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Die neu entdeckte Vase

Ilse von Schönberg bringt ihr Schloss auf Vordermann. Dabei muss sie sich auch mal zwischen zwei Kunstwerken entscheiden.

© Egbert Kamprath

Von Franz Herz

Reichstädt. Ilse von Schönberg ist zufrieden. Wieder hat die Schlossherrin von Reichstädt einen Schritt gemacht, um die alte Schönheit des Gebäudes zurück ans Tageslicht zu holen. Teilweise waren Wandgemälde unter Tapeten oder neuen Anstrichen verborgen. Die Besitzerin hat ein solches Gemälde im Treppenhaus erst freigelegt. Dann haben Restauratoren dem Kunstwerk aus dem 18. Jahrhundert seinen alten Glanz zurückgegeben. Vor wenigen Tagen sind sie damit fertig geworden.

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Es sieht aus wie eine große Vase, die ein kräftiger Mann aus ihrer Nische heben könnte. Aber er würde scheitern. Es handelt sich um sogenannte Scheinarchitektur. Die Nische, der Sockel, die Vase alles ist nur gemalt. Diese Wandverzierung im Treppenaufgang zur ersten Etage hat ihren alten Glanz zurückerhalten. Es gibt noch weiteren historischen Wandschmuck im Schloss Reichstädt, der unter späten Anstrichen oder Übermalungen verborgen ist. Ilse von Schönberg zeigt das Treppenhaus, das zu ihren Privaträumen im zweiten Obergeschoss führt. Auch hier findet sich Kunst an der Wand, aber von völlig anderer Art; Tiere, Pflanzen, eine Art Dschungel in einem modernen Stil, der einem Comic ähnelt. „Das ist ein Zepnick-Gemälde vom Anfang der 1990er-Jahre“, sagt Ilse von Schönberg. Auch darunter sind noch alte Wandmalereien verborgen, welche sie ebenfalls restaurieren will. Hier muss sich Ilse von Schönberg zwischen zwei Kunstwerken entscheiden.

Das Kunstwerk von Johannes Zepnick soll allerdings nicht ganz weichen, auch wenn der Wandschmuck darunter wieder hervorgeholt wird „Ausschnitte will ich bewahren, vielleicht einen Rahmen darum legen. Das überlege ich mir noch genau“, sagt von Schönberg. Schließlich dokumentiert auch das Zepnick-Gemälde einen Abschnitt der Schlossgeschichte. Mitte des 18. Jahrhunderts hat der sächsische Generalpostmeister Rudolf Adam von Schönberg Reichstädt zu einer barocken Schlossanlage mit Park ausgebaut. Es war dann bis 1945 in Familienbesitz. Die Familie von Schönberg musste fliehen und wurde im Zuge der Bodenreform enteignet. Im Schloss wurden dann Wohnungen eingerichtet und Kinder betreut. Von den 1950er Jahren bis zur Wende hat die Freie Deutsche Jugend hier ihr Kreispionierhaus betrieben. Nach der Wende kam das Anwesen in den Besitz des Landkreises, der es schließlich 1998 an Ilse von Schönberg verkaufte.

Die promovierte Theologin kehrte aus Baden nach Sachsen zurück und führt in Reichstädt die Tradition der Familie weiter, die unterbrochen wurde, als ihre Tante Margarete und ihr Onkel Hans Reichstädt verlassen haben. Schritt für Schritt bringt die Schlossherrin ihr Anwesen wieder auf Vordermann. Es ging dabei um existenzielle Arbeiten, wie das Erneuern von schadhaften Dächern und ebenso um Dinge, die der Schönheit und der Atmosphäre dienen. Zurzeit erhält sie auch Möbelstücke und Kunstwerke zurück, die aus Schloss Reichstädt stammen und nach der Enteignung in verschiedene Museen der Region gelangt sind. Wer einmal feiern will wie die Adeligen in früheren Jahrhunderten, der hat auf dem Schloss ebenfalls die Möglichkeiten. Den Saal und die zugehörigen Gemächer vermietet Ilse von Schönberg für Hochzeiten, Jubiläen und andere Feierlichkeiten.