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Die Neugier zieht in die Tiefgarage

Tag der offenenSanierungstür. VieleGörlitzer, aber auch Gäste der Stadt waren Sonntag unterwegs , um in sonst Verschlossenes zu sehen.

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Von Ines Eifler

Anders als für Görlitz mit seiner beliebten Altstadt üblich, war es in diesem Jahr besonders die gründerzeitliche Innenstadt, die sich den Besuchern zum Tag der offenen Sanierungstür öffnete. Als wenig lebens- und bewohnenswert gelten vielen Görlitzern die Straßenzüge etwa zwischen Sattig- und Gartenstraße, zwischen Kahlbaumallee und Wilhelmsplatz. Und die sind nur ein Beispiel für: zu wenig Grün, nichts für Familien, ungenügend Spaß am Leben.

Zentrum für Kinder

Genau in der Mitte dieses Gebietes liegt das Molkerei-Quartier, gerahmt von Konsul-, Emmerich-, Moltke- und Blumenstraße. Dass hier ein lebendiges Kinder- und jugendfreundliches Zentrum entstehen könnte, wurde jedem klar, der am Sonntagmittag im Hof der Konsulstraße 18/19 von Stadtplaner Friedemann Dreßler erfuhr, was an diesem Ort einst war und wie man ihn heute gestalten könnte. 1926 baute hier der Görlitzer Unternehmer Curt Lustig einen Autohandel auf mit einer Tiefgarage, die heute die wohl älteste ganz Deutschlands ist. „Langsam fahren“, „Signal geben“, „Rechts fahren“ steht noch an den Wänden.

Alte Karossen geparkt

Für Sonntag hatte Dreßler deshalb Besitzer und Fahrer alter Karossen eingeladen, die ihre Liebhaberstücke in eine der 20 Nischen des Autokellers stellten. „Das wäre natürlich die schönste Verwendung für den Ort. Aber brauchte man damals schon nicht so dringend Tiefgaragen, so leisten sich heute einfach nur wenige einen Stellplatz.“ Die Stadt hat etwas anderes mit dem Komplex vor.

In der hohen, weite Halle, in die helles Licht durch riesige Fabrikhallenfenster und ein spitzes Glasdach flutet, handelte Curt Lustig einst mit großen Buicks, spätestens ab den 60-ern war sie Skoda-Autohaus. Heute könnte hier ohne viel Sanierungsaufwand bald eine Skaterhalle entstehen.

Der gesamte Hof des Molkerei-Quartiers soll mindestens 15 Jahre lang öffentlich genutzt werden. Zugänglich durch Wege von drei Seiten, könnten hier Kinder spielen und auf Stufen sitzen, es würde einen Ballspielplatz mit Kunststoffbelag im Freien geben.

Ideen bleiben nicht Illusionen

Zwischen Skaterhalle und Rückseite der Konsulstraße könnten kleine Anwohnergärten Ferienstimmung verheißen. Die Stadt hat das Gebiet zwar noch nicht erworben oder gemietet. Doch das ist auf dem Weg, und die Ideen bleiben nicht Illusion.

Im gleichen Quartier, in der früheren Schule für Lernbehinderte auf der Konsulstraße, entsteht ein Internat für die Schüler des Berufsschulzentrums, die einziehen werden, sobald ihr jetziges Gebäude im Hainwald schließt. Über 50 Meter lang ragt der Querflügel der alten Schule in den Hof. Doch nicht nur dort werden sich Kinder und Jugendliche nahe sein, denn auf der anderen Straßenseite ist vor kurzem die deutsch-polnische Kita eingeweiht worden, und auch das von Jugendlichen sanierte Jugendfreizeithaus liegt dem Internat fast gegenüber.

Mehr Ansehen für Gründerzeit

Es ist ein schönes Ziel, der Gründerzeit zu größerem Ansehen zu verhelfen und Anreize für Familien und junge Menschen zu schaffen. Die Tiefgarage zog bis zum Schluss Neugierige an. Aber auch in der Altstadt beziehungsweise in der Nikolaivorstadt war zeitweise ein Kommen und Gehen.

Im Handwerk und auf der Bäckerstraße schauten sie sich um. Die Altstadthäuser in ihren verschiedenen Restaurierungsstadien fanden ebenfalls Zuspruch, auch wenn manchen Görlitzern anzusehen war, dass sie in ihrem Leben schon viele dicke Mauern, schmale Treppen und kleine Zimmer gesehen hatten.