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Die neue Entstaubungsanlage steht

Feralpi. Ab kommender Woche geht im Stahlwerk für drei Wochen der Ofen aus – damit die neue Umwelttechnik pünktlich in Betrieb gehen kann.

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Von Harald Daßler

Die neue Anlage steht – im wahrsten Sinne des Wortes. Im Laufe der vergangenen Monate ist sie im Stahlwerk gewachsen. Riesige Rohre verbinden sie jetzt mit der Halle, in welcher der Stahl gekocht wird. Gewaltige Stahlkonstruktionen sind im Filterhaus erkennbar. Sogar ein Extra-Gebäude für die eigene Stromversorgung der neuen Entstaubungsanlage ist auf dem Gelände von Feralpi entstanden.

In den teilweise noch offenen Gebäuden wirbeln viele. Die unterschiedlichen Firmenlogos auf den Arbeitsanzügen der hier Tätigen sowie auf den unmittelbar an der Baustelle geparkten Autos lassen die Dimension des Projekts erahnen, das sich der italienische Stahlhersteller hier in Riesa über vier Millionen Euro kosten lässt. „Derzeit arbeiten wir mit Fachleuten von etwa 30 Firmen zusammen“, erklärt Hans-Jörg Kurze.

Der Diplomingenieur vollendet in diesen Wochen ein Projekt, das ihn zwei Jahre lang beschäftigte. An dem er mit Stäben von Technikern tüftelte. Und das jetzt in der letzten Phase allen Beteiligten einigen Stress bereitet, damit es Ende dieses Monats wie geplant in Betrieb genommen werden kann.

„Was heute technisch möglich ist, holt die neue Anlage aus der Abluft heraus“, erklärt der Diplomingenieur kurz. Absaug- und Unterdruckvorrichtungen sorgen dafür, dass die Abluft aus dem Schmelzhaus noch besser als bisher gereinigt wird. Im Filtergebäude werden die Schadstoffe, die beim Schmelzen und Abstechen des Stahls entstehen, aufgefangen. Ein eigenes Verfahren sorgt für die Bindung von Dioxin, so dass das Werk künftig alle Grenzwerte dauerhaft einhalten kann“, erläutert Hans-Jörg Kurze. Eine Extra-Rohrleitung leitet Rückstände so in ein Silo, dass nichts nach außen gelangt. Spezialfahrzeuge holen sie dann ab zur Entsorgung in Freiberg.

Ständig will jemand etwas vom Projektleiter wissen oder mit ihm Details des Bauablaufs besprechen. Alles muss passen, damit der Termin der Inbetriebnahme gehalten werden kann. Schließlich geht es auch um Auflagen des Regierungspräsidiums, das mit seiner Genehmigung vorige Woche die Weichen für die weitere Entwicklung der Stahlproduktion in Riesa stellte.

Äußerlich komplett

Heute wird die Anlage äußerlich weitgehend komplett sein, wenn der Schornstein fertig montiert ist und seine endgültige Höhe von 48 Metern erreicht hat. Damit rücken Inbetriebnahme und Erprobung der Anlage ins Blickfeld. „Wir liegen gut im Plan“, bestätigt auch Stahlwerks-Direktor Klaus Ufer.

Nach ihrer Inbetriebnahme muss die Anlage in den Produktionsprozess integriert werden, und auch dabei sitzt den Stahlwerkern die Zeit im Nacken: „In der Woche vom 11. bis zum 15. September wird der TüV erste Konzentrationsmessungen vornehmen“, kündigt Klaus Ufer an. Die Messreihen werden auch zeigen, ob die Dioxin-Werte zuverlässig unter den vorgeschriebenen Grenzen liegen, ob die neue Entstaubungsanlage so wie projektiert arbeitet. Erst dann werden Regierungspräsidium und Umweltfachamt bei der Abnahme ihr endgültiges Ok geben.

Ab Montag ist im Stahlwerk erst mal der Ofen aus – für drei Wochen. Damit sich die Produktionsausfälle in Grenzen halten, wurden Vorräte für das Walzwerk angelegt, das unabhängig von den Bauarbeiten in den nächsten drei Wochen weiter produzieren kann. 33 000 Tonnen Knüppel – Halbfabrikate aus Stahl, woraus im Walzwerk der Bewehrungsstahl hergestellt wird – wurden „auf Halde“ produziert und 15 000 weitere Tonnen eingekauft.