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Die neue Bühne ist im Rohbau fertig

Das Großprojekt im Kraftwerk Mitte liegt fast im Zeitplan. Aber bei den Kosten wird es eng.

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Von Bettina Klemm

Felicitas Loewe bereitet schon das Kistenpacken vor. „Am 29. August laden wir die Dresdner zum 33. und zugleich letzten großen Theatermarkt am alten Standort ein“, kündigt die Intendantin des Theaters Junge Generation (TJG) an. „Die große Kistenkarawane“ heißt das Motto. Ende nächsten Jahres will das Theater seine Premiere im Kraftwerk Mitte feiern. Loewe hat sich dort am Freitag schon mal umgesehen.

„Wir liegen im Zeitplan“, versichert ihr Projektleiter Florian H. Brandenburg. Durch Altlasten in der Baugrube war ein Verzug von drei Monaten entstanden. Dieser sei fast aufgeholt. Allerdings sind dadurch zusätzliche Kosten entstanden. Damit wird es sehr wahrscheinlich, dass die Stadt um einen Nachschlag gebeten wird.

140 bis 160 Bauleute sind derzeit mehrschichtig im Kraftwerk Mitte im Einsatz. Sie werden bis Ende August den Rohbau abschließen. Dann wird das Richtfest gefeiert. Für den Neubau der Spielstätten für das Theater Junge Genration und Staatsoperette Dresden, den Umbau der historischen Maschinenhalle und die Sanierung des denkmalgeschützten Verwaltungsgebäudes an der Ehrlichstraße ist die Firma Ed. Züblin AG verantwortlich. Bauherr ist das städtische Unternehmen Kommunale Immobilien Dresden (KID).

Die Bühnentürme haben ihre endgültige Höhe erreicht, allerdings fehlen ihnen noch die Dächer. Diese sollen bis spätestens zum Winter vollendet sein. Neben den Türmen auf einem Zwischengeschoss wird ein Großteil der Technik platziert. Das hat den Vorteil, dass diese von unten kaum zu sehen ist, erklärt Brandenburg. Der Turm der Staatsoperette misst 31,30 Meter über Bühnenniveau und der TJG-Turm ist 26,35 Meter hoch. Beide Türme erhalten später eine Klinkerverkleidung. Der Probenturm mit 26,30 Metern wird mit einer Glasfassade versehen. Eine Beleuchtung ist aus Kostengründen nicht vorgesehen. „Aber wir halten die Option offen und lassen dafür einen Zwischenraum“, erklärt Projektleiter Brandenburg. Ähnliches gilt auch für die Terrasse an der Kantine. Sie bekommt vorerst nur eine Kiesschicht. Schöner wäre eine Freiterrasse für die Theaterschaffenden. Derzeit werden am gesamten Komplex erste Fenster eingebaut.

An der Ehrlichstraße rostet ein Probestreifen vor sich hin. Das ist so gewollt. Es handelt sich um eine sogenannte Corten-Stahl-Fassade. Im ersten Jahr rosten die drei Millimeter dicken Platten sehr schnell und nehmen dadurch die rötliche Farbe an, erklärt Brandenburg. Dann roste die Fassade nur noch sehr langsam. „Wir rechnen mit einer Haltbarkeit von 30 Jahren, bevor die Fassade ausgetauscht werden muss“, sagt Brandenburg. Die Investitionskosten seien zwar etwas höher als bei einer üblichen Fassade mit Wärmedämmung, aber in der Unterhaltung deutlich preiswerter.

Gebaut wird derzeit auch an der Stirnseite der historischen Maschinenhalle. In die Räume hinter den Backsteinklinkern zieht die Theaterakademie ein. So erhalten die zumeist Laienspieler einen eigenständigen Bereich. Der Haupteingang zu beiden Theatern befindet sich später in der Mitte der Maschinenhalle. Die Straße davor, der Theaterboulevard, erhält später wieder sein historisches Pflaster und auch die Schienen. So soll der Charakter des Kraftwerks erlebbar sein. In der Halle sind auf alten Fundamenten Treppen errichtet worden. Sie führen zu den Garderoben nach unten und zur Besucherplattform nach oben. Links und rechts befinden sich das Puppentheater und die Studiobühne. Beide bieten jeweils Platz für 125 Zuschauer. „Der Baufortschritt ist erfreulich und beflügelt uns für die nächste, die ,unordentliche‘ Spielzeit“, sagt Loewe. Parallel wird im alten Haus an der Meißner Landstraße gespielt und parallel die neuen Spielstätten geplant. Da ist auch der Technische Direktor vom TJG Lutz Hoffmann gefragt. Er kennt sich auf der Baustelle in jedem Detail aus und erklärt, wo beispielsweise die Bühnenbeleuchtung angebracht wird – gut fünf Meter über den Zuschauern im Theatersaal. Doch bis er dort die Beleuchtung testen kann, vergehen noch knapp eineinhalb Jahre.

Webcam unter www.kraftwerk-mitte-dresden.de