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Leben und Stil

Die neue Lust auf Wohnmobil und Caravan

Verreisen mit Wohnwagen und Wohnmobil wird immer beliebter. Wir verraten die gefragtesten Ziele, die Kosten und ab wann Kauf günstiger als Leihen ist.

Sachsens größtes Wohnmobil- und Caravan-Zentrum, die Schaffer-Mobil Wohnmobile GmbH in Dresden, hat über 50 Wohnmobile und Wohnwagen im Verleih. Für die Hauptsaison ist die Flotte schon nahezu ausgebucht.
Sachsens größtes Wohnmobil- und Caravan-Zentrum, die Schaffer-Mobil Wohnmobile GmbH in Dresden, hat über 50 Wohnmobile und Wohnwagen im Verleih. Für die Hauptsaison ist die Flotte schon nahezu ausgebucht. © Jürgen Lösel

Auch wenn es draußen noch kalt ist, planen jetzt viele Sachsen ihren Urlaub mit Wohnmobil oder Caravan. Der ADAC rät, spätestens bis März eine rollende Unterkunft für die Hauptsaison zu reservieren. Bei manchen Verleihern in Sachsen wird es da schon knapp. Denn der mobile Urlaub erlebe einen anhaltenden Boom, sagt Raymond Eckl vom Magazin Camping, Cars & Caravans. Lange Zeit seien Neuzulassungen von Wohnanhängern rückläufig gewesen. „Inzwischen gibt es das sechste Jahr in Folge einen Zuwachs. Knapp elf Prozent mehr Neuzulassungen im Vergleich zum Vorjahr waren das beste Ergebnis seit 1996.“ Dabei ist diese Form des Reisens oft gar nicht so günstig wie gedacht und will sorgfältig vorbereitet sein.

Wie sieht der typische Caravaning-Urlauber aus?

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Wer jetzt in Klischees denkt, liegt falsch. Die Lust am Urlaub auf Rädern sei längst „in der Mitte der Gesellschaft angekommen“, sagt Heiko Paul, Chefredakteur der Fachzeitschrift Reisemobil International. Dennoch gibt es drei Kernzielgruppen. Nummer eins: junge Aktivurlauber im Alter zwischen 20 und 30. Sie sind oft mit einem kompakten Kastenwagen unterwegs und surfen, fahren Mountainbike oder klettern in ihrer Freizeit.

Eine zweite Klientel sind junge Familien, die vor allem Alkoven-Reisemobile mieten oder mit einem gekauften Wohnwagen unterwegs sind. „Sie suchen familiengerechte Plätze mit Angeboten für Kinder, etwa Schwimmbad oder Spielplatz“, sagt Daniel Onggowinarsovom Caravan Industrie-Verband (CIVD).

Als dritte Zielgruppe gelten Ü-50-Paare, die oft mit dem eigenen Wohnmobil verreisen und gern wandern, Pedelec fahren und gut essen. Typische Wohnmobilisten würden meist eine Route abfahren, sagt Sören Schaffer, Geschäftsführer der Dresdner Firma Schaffer-Mobil Wohnmobile GmbH. „Die bleiben nicht länger als zwei oder drei Tage an einem Ort.“ Diese Camper suchten Stellplätze mit Ver- und Entsorgung, auf denen sie jederzeit ein- und auschecken können. „Caravan-Fahrer bleiben dagegen eine Woche oder länger auf einem Campingplatz, um von dort aus die Umgebung per Rad oder Pkw zu erkunden“, so Schaffer.

Wohin zieht es deutsche Urlauber derzeit am häufigsten?

„Neben Deutschland und Österreich sind Italien, Frankreich und Kroatien die Top-Reiseziele“, sagt Daniel Onggowinarso. Auch die skandinavischen Länder haben ihre Fans. Hierzulande zieht es viele Feriengäste an die Nord- und Ostsee, in die Alpen und ins Voralpenland. Laut CIVD ist der Wohnmobilist recht konsumfreudig: Im Schnitt gibt er während seiner Tour 50 Euro pro Tag aus. Nicht ganz so spendabel seien die Wohnwagenurlauber, sagt Caravaning-Experte Raymund Eckl. „Das sind eher Selbstversorger.“

Steigt in Deutschland die Zahl der Camping- und Stellplätze?

Während die Zahl der Reisemobilstellplätze seit der Jahrtausendwende kontinuierlich steige, bleibe die Zahl der Campingplätze relativ konstant, heißt es beim CIVD. Dafür gibt es mehrere Gründe – etwa langwierige Genehmigungsverfahren und hohe Investitionskosten. Allerdings werden bestehende Plätze ausgebaut. So auch in Sachsen, beispielsweise in Amtsberg bei Zschopau. Dort eröffnet im April der renovierte Waldcampingplatz Erzgebirgsblick. Auch auf dem überregional bekannten Fünf-Sterne-Park Lux Oase in Kleinröhrsdorf bei Dresden wird gebaut. Für 2020 erwarte die Branche in Freistaat leicht steigende Buchungszahlen, sagt Jens Bohge vom Mitteldeutschen Verband der Camping- und Wohnmobilwirtschaft. Dort sind Betreiber von rund 100 Camping- und 150 Wohnmobilstellplätzen organisiert.

Wo in Europa sind die Platzgebühren am höchsten?

Laut einer Analyse des Buchungsportals camping.info aus dem vergangenen Jahr kostete eine Nacht in der Hauptsaison im Schnitt zwischen elf und 36 Euro. In dem Preis für zwei Personen sind Kosten für Stellplatz, Strom und die Ortstaxe enthalten. Dazu kommen noch Lebenshaltungskosten. Am teuersten ist Camping demnach in der Schweiz (im Schnitt 36,34 Euro), gefolgt von Italien, Kroatien und Spanien. Deutschland liegt mit 23,83 Euro unterm europäischen Schnitt. Am günstigsten ist Weißrussland (11,29 Euro). Hier sollten Touristen allerdings keine mitteleuropäischen Komfortstandards erwarten.

Was kostet Caravaning-Urlaub für eine Durchschnittsfamilie?

Dazu lässt sich keine pauschale Aussage treffen. Wer beispielsweise ein Reisemobil für die Hauptsaison mietet, zahlt dafür laut ADAC zwischen 100 und 160 Euro pro Tag. Die Miete eines mittelgroßen, durchschnittlich komfortablen Wohnanhängers für vier Personen schlägt dagegen nur mit rund 60 Euro pro Tag zu Buche. Ein wichtiger Faktor ist allerdings, ob die Urlaubszeit in der Haupt- oder Nebensaison liegt. Dazu kommen noch Kosten für Kraftstoff, Maut- und Stellplatzgebühren. Letztere variieren deutlich, je nachdem, ob man auf einem Campingplatz übernachtet oder einen Reisemobilstellplatz ansteuert. Wer Inseln wie Sardinien oder Korsika zum Ziel hat beziehungsweise nach Norwegen möchte, muss meist noch eine Fährpassage mitkalkulieren. „Alles in allem ist es kein günstiger Urlaub“, resümiert Heiko Paul.

Wann und wo ist frühzeitiges Buchen Pflicht?

Vor allem in den touristischen Zentren der südlichen Regionen – also dort, wo im Sommer fast alle hin wollen. Viele Urlauber buchen schon nach dem Ende ihres Urlaubs für die nächste Saison. Und zwar nicht nur für die Schulferien, sondern auch für Wochenenden, die sich mit Brückentagen verlängern lassen. Wer mit dem Wohnmobil unterwegs ist und sich mit einem Stellplatz begnügt, kann sich mehr Zeit lassen.

Wann lohnt sich die Leihe, wann eher der Kauf?

