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Die neue Lust am Gärtnern

Immer mehr Familien pachten in Bautzen eine Parzelle. Nun möchte auch die Stadt die Kleingärtner unterstützen.

© Uwe Soeder

Von Marleen Hollenbach

Bautzen. Auf ihre gelben Zucchini sind die Kleingärtner besonders stolz. Aber auch die Gurken sehen in diesem Jahr prächtig aus. Dank der guten Pflege. Fast jeden Nachmittag fahren Toni Senftleben und Stephanie Hildebrand raus in den Bautzener Ortsteil Teichnitz. Dort haben sie vor drei Jahren in der Sparte „Am Steinberg“ eine Parzelle direkt am Eingang gepachtet. Ein überschaubares Stück Land umgrenzt von einem Gartenzaun, das die beiden liebevoll ihre „kleine grüne Oase“ nennen.

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Vor allem Johannes, der fast zweijährige Sohn der beiden, liebt es, draußen zu spielen. Mit dem Ball tobt er über die Wiese, während es sich seine Eltern auf der Hollywoodschaukel bequem machen. Manch einer würde vor der vielen Arbeit zurückschrecken, die so eine Parzelle mit sich bringt. Doch die beiden kennen es nicht anders. In genau derselben Anlage besaßen schon die Eltern von Toni Senftleben einen Garten. Als Kind war er oft dort, half dabei, die Beete in Ordnung zu halten.

Als dann vor drei Jahren in der Gartensparte eine Parzelle frei wurde, zögerte der 38-Jährige nicht lang. Der Familienvater schwärmt von der Gemeinschaft innerhalb der Sparte, davon, dass sich jeder gegenseitig hilft. Zwar bewirtschaften in Teichnitz vor allem Rentner ihre Parzellen. Doch der Generationswechsel hat begonnen. Sieben junge Paare haben sich bereits für diese Kleingartenanlage entschieden.

Auch Andrea Lange, Vorsitzende des Territorialverbandes, beobachtet den neuen Trend. „Es erkundigen sich in letzter Zeit tatsächlich mehr junge Familien nach einer Parzelle“, sagt sie. Wobei die Kleingärtner eine ganz eigene Definition von „jung“ haben. Damit bezeichnen sie die Pächter, die zwischen 30 und 40 Jahre alt sind. Und noch eine Entwicklung freut Andrea Lange. „Auch syrische Familien pachten jetzt Kleingärten. Damit haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht“, erklärt sie.

Das große Interesse lässt sich auch in Zahlen ausdrücken. Mehr als 2 600 Parzellen gibt es in Bautzen. Und davon stehen momentan nur etwa fünf Prozent leer. Nun könnte man meinen, dass sich die Mitglieder des Territorialverbandes entspannt zurücklehnen können. Doch so ist es nicht. Arbeit gibt es noch genug. Das Team um Andrea Lange hat intensiv am Internetauftritt gearbeitet und dafür gesorgt, dass sich Interessierte bequem vom Rechner aus über freie Parzellen informieren können. Und auch die finanzielle Situation beschäftigt den Verband nach wie vor.

Fördermittel gegen Geldsorgen

Erst im vergangenen Jahr hatten die Kleingärtner auf ihre Geldsorgen aufmerksam gemacht. Das Problem: Viele Gartensparten sind alt. Es gibt Investitionen, die dringend erfolgen müssen. Doch obwohl der Verband bereits seine Mitgliedsbeiträge erhöht hat, reicht das Geld dafür nicht aus. Damit keine Sparte aus finanziellen Gründen schließen muss, baten die Kleingärtner im Oktober die Stadt Bautzen um Hilfe. Damals forderten sie eine Pachtrückzahlung.

Von den 41 Gartensparten in Bautzen, die zum Territorialverband gehören, stehen die meisten auf städtischem Grund. Pro Jahr überweisen die Gartenfreunde deshalb mehr als 30 000 Euro Pacht an die Kommune. In den vergangenen Jahren kamen so 750 000 Euro zusammen. Die Stadt sollte davon doch einen Teil an die Kleingärtner zurückzahlen, forderten die Verbandsmitglieder damals. Seither hat es viele Gespräche im Rathaus gegeben. Andrea Lange ist zuversichtlich. „Die Stadt hat uns versichert, dass man uns unterstützen will“, sagt sie.

Kleingartenkonzept in Arbeit

Das bestätigt auch die Verwaltung. So erklärt Alexander Hennig, Referent für Stadtentwicklung: „Die Stadt Bautzen erstellt gerade ein Kleingartenkonzept.“ Mit diesem Konzept in der Hand können die Kleingärtner Fördermittel beantragen. „Das hilft uns schon sehr“, erklärt Andrea Lange, die auch mit Bautzens Oberbürgermeister gesprochen hat. Sie sprach ihn auf die geforderte Pachtrückzahlung an. Zwar gab noch keine feste Zusage. „Aber ich denke, dass wir da eine Lösung finden“, sagt sie.

Zurück zu den Kleingärtnern im Bautzener Ortsteil Teichnitz. Toni Senftleben freut sich schon darauf, die gelbe Zucchini kosten zu können. „Das selbst angebaute Gemüse schmeckt einfach viel besser, als das aus dem Supermarkt“, schwärmt er. Und wo ist Johannes? Der Kleine geht gern mal rüber zu den Gartennachbarn. Zum Naschen. „Neulich kam er mit einer rot verschmierten Schnute wieder zurück“, sagt seine Mutter lachend.