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Die neue Lust auf Kultur

Auf der Burg trifft die Klassik das Mittelalter. Das ist nicht nur für die Gäste der Nacht der Schlösser etwas Besonderes.

Bernartius van Troethoven und Bombastus von der Heiden als Duo Obscurum sowie Gaukler Marc (von rechts) unterhalten die Gäste der Nacht der Schlösser auf Burg Kriebstein.
Bernartius van Troethoven und Bombastus von der Heiden als Duo Obscurum sowie Gaukler Marc (von rechts) unterhalten die Gäste der Nacht der Schlösser auf Burg Kriebstein. © Dietmar Thomas

Kriebstein. Die Leute haben Lust auf Kultur, meint Bombastus von der Heiden. Wenig später steht Carsten Heiden, wie er richtig heißt, mit dem Duo Obscurum auf der Bühne im Hof der Burg Kriebstein und sieht seine Meinung bestätigt.

Rund 170 Gäste sind zur Nacht der Schlösser gekommen und genießen offensichtlich die besondere Atmosphäre der Burg und der Veranstaltung. Es ist die Erste nach dem Corona-Lockdown und eine relativ spontane, wie Schlossleiterin Susanne Tiesler sagt. Eigentlich wollte das Burgteam in diesem Jahr gemeinsam mit dem Mittelsächsischen Kultursommer (Miskus) die lange Nacht der klassischen Erotik wiederholen. „Aber der Miskus hat alle Großveranstaltungen abgesagt. Da haben wir uns ein Alternativprogramm überlegt“, so Susanne Tiesler.

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Es ist ein Experiment

Und da sie bereits im vergangenen Jahr auf die Nacht der Schlösser angesprochen worden sei, die bis dahin ausschließlich in Schlössern und Burgen der Region Zwickau über die Bühne ging, sah sie darin eine gute Möglichkeit, die Mittelalterfans wieder auf die Burg Kriebstein zurückzuholen.

Aber nicht nur die. Denn in dem vierstündigen Programm wechselt sich das Duo Obscurum, das an diesem Abend durch Gaukler Marc verstärkt wird, mit dem Dresdner Salon-Trio ab. Das Trio spielt bei geöffnetem Fenster im großen Festsaal Werke von Verdi, Bellini und Arban. Die Besucher hören vom Hof aus zu. Im Festsaal hätten aufgrund der Abstandsregeln nicht alle Gäste Platz gefunden. „Deshalb haben wir uns auf das Experiment eingelassen“, erklärt die Schlossleiterin. Und das kommt an.

Das Dresdner Salon-Trio spielt bei geöffnetem Fenster im großen Festsaal der Burg Kriebstein.
Das Dresdner Salon-Trio spielt bei geöffnetem Fenster im großen Festsaal der Burg Kriebstein. © Dietmar Thomas

Eine besondere Atmosphäre

„Die Kombination ist toll. Die Stimmung hat was. Ich bin sonst nicht so der Klassik-Fan“, sagt Christin Bindemann aus Wolkenstein. Und das ist unverkennbar. Sie ist die einzige Besucherin, die ein mittelalterliches Gewand trägt. Sie schwärmt regelrecht für die Burg Kriebstein, die sie schon lange kennt und die sie in den vergangenen Wochen immer mal wieder besucht hat – einfach so. „Die Burg ist wunderschön, sie hat eine eigene Atmosphäre. Hier ist nichts verändert worden. Ich liebe die kleinen Details, wie die Wasserspeier“, erzählt sie und probiert dabei einen Likör der Keltenküche.

Mit der ist Stephanie Steen aus Meißen angereist. Seit 14 Jahren stellt sie Fruchtaufstriche, Senf und Liköre her und baut die Zutaten selbst an. Die Kreationen mit so fantasievollen Namen wie Feenschmaus, Merlins Sonne oder Drachensenf bietet sie auf Mittelalter- und Fantasiemärkten an. „Ich bin froh, dass es wieder losgeht“, meint Stephanie Steen. Die Zeit ohne Märkte sei hart gewesen. Um sie zu überbrücken, arbeite sie jetzt zusätzlich als Hausmeisterin und reinige Ferienwohnungen. „Es ist wichtig, dass die Kultur nicht stirbt“, sagte sie mit einem Seitenblick auf die Gruppe Obscurum.

© Dietmar Thomas
© Dietmar Thomas
© Dietmar Thomas

Mit Hut-Konzerten überlebt

Die bringt die Gäste zum Schunkeln – „alle die zu einem innerfamiliären Verbund gehören, jetzt einhaken und im Takt wiegen“ –, zum Mitklatschen und ihr ganz spezieller Humor verfehlt seine Wirkung auch nicht. Die musikalischen Gaukler treten seit Mai wieder auf. Allerdings nicht auf Veranstaltungen, sondern mit spontanen „Hut-Konzerten“ auf Burgen. „Dort war das möglich, weil sie ein Hygienekonzept hatten“, sagt Bombastus von der Heiden.

Und für das Duo seien diese kleinen Auftritte überlebensnotwendig gewesen. Denn bei den staatlichen Corona-Hilfen würden die „Gaukler“ in keine Schublade passen und seien weitestgehend durchs Raster gefallen. Nach der Burg Stolpen habe auch die Burg Kriebstein solche Hut-Konzerte ermöglicht, bei denen das Duo spontan spielt und einnimmt, was die Gäste in den Hut werfen.

Und die Nacht der Schlösser? „Ich finde die Aktion total genial. Es ist unglaublich, was die hier auf die Beine stellen“, sagt Bombastus von der Heiden.

Nächste Veranstaltung auf Burg Kriebstein: 18./19. September, je 20 Uhr, Konzert der Mittelalterband Faun

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