Auch das lässt sich angesichts stark variierender Miet- und Kaufpreise pauschal nur schwer sagen. Grob gelte folgende Faustformel, sagt Onggowinarso: „Verreist man nur in der Hauptsaison, kann sich der Kauf schon bei vier Wochen Nutzung pro Jahr lohnen.“ Wer auch oder nur in der Nebensaison unterwegs sein will, für den sei die Rentabilität nach etwa sechs Wochen erreicht. Campingurlauber, die Wert auf Flexibilität legen und jederzeit spontan losfahren wollen, sollten demnach eher über einen Kauf nachdenken. Grundsätzlich gilt: Auch bei gebrauchten Wohnmobilen und Caravans muss man nach Schnäppchen suchen. Der Wertverlust sei deutlich geringer als bei Pkw, sagt Heiko Paul. Wer ein Fahrzeug haben will, das ein Jahr in der Vermietung gelaufen ist, bekommt es in der Regel 15 bis 20 Prozent unter Neupreis.

Worauf gilt es beim Gebrauchtkauf zu achten?

Auf Feuchtigkeit. Eingedrungenes Wasser sei „der Tod des Wohnwagens“, warnt Raymond Eckl. Das gilt genauso fürs Wohnmobil. Indizien dafür, dass ein Gefährt nicht mehr ganz dicht ist, sind Fäulnisgerüche und dunkle Flecken oder Verfärbungen in Ecken, Schränken, Bettkästen, auf Teppichen, Böden oder der Innenverkleidung. Dann ist eine Kontrolle mit einem Feuchtigkeitsmessgerät Pflicht. Weitere Punkte auf der Checkliste: alle Verbrauchsgeräte von Flüssiggas, die elektrische Anlage und Aufbaubatterie, Frischwassertank, Reifen, Motor und Getriebe. Nicht vernachlässigen sollte man die Sicherheitssysteme. So fehlt in manchen älteren Modelle ein Beifahrer-Airbag. Auch ein ESP ist nicht immer Serie. Der CIVD rät zum Kauf beim Fachhändler – wegen der Gebrauchtwagengarantie. Wer von Privatleuten kaufen und auf Nummer sicher gehen will, könne einen Gutachter hinzuziehen, schlägt Heiko Paul vor.

Wo drohen Wohnmobilfahrern in Deutschland Fahrverbote?

Neue Fahrzeuge mit der Schadstoffklasse Euro 6 und Euro 6d-Temp seien von Dieselfahrverboten nicht betroffen, betont der ADAC. Anders sieht es bei älteren Modellen mit Euro-4- und Euro-5-Norm aus. Die bereits existierenden Fahrverbote in einigen deutschen Städten träfen bisher aber nur sehr wenige, sagt CIVD-Geschäftsführer Onggowinarso. Der Verband setze sich in diesem Zusammenhang für Ausnahmeregelungen ein. Ohnehin seien Städte aber nicht das primäre Ziel der Reisemobilisten.

Wohnmobil oder Caravan – was passt zu mir?

1. Kastenwagen:

© Volkswagen

Die kleinste Variante dieser Fahrzeugkategorie ist der Campingbus. Das sind alltagstaugliche Autos wie der VW T6 oder die V-Klasse von Mercedes, mit denen man spontan campen fahren kann und die vergleichsweise wenig Sprit verbraucht. Die Sitze im Passagierbereich lassen sich umklappen und zur Schlafgelegenheit umfunktionieren. Dazu gibt es eine kleine, manchmal auch herausnehmbare Küchenzeile, oft ein Aufstelldach. Campingbusse haben selten ein Bad. Klassische Kastenwagen dagegen schon, weil sie etwas größer ist. Diese Fahrzeuge haben in den vergangenen Jahren einen enormen Boom erlebt, weil viele junge Leute ihre Liebe zum „#Vanlife“ entdeckt haben.

  • Ideal für 2 Personen
  • Neupreis ab ca. 30.000 Euro

2. Teilintegriert:

© Fiat

Ganzjahrestaugliches, gut isoliertes Reisemobil mit kompletter Küchenzeile, Kühlschrank, Bett, Sitzbank, drehbaren Vordersitzen und Nasszelle (Kombination aus Dusche und Toilette). Der Name rührt daher, dass das Fahrerhaus zum Teil in den Wohnraum integriert ist. Man erkennt, dass die Basis für dieses Wohnmobil beispielsweise ein Fiat Ducato ist. Bei den Zulassungszahlen in Deutschland liegen Teilintegrierte noch vor den Kastenwagen.

  • Ideal für 2 bis 4 Personen
  • Neupreis ab ca. 40.000 Euro

3. Alkoven:

© Fiat

Dieses oft als „Nasenbär“ titulierte Wohnmobil gehört eigentlich zur Familie der Teilintegrierten und bietet am meisten Platz. Es eignet sich vor allem für Familien, außerdem sind solche Modelle wichtig im Verleihgeschäft. Es gibt Schlafplätze über dem Fahrerhaus und im Heck, teilweise lässt sich auch noch die Sitzgruppe zur Schlafstatt umbauen. Die Ausstattung ist vergleichbar mit der eines normalen teilintegrierten Wohnmobils. Nachteil: Alkovenmobile sind recht hoch und anfällig für Seitenwind.

  • Ideal für 2 bis 6 Personen
  • Neupreis ab ca. 40.000 Euro

4. Vollintegriert:

© Fiat

Noch mehr Komfort und beste Isolierung: Anders als teilintegrierte bekommen vollintegrierte Mobile einen komplett neuen Aufbau nebst Fahrerhaus mit Panoramascheibe. Der Vorteil liegt im größeren Platzangebot, das sich oft in der Größe der Küche und mehr Stauraum niederschlägt. Statt Nasszelle mit integrierter Toilette gibt es üblicherweise eine Toilette plus eine separate Duschkabine. Sitzgruppen im Wohnbereich haben L- oder U-Form. Vollintegrierte Wohnmobile sind häufig schwerer als 3,5 Tonnen. Wer seinen Führerschein nach 1999 gemacht hat, braucht daher eine zusätzliche Fahrerlaubnis.

  • Ideal für 2 bis 4 Personen
  • Neupreis ab 50.000 Euro

5. Liner:

© Mercedes

Eigentümer dieser Dickschiffe machen „Glamping“, was so viel bedeuten soll wie „glamouröses Camping“. Als Basis fürs Luxusmobil dient oft ein Lkw-Chassis. Manche Hersteller bauen ausfahrbare Erker ein, mit denen sich der ohnehin üppige Wohnraum noch weiter vergrößern lässt. Viele Liner werden komplett nach Kundenwunsch geplant, gebaut und eingerichtet. Das macht sie extrem teuer. Top-Modelle erreichen siebenstellige Preise. (Quelle für Preisangaben: Caravaning Industrie Verband; Fotos: Hersteller)

  • Ideal für 2 bis 4 Personen
  • Neupreis ab ca. 120.000 Euro

6. Caravan:

© Hersteller

Anders als Wohnmobile eignen sich Caravans weniger gut, wenn man jede Nacht woanders schlafen möchte. Das übliche Nutzungsszenario: Man steuert einen Campingplatz an, parkt den Anhänger dort und unternimmt mit dem Pkw Tagesausflüge in die Umgebung. Die kleinsten Caravans wiegen zwischen 800 und 1.200 Kilo und können schon von Kompaktwagen gezogen werden. Für Mittelklasse-Caravans (bis 1.800 Kilo) braucht es dagegen ein gut motorisiertes Mittelklasseauto. Großraummodelle, die bis zu 2.800 Kilo wiegen, müssen oft von allradgetriebenen Geländewagen, SUVs oder Vans gezogen werden.

  • Neupreis Kompakt- & Touring-Caravans ab 8.000 Euro
  • Mittelklasse-Caravans ab 12.000 Euro
  • Großraumcaravans ab 25.000 Euro