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Die neuen Wege des Amine Aoudia

Dynamos algerischer Stürmer ist endlich da – mit Konditionsrückstand und einer Räuberpistole im Gepäck.

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© Robert Michael

Von Tino Meyer

Cool ist sein erstes Wort. Dabei spricht Mohamed Amine Aoudia nur Französisch. Sein neuer Mitspieler Romain Bregerie muss deshalb als Dolmetscher ran – und doch nichts sagen. Wenn es um die ersten Eindrücke von Dynamo und Dresden geht, braucht es keine Übersetzung. Kurz und knapp drückt der algerische Stürmer seine Bewunderung aus.

Einzelläufer ist Amine Aoudia bei seinem ersten Dynamo-Training, aber nicht allein unterwegs. Fitnesscoach Christian Canestrini (re.) verfolgt ihn auf Schritt und Tritt. Fotos: Robert Michael
Einzelläufer ist Amine Aoudia bei seinem ersten Dynamo-Training, aber nicht allein unterwegs. Fitnesscoach Christian Canestrini (re.) verfolgt ihn auf Schritt und Tritt. Fotos: Robert Michael © Robert Michael

Aoudia nimmt Training bei Dynamo auf

Dynamos Neuzugang Mohamed Amine Aoudia (li.) kam am Montag mit Idir Ouali zu seinem ersten Dynamo-Training in den Großen Garten.
Dynamos Neuzugang Mohamed Amine Aoudia (li.) kam am Montag mit Idir Ouali zu seinem ersten Dynamo-Training in den Großen Garten.
Dort absolvierte er eine individuelle Einheit mit Fitnesscoach Christian Canestrini.
Dort absolvierte er eine individuelle Einheit mit Fitnesscoach Christian Canestrini.
Insgesamt nahm der Österreicher den 26-Jährigen ...
Insgesamt nahm der Österreicher den 26-Jährigen ...
... gut 50 Minuten in die Mangel.
... gut 50 Minuten in die Mangel.
Am Ende war Aoudia mit seinen Kräfeten am Ende und Canestrini zufrieden.
Am Ende war Aoudia mit seinen Kräfeten am Ende und Canestrini zufrieden.
Wann der Algerier komplett ins Mannschaftstraining einsteigt ist noch offen.
Wann der Algerier komplett ins Mannschaftstraining einsteigt ist noch offen.
Im Anschluss an das Training ...
Im Anschluss an das Training ...
... wurde Aoudia erstmals im Schwarz-Gelben Trikot präsenmtiert.
... wurde Aoudia erstmals im Schwarz-Gelben Trikot präsenmtiert.

Am Sonntag ist Aoudia auf dem Flughafen Dresden-Klotzsche gelandet, gestern hat er seine neuen Mitspieler kennengelernt. Trainieren aber darf der 26-Jährige noch nicht mit ihnen. Zwar hat er sich in den vergangenen knapp zwei Monaten nach dem Saisonende in Algerien, wo er mit dem ES Setif erneut Meister geworden ist, im Alleingang in Form gehalten. Aber fit sein ist ein dehnbarer Begriff. Und darüber, ob einer wirklich bereit ist für das Mannschaftstraining unter Chefcoach Peter Pacult, entscheidet bei Dynamo immer noch allein das Spezialprogramm von Christian Canestrini.

Also hat ihn der Fitnesstrainer abseits von den ebenfalls läuferisch aktiven Kollegen individuell durchgecheckt. Rundenrennen, Medizinballschocken, Rumpfbeuge mit anschließendem Kopfball – die ganze Palette an kleinen und großen Übungen, die auch dort für Muskelkater sorgen, wo mancher Fußballer gar keine Muskeln vermutet. Nach 50 Minuten sind beide am Ende: Canestrinis Programm sowie Aoudias Kräfte. Doch Pacults Assistent nickt zufrieden. „Ein guter Mann“, sagt der Österreicher, signalisiert aber auch, dass der Neue noch Zeit braucht. Denn es ist ja nicht nur die klimatische Anpassung, die klappen muss. Auch fußballerisch und kulturell betritt der Moslem neues Land.

Dynamo ist seine erste Station außerhalb Afrikas und für ihn der nächste, der überfällige Schritt in der Karriereplanung. „Ich habe das Gefühl, das wird ein gutes Abenteuer“, sagt Aoudia und lächelt entspannt. Überhaupt wirkt er sehr kommunikativ und aufgeschlossen. Oder einfach nur professionell. Lässig mit den Daumen in der Hosentasche posiert er für die Fotografen, dreht sich nach links und rechts. Sagt, dass er Amine gerufen werden will – so wie Eltern und Freunde das tun. Und er verrät, dass er als Single nach Dresden kommt und ausschließlich wegen Dynamo. „Ich werde viel arbeiten. Denn ich bin hier, um Tore zu erzielen und eine gute Leistung zu bringen“, betont Aoudia.

Beruhigende Aussagen sind das vor allem für Dynamos Verantwortliche, nachdem zuletzt sogar gezweifelt werden musste, ob der verspätete Neuzugang überhaupt noch kommt. Verpflichtet bis 2015 haben sie ihn ja bereits Anfang Juli. Weil aber sein Vertrag in Setif erst am vergangenen Sonnabend ausgelaufen ist, das Schlichtungsverfahren des algerischen Verbandes über eine vorzeitige Freigabe scheiterte und Dynamo nicht bereit war, auch nur einen Cent Ablöse zu zahlen, entwickelte sich der Fall Aoudia zur Hängepartie – mit einigen Halb- und Unwahrheiten.

Zum Beispiel heißt es, dass ihm inzwischen die Lust auf Dresden vergangen sei und er lieber zu Esperance Tunis wechseln wolle. Den Kontakt zum tunesischen Spitzenklub, erklärt der umworbene Stürmer gestern, gibt es tatsächlich, die konkrete Anfrage liegt aber bereits ein Jahr zurück. „Jetzt habe ich mich für Dresden entschieden. Sollte es Interesse von anderen Vereinen geben, müssen sie bei meinem Berater und Dynamo nachfragen“, stellt Aoudia klar. Nach wie vor sei er von seinem Wechsel nach Deutschland überzeugt. Im Internet habe er sich informiert, deshalb eine Ahnung von der Bedeutung des Klubs und der Begeisterungsfähigkeit seiner Fans. Zugeraten hat ihm auch Algeriens Nationaltrainer Vahid Halilhodzic. „Dresden sei eine gute Idee, hat er gesagt. Hier kann ich viel lernen und Erfahrungen sammeln“, meint der siebenfache Auswahlspieler.

Beim Stichwort Facebook muss er schließlich herzlich lachen, noch ehe Bregerie die Frage übersetzt hat nach dem umstrittenen Foto von ihm mit der Pistole in der Hand und dem Finger am Abzug. Eine Fälschung, sagt Aoudia gestikulierend, ist das nicht, vielmehr ein Gefallen für Journalisten. Vor drei, vier Jahren habe er für einen ägyptischen Verein viele Tore geschossen. Shooter, auf gut Deutsch der Knipser, sei daraufhin sein Spitzname gewesen und deshalb das Bild entstanden. „Es war ein Spaß“, betont Aoudia.

Sehr ernst meint er es jedoch, wenn er auf die riesigen Erwartungen angesprochen wird. Mit der Empfehlung von 28 Toren und 15 Vorlagen in 47 Meisterschaftsspielen ist lange keiner mehr nach Dresden gewechselt. „Ich habe eine große Stärke“, entgegnet er ungerührt: „Das ist Toreschießen.“ Offen ist nun nur noch, wann er das zum ersten Mal tun darf.