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Dresdens bekanntestes Start-up wird erwachsen

Novaled wächst und hat Millionen in den Dresdner Standort investiert. Von dort kommt Technik, die nicht nur das Samsung-Handy verbessert.

Von Georg Moeritz
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Blick auf den neuen Novaled Firmensitz im Dresdner Norden.
Blick auf den neuen Novaled Firmensitz im Dresdner Norden. © Foto: Robert Michael/dpa

Ein Neubau auf einer Wiese wäre billiger gewesen. Doch Dresdens jüngste Firmenzentrale steckt nun in einer ehemaligen Dampfmühle für Getreide, die 1903 für die Heeresbäckerei gebaut wurde. Eiserne Stützenreihen und eine Förderschnecke, dazu flache quadratische Leuchten – so präsentiert sich die Novaled GmbH.

Bei der Einweihung am Mittwoch sagte Geschäftsführer Gerd Günther, der denkmalgerechte Ausbau habe „ein Schweinegeld“ gekostet. 20 bis 25 Millionen Euro für den Altbau und das angebaute Technikum waren angekündigt, 30 Millionen standen schließlich auf der Rechnung. Allerdings wurden auch zusätzliche Laborgeräte bestellt. Der koreanische Samsung-Konzern hat seiner Dresdner Tochterfirma laut Günther ein „langfristiges wirtschaftliches Engagement“ versprochen. Schließlich nutzt Samsung die Dresdner Erfindungen für seine Smartphones. Fördergeld vom Staat für den Neubau habe es nicht gegeben, aber großes Engagement der Behörden.

„So geht erfolgreiches Ansiedeln und Halten von Wirtschaftsunternehmen“, lobte der Firmenchef. Da freuten sich Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) und Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP), die vor dem Bau eine Birke pflanzten.

140 Menschen arbeiten bei Novaled, der Großteil im neuen Technikum. Das sind kaum mehr als am alten Standort im Bioinnovationszentrum, das nun seine Labors wieder an junge Forschungsfirmen vergeben kann. Für 20 Mitarbeiter mehr wäre laut Günther noch Platz. Doch ob er sie einstelle, hänge vom technischen Fortschritt ab. In den Novaled-Labors wird an Chemikalien für Oleds geforscht, also zur Verbesserung von flachen Leuchtkörpern aus organischem Material, auf Kohlenstoffbasis statt mit Silizium. Die Dresdner Chemikalien stecken laut Novaled in den meisten Smartphones und Fernsehern mit Oled-Displays. Außer dem Mutterkonzern Samsung ist LG ein Großkunde. Auch Fabriken in China bestellen Material und der Dresdner Solarfolienhersteller Heliatek.

Kretschmer nannte Novaled einen „Weltmarktführer“. Tatsächlich ist die Firma nach eigenen Angaben der einzige Lieferant für bestimmte Dotiermaterialien, die in der Massenproduktion die Elektronik verbessern. Oleds gelten als blendfrei, farblich brillant und energie-effizient. Die Zahlen im Geschäftsbericht für 2017 bestätigen den Erfolg: Der Umsatz stieg zum Vorjahr um 27 Prozent auf 84 Millionen Euro – und davon blieb fast die Hälfte als Gewinn. Die Chemiefirma stellt Oleds selbst nur in kleinen Mengen zum Testen her und lädt Kunden in die Labors. Dort finden die Forscher pro Woche rund 30 neue Materialien. Ein Teil der Chemiker hat die Aufgabe, die Synthese ständig zu verbessern, zum Beispiel in Richtung höhere Effizienz oder mehr Reinheit. Weiße Farbe auf dem Bildschirm als Mischung der drei Grundfarben ist besonders schwer zu erzielen.

Nicht gelungen ist Novaled allerdings der Einstieg in den Markt für Leuchten, trotz Designstudien. Dort hat sich LED gegen Oled durchgesetzt. Selbst die Leuchten im Novaled-Flur enthalten LED, die billiger und leichter anzuschließen sind.

Was bisher geschah:

2001: Gründung durch Wissenschaftler der Technischen Universität Dresden um Professor Karl Leo

2003: Die Fraunhofer-Gesellschaft beteiligt sich am Unternehmen

2011: Die Dresdner Forscher erhalten den Deutschen Zukunftspreis

2012: Novaled plant den Börsengang

2013: Der Samsung-Konzern kauft Novaled für 260 Millionen Euro

2017: Grundsteinlegung für den neuen Firmensitz mit Technikum

2019: Auszug aus dem Bioinnovationszentrum in der Johannstadt (SZ/mz)