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Die neue Fotografin

Heike Stille eröffnet ihr Studio am Markt 17 in Dipps. Sie setzt damit eine 70-jährige Tradition fort.

© Egbert Kamprath

Von Franz Herz

Dippoldiswalde. Am Markt 17 in Dippoldiswalde ist ein Fotogeschäft. Das hat schon viele Jahrzehnte Tradition. Margit Exner, die Eigentümerin des Hauses, erinnert sich noch daran, dass in ihrer Kindheit kurz nach dem Krieg ein Herr Gürtler dort ein Fotogeschäft betrieben hat. Er hat auch den Begriff Foto-Zentrale verwendet, der den Dippsern bis weit nach der Wende ein Begriff geblieben ist. Hinzu kam ein Verlag für Ansichtskarten. „Seit mehr als 70 Jahren haben wir im Haus ein Fotogeschäft“, sagt Margit Exner.

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Die Mieter der Geschäftsräume wechselten seitdem mehrfach, aber die Fotografentradition in dem Haus am Dippser Markt bleibt ungebrochen. Jetzt findet sie durch Heike Stille ihre weitere Fortsetzung. Sie hat am vergangenen Freitag in den Räumen ihr Fotostudio eröffnet. Die 43-Jährige kennt die Branche von der Pike auf. Sie stammt aus Freital und hat Einzelhandelskauffrau für Foto, Kino und Video gelernt. „Ich wollte mich aber schon immer weiter entwickeln in Richtung Gestaltung“, erzählt sie. Nach der Lehre hat sie in einem Geschäft in Dresden gearbeitet, zu dem ein Porträtstudio gehörte. „Da habe ich einen Fuß in die Türe bekommen“, erzählt die Fotografin. Sie hat Fortbildungen gemacht, Kurse besucht und viel Erfahrung mit der Porträtfotografie gesammelt. Mit der Wende ging das aber zu Ende. Heike Stille ist dann zu ihrem Mann in den Altenberger Ortsteil Oberbärenburg gezogen und hat sich einige Jahre auf die Erziehung ihrer beiden Kinder konzentriert.

Sie malt auch, kocht und backt oder näht. „Alles, was mit kreativem Gestalten zu tun hat, interessiert mich“, erzählt sie. Auch das Fotografieren hat sie nicht losgelassen. Sie hat ihre Kinder aufgenommen, aber auch mal andere Familien oder eine Hochzeit. Heike Stille wandert gerne, natürlich mit der Kamera dabei. 2008 hat sie einen Nebenerwerb als Fotografin angemeldet und 2010 ihr eigenes Fotostudio im eigenen Haus in Oberbärenburg eröffnet. „So konnte ich Job und Kindererziehung vereinbaren“, berichtet sie.

Inzwischen sind die Kinder selbstständiger und Heike Stille will ihr Geschäft etwas ausbauen. Deswegen hat sie sich in Dippoldiswalde umgeschaut und vergangenes Jahr an ihrem heutigen Schaufenster einen Zettel gesehen: „Nachmieter gesucht“. Sie musste erst ein wenig überlegen und hat sich dann mit der Hauseigentümerin Margit Exner in Verbindung gesetzt. Der war sie willkommen. Frau Exner sagt: „Ich freue mich auch, dass wir jetzt wieder eine Fotografin drin haben.“

In Oberbärenburg hat Heike Stille nur nach Terminvereinbarung gearbeitet. In Dippoldiswalde geht sie auch davon aus, dass sie Laufkunden gewinnt, die mal schnell ein neues Foto für den Ausweis benötigen. Wer ihr Geschäft betritt, kommt erst in den zentralen Raum, den Heike Stille zur Beratung der Kunden nutzt. Am Tisch spricht sie mit ihren Kunden ab, wie diese sich beispielsweise ihre Hochzeit vorstellen und was die Fotografin davon aufnehmen soll. Hinterher trifft sie mit dem Paar die Bildauswahl. Linkerhand hat die Fotografin ihr Büro eingerichtet mit dem Bildschirmarbeitsplatz, der auch für die Bildbearbeitung wichtig ist. Das Herzstück ihrer neuen Räume liegt im hinteren Bereich. Hier hat sie ihr geräumiges Studio eingerichtet. Der Raum ist rund 60 Quadratmeter groß. Das ist Platz genug, um auch eine Familie entspannt vor der Kamera aufzustellen. In einer Ecke steht die Garderobe mit einem Spiegel, um sich noch etwas schick zu machen, bevor man vor die Kamera tritt. An der Decke ist noch ein altes Kreuzgewölbe zu sehen. Das Haus hat eben viel Tradition zu bieten, die nun Heike Stille mit ihrem Geschäft fortführt.