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Die neue Herrin auf Burg Grabstejn

Iva Bartová ist die neue Burgverwalterin auf Grafenstein. Sie ist erst 23 und hat eine Menge vor.

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Katja Zimmermann

Mit energischen Schritten läuft sie durch das Gemäuer. Ihr Tag ist genau durchgeplant, in wenigen Minuten beginnt ihr nächster Termin. „Hier ist das Depot“, sagt sie freundlich und weist in zwei Räume, die unter anderem alte Möbel mit schönen Intarsien enthalten. Iva Bártová hat seit dem 1. Januar die Verwaltung der Burg Grabstejn (Grafenstein) inne. Die tschechische Berufsbezeichnung „Kastelánka“ (Kastellanin) ist auf das lateinische „castellum“, also Festung oder Burg, zurückzuführen. Obwohl das Gemäuer unweit von Hrádek (Grottau) Winterruhe hat, gibt es für sie als „Burgherrin“ viel zu tun.

Die junge Frau mit dem zu einem Pferdeschwanz zusammengebundenen Haar stammt aus dem Böhmischen Paradies, war also schon in ihrer Kindheit von Schlössern umgeben. Seit ihrem 15. Lebensjahr betätigte sie sich als Schlossführerin: mal in Hrubý Rohozec (Groß Rohosetz) bei Turnov (Turnau), mal in Humpolec (Humpoletz) südöstlich von Prag, mal im Wasserschloss Cervená Lhota (Rothlhotta) südlich von Prag. „Mein Traum war es schon immer, in einer Burg tätig zu sein“, schwärmt sie.

Die Burg Grabstejn kannte Iva Bártová vorher nur als Besucherin. So bemängelten sie und ihre Freunde bei einem Besuch, dass der Gast in der Nebensaison dort nichts gegen seine Hungerattacken oder die trockene Kehle vorfindet. Dagegen vorzugehen, ist nun eine ihrer ersten Amtshandlungen: Sie setzt sich dafür ein, dass der Imbiss am großen Burgtor nicht nur in der Ferienzeit öffnet, sondern während der gesamten Öffnungszeit der Burg.

Der Tag beginnt für sie meistens um 8 Uhr damit, dass sie den Computer hochfährt und die Post sortiert. Es folgen viele Termine, beispielsweise Gespräche mit der Bürgermeisterin von Chotyne (Ketten), dem Infozentrum von Hrádek oder anderen Kultureinrichtungen. Ansonsten werden jetzt in der winterlichen Besucherpause Veranstaltungen und Führungen geplant. Wie systematisch und gezielt ihre Arbeitsweise sein muss, wenn sie ihre Aufgaben in Angriff nimmt, kann an der Art erahnt werden, wie sie beim Gespräch erst einen Gedanken zu Ende führt, bevor sie einen anderen Faden aufnimmt. Sie wirkt dabei weder verunsichert, noch arrogant. Oft huscht ein Lächeln über ihr Gesicht.

Iva Bártová, Bachelor-Absolventin in den Fächern Architektur und Urbanismus, arbeitet gerade an den letzten Zügen ihres Masterstudiums in Prag. Die Prüfungen dafür hat sie schon geschafft. Jetzt muss sie noch einige Pflichtkurse absolvieren und dann steht noch die Master-Arbeit an. Wahrscheinlich ist sie in zwei Jahren damit fertig. Zurzeit verbringt sie vier Arbeitstage auf der Burg hoch über Chotyne und einen in Prag. Das funktioniert gut, weil es im Winter nicht so viel zu tun gibt. Das gleicht sich mit den übervollen Tagen in der Saison aus. Im Moment bewohnt sie eine Einraumwohnung in der Burg, weil die große „Kastelán“-Wohnung renoviert wird.

Der vorherige „Kastelán“, Jan Sedlák, hatte nach 22 Arbeitsjahren Burg Grabstejn auf eigenen Wunsch den Rücken gekehrt. Er hinterlässt seiner Nachfolgerin „große Fußstapfen“. Er hat viele Veranstaltungen, wie das „Worldfest“ organisiert, die mittlerweile Tradition sind. Vor fünf Jahren hat er zudem die Rekonstruktion der Burg überwacht. Ganze zwei Wochen stand Jan Sedlák seiner Nachfolgerin nun zur Seite. Erklärte ihr die Aufgaben. Zeigte ihr den Hauptschalter. Gab ihr die Schlüssel. Gemeinsam machten sie Inventur. So sind einige der Möbel nur Leihgaben, beispielsweise aus Schloss Sýchrov. Ob sie mit ihren „nur“ 23 Jahren die jüngste Kastellanin in Tschechien ist, kann Iva Bártová nicht sagen, glaubt es aber. Früher habe es sicherlich ab und zu noch jüngere gegeben. „Heute ist aber eine Uni-Ausbildung Voraussetzung für den Beruf.“ Die junge Burgchefin hat bereits eine Idee, wie das Gemäuer für die Besucher aus dem nahen Deutschland noch attraktiver werden kann: „Wir möchten versuchen, dass im Sommer immer ein bis zwei Angestellte da sind, die deutsche Gäste durch die Burg führen können“, sagt sie. „Wir“ – das sind sie selbst und ihr Team im Büro. Dort liegt auch der burgeigene Kater auf einem Schrank. Schwarz-weiß, ein wahrer Riese. Iva Bártová selbst hat mehrere Jahre Deutsch an der Schule gehabt, es aber schon fünf Jahre lang nicht mehr gesprochen. Das soll sich jetzt ändern. Sie hat sich über den Winter vorgenommen, sich so in die Vorbereitung einer deutschen Führung zu knien, dass sie schon in ein paar Monaten wenigstens das Wichtigste von „ihrer“ Burg auf Deutsch erzählen kann.

Eines der Depot-Zimmer neben dem großen Saal wird im Moment zu einem neuen Ausstellungsraum umgestaltet. Er wird einen Büroraum im 19. Jahrhundert abbilden. Zielstrebig arbeitet sich Iva Bartová in die Geschichte „ihrer“ Burg ein. Ihren neuen Job als Burgverwalterin möchte sie dabei gar nicht so richtig als „Arbeit“ bezeichnen. Schließlich sei das alles gleichzeitig ihr größtes Hobby.

Die Burg ist wieder ab geöffnet. www. hrad-grabstejn.cz]