke Vereine und Persönlichkeiten legten Sammlungen und Dokumentationen an. Im Moment fehlt uns aber sogar ein zentraler Platz, um diese Dinge unterzubringen und zugänglich zu machen. Auch deshalb freuen wir uns über die Möglichkeit dieser Ausstellung.

Ausstellung Volkskunde- und Mühlenmuseum Waltersdorf: Di–Sa 10-12/13.30–16.30 Uhr; So 13.30–16.30 Uhr