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Die neue Notarin in Dippoldiswalde

Die ersten Monate hat Dr. Mandy Vetter das Dippser Notariat verwaltet. Jetzt hat das Ministerium sie fest bestellt und sie setzt die Arbeit von Liane Hache nahtlos fort.

Dr. Mandy Vetter hat die Nachfolge von Liane Hache als Notarin angetreten. Sie hilft jetzt in Dipps, Rechtsfragen mit Verträgen zu klären.
Dr. Mandy Vetter hat die Nachfolge von Liane Hache als Notarin angetreten. Sie hilft jetzt in Dipps, Rechtsfragen mit Verträgen zu klären. © Frank Baldauf

Dippoldiswalde hat wieder eine feste Notarin. Dr. Mandy Vetter ist vom sächsischen Justizministerium dazu bestellt worden und damit folgt sie auf Liane Hache nach, die seit 1979 in Freital und seit 1987 in Dippoldiswalde dieses Amt innehatte. Seit Januar arbeitet die neue Notarin schon in Dipps. Die ersten Monate war sie als Verwalterin eingesetzt. Dann hat das Ministerium sie endgültig bestellt. Die 41 Jahre ihrer Vorgängerin sind eine lange Zeit. Aber wenn alles gut läuft, liegen auch einige Jahrzehnte vor ihr als Notarin in Dippoldiswalde.

Für die gebürtige Dresdnerin stand ab der 10. Klasse fest, dass sie Jura studieren will. „Damals habe ich ein Praktikum bei einem Rechtsanwalt gemacht. Danach war es mein Berufswunsch“, sagt sie. Nach dem Abitur hat sie in Freiburg im Breisgau mit dem Studium begonnen, das sie 2005 abgeschlossen hat. Danach hat sie ihr Referendariat absolviert, als wissenschaftliche Angestellte gearbeitet, war Stipendiatin des Max-Planck-Instituts und hat ihre Doktorarbeit geschrieben. Das ist ein Werk mit 760 Seiten. Darin hat sie die Rechte der Verteidiger bei polizeilichen Ermittlungen im englischen und deutschen Recht verglichen und diese an den Vorgaben der Europäischen Menschenrechtskonvention gemessen. „Unter den sächsischen Notaren bin ich meines Wissens die einzige promovierte Frau“, stellt sie nicht ohne Stolz fest.

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Ausgesprochenes Gerechtigkeitsempfinden

Nach dieser wissenschaftlichen Arbeit im Strafrecht hat sie sich aber für die Arbeit als Notarin entschieden, wo das Zivilrecht im Vordergrund steht. „Ich habe ein ausgesprochenes Gerechtigkeitsempfinden. Es ist ja die Tätigkeit als Notarin, mit allen Beteiligten eine einvernehmliche Lösung zu finden und die unterschiedlichen Positionen zusammenzubringen. Das liegt mir“, sagt sie. 2012 hat sie sich für diese Laufbahn beworben und 2013 als Notaranwärterin begonnen, erst in Thüringen, dann in Sachsen. Hier hat sie verschiedene Stationen durchlaufen, hat die Notararbeit in der Großstadt ebenso kennengelernt wie auf dem Land, in Leipzig, Dresden oder Meißen. In der Stadt stehen Fragen zu Eigentumswohnungen, Bauträgern oder Unternehmen im Vordergrund. Auf dem Land geht es oft um das Thema, wie Haus und Grund an die Kinder weitergegeben werden kann oder um den Handel mit landwirtschaftlichen Grundstücken.

Bei Grundstückskäufen schreibt das Gesetz vor, dass sie vor einem Notar beurkundet werden. Es gibt aber auch Fälle, wo es freigestellt ist. Ein Testament beispielsweise kann jemand auch für sich schreiben. „Hier rate ich aber immer, sich fachlich beraten zu lassen, unbedingt dann, wenn die Verwandtschaftsverhältnisse kompliziert sind oder ein größeres Vermögen vorhanden ist“, sagt die Juristin. Sie nennt ein Beispiel für die Fallen, die da lauern können. „Ich vererbe etwas“ hat in der Alltagssprache die gleiche Bedeutung wie „Ich vermache etwas“. Juristisch ist es ein großer Unterschied. Die Kosten für die Notarin sind dabei gesetzlich geregelt. „Das richtet sich nach dem Wert des Vermögens. Wir geben aber gerne vorher Auskunft, welche Gebühren in einem speziellen Fall zu erwarten sind, machen quasi einen Kostenvoranschlag“, sagt die Notarin.

Videokonferenz anstatt Notartermin

Wenn Notarstellen frei werden, schreibt das Justizministerium diese aus. „Ich hätte mich auch nach Leipzig bewerben können. Mein Herz hängt aber an dieser Region“, sagt die Notarin. „Ich habe die Arbeit in ländlichen Notariaten in positiver Erinnerung behalten. Die Menschen sind oft dankbar, wenn man ihnen helfen konnte. In der Stadt wird das als selbstverständlich genommen.“

Nun steht sie am Anfang ihrer Tätigkeit als niedergelassene Notarin. Sie weiß aber auch, dass hier große Veränderungen bevorstehen. Eine wurde jetzt durch die Corona-Einschränkungen beschleunigt. „Da kommt manches schneller als gedacht“, sagt die Notarin. Die Europäische Union hat die Onlinegründung von Gesellschaften mit beschränkter Haftung (GmbH) auf den Weg gebracht. Es kann also bald möglich sein, dass die Beteiligten ein Unternehmen in einer Videokonferenz gründen, sich elektronisch ausweisen und ihre Zustimmung auf diesem Weg geben. Bisher müssen sich die Beteiligten immer noch beim Notar treffen.

Eine andere Neuerung steht bereits fest. Ab 2022 werden die Urkunden elektronisch archiviert. Jetzt ist die Notarin dafür verantwortlich, diese Unterlagen alle sicher zu verwahren. Auch die Dokumente ihrer Vorgängerinnen Liane Hache und Barbara Engelmann sind bei ihr noch zugänglich, so lange wie sie von Gesetz wegen aufbewahrt werden müssen. „Dafür haben wir große Archivräume.“ So läuft der Notariatsbetrieb in Dippoldiswalde nahtlos weiter. Dr. Vetter hat auch die Angestellten mit übernommen. 

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