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Die neue Liebe zum Maulwurf

Abgesehen von den Hügeln auf dem Rasen kann er ein Helfer des Gärtners sein. Los wird man ihn nur mit einem Trick.

Maulwürfe galten früher als Schädling - das hat sich an einigen Stellen geändert.
Maulwürfe galten früher als Schädling - das hat sich an einigen Stellen geändert. © Patrick Pleul/dpa

Von Simone Andrea Meyer

Über einen Maulwurfshügel kann man sich streiten. Vermutlich den meisten ist eine unversehrte Rasenfläche hoch und heilig und der kleine Tagebauarbeiter gilt ihnen daher als Feind. Es gibt aber auch eine andere Sicht auf die Dinge. Der Trend zurück zum naturnahen Garten hat gelassenere Gärtner hervorgebracht: Sie tolerieren nicht nur Schädlinge und Unkräuter, sondern auch Maulwürfe auf ihrem Grundstück. 

Manche geben ihnen sogar ein Zuhause. Warum etwas vertreiben, was von Natur aus bei uns beheimatet ist und zum Ökosystem gehört? Denn abgesehen von den Grabhügeln auf dem Rasen, die nicht jedermanns Sache sind, ist der Maulwurf sogar ein fleißiger Helfer des Gärtners. 

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Er vertilgt unermüdlich Schädlinge und vertreibt die gefräßigen Wühlmäuse, erläutert die Deutsche Wildtier Stiftung. Sie hat den Maulwurf zum „Tier des Jahres 2020“ gekürt. Mit der Wahl will die Stiftung auf die ökologische Funktion einer geschützten Art aufmerksam machen.

Wo Maulwürfe leben, sei das Bodenleben meist intakt, so die Stiftung. Die Tiere durchwühlen und lockern die Erde, daher ist sie frei von Unkraut und Wurzeln – und somit optimal zum Gärtnern.

Die Tierschutzorganisation Vier Pfoten rät, die Erde mit einem Spaten abzutragen und als Blumenerde für Töpfe zu nutzen. Oder man verteilt sie locker, in einer sehr dünnen Schicht, wieder über den Rasen.

Selbst der Deutsche Schädlingsbekämpfer-Verband erklärt: „Der Maulwurf ist eher als Lästling denn als Schädling zu bezeichnen. Maulwurfshaufen stellen meist nur ein optisches Problem dar.“

Ein perfekt angepasstes Tier

So ein Maulwurf ist ein faszinierendes Tier: Er ist perfekt an seinen Lebensraum im Erdreich angepasst. Er hat schaufelförmige Vorderbeine zum Graben. Hautfalten schützen seine Augen und Ohröffnungen vor herumfliegenden Erdkrümeln. Und er kann bis zu sechs Kilo Erde pro Stunde bewegen und seine Tunnel um bis zu 30 Zentimeter pro Minute verlängern, erklärt Vier Pfoten. Da seine dichten Haare keine bestimmte Wuchsrichtung haben, sind sie in alle Richtungen biegbar. Das bietet ihm Bewegungsvorteile in den engen Gängen, erklärt die Deutsche Wildtier Stiftung.

Der Maulwurf orientiert sich darin mithilfe von Tasthaaren, die an seiner Schnauze und am Schwanz sitzen. „Blind wie ein Maulwurf“ ist das Tier übrigens nicht. Er sieht zwar im Vergleich zu anderen Tieren schlecht, kann aber Hell-Dunkel-Schattierungen erkennen. Außerdem hat er neben den Tasthaaren noch einen weiteren Tastsinn an der Rüsselnase, der nur bei Maulwürfen vorkommt.

Wer trotzdem keine Maulwurfshügel auf seinem Rasen dulden möchte, hat wenig Chancen. Zwar gibt es Geräte im Handel, die Maulwürfe abschrecken oder vertreiben sollen, sicher wirken diese aber nicht. Fangen und töten darf man die Tiere allerdings nicht, denn sie stehen unter Naturschutz. Nur in besonders begründeten Ausnahmefällen kann man dafür eine Ausnahmegenehmigung bei den zuständigen Behörden beantragen, erläutert der Schädlingsbekämpfer-Verband.

Manchmal kommen Maulwürfe vom Weg ab, und werden dann wieder in die Erde gesetzt, wie in diesem Fall von der Polizei Mönchengladbach.
Manchmal kommen Maulwürfe vom Weg ab, und werden dann wieder in die Erde gesetzt, wie in diesem Fall von der Polizei Mönchengladbach. © Polizei Mönchengladbach

Gute Chancen für eine Lösung hat man laut Vier Pfoten mit Kindern, vielen Freunden und Haustieren. Denn die scheuen Maulwürfe registrieren Erschütterungen und Lärm intensiv und verziehen sich vom Grundstück, wenn sie dauerhaft keine Ruhe haben. Wer ihn loswerden will, sollte vielleicht einfach mal die Kinder öfters draußen spielen lassen. Oder ein paar Grillpartys im Sommer geben, wenn man einen Maulwurfshügel im Garten entdeckt hat – jetzt in Corona-Zeiten natürlich unter Einhaltung der Abstandsregeln.

Wer sich wirklich eine unberührte Rasenfläche wünscht, könne alternativ den Maulwurf mit etwas stinkender Knoblauchbrühe vertreiben. Davon etwas in die Gänge gießen, rät Vier Pfoten, aber nicht zu viel, damit der Maulwurf nicht ertrinkt.

Und wenn der Lästling nicht verschwindet und vielleicht sogar noch Blumenzwiebeln und andere Wurzeln anfrisst? Tja, dann handelt es sich womöglich gar nicht um den friedliebenden insektenfressenden Maulwurf, sondern um gefräßige Wühlmäuse.

Der Unterschied zur Wühlmaus

Auch Wühlmäuse legen ein weitläufiges Gänge-System im Boden an. Sie übernehmen sogar alte Maulwurfsgänge. Um welches Tier es sich handelt, findet man mit einem Trick heraus. Man wühlt einen Gang neben den Erdauswürfen mit einem Stab auf und legt ein Stück frei.

Dann steckt man eine Möhre in die Enden des Ganges und wartet ab. Der Maulwurf wird unterhalb des geöffneten Bereiches einen neuen Gang anlegen, ihn also unterwühlen. Die Wühlmaus wird die Möhre eher annagen und den Gang erneut verwühlen. Es gibt noch andere Hinweise: Die Gänge der Maulwürfe enden unter einem Erdhaufen. Die Gänge der Wühlmäuse liegen hingegen neben den Erdhaufen, deren Form unregelmäßiger und niedriger ist als die Haufen der Maulwürfe. Die Erde ist feiner und mit Pflanzenresten vermischt. (dpa)

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