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Großenhain

„Die Ökumene ist hierzulande sehr lebendig“

Bischof Heinrich Timmerevers war in Großenhain für Firmung. Ein besonderer Moment für 19 Jugendliche und die neue Riesaer Pfarrei St. Barbara. Die SZ traf ihn vorher.

Der katholische Bischof Heinrich Timmerevers ist am Sonnabend in der Großenhainer Marienkirche gewesen, um Firmungsgottesdienst zu feiern.
Der katholische Bischof Heinrich Timmerevers ist am Sonnabend in der Großenhainer Marienkirche gewesen, um Firmungsgottesdienst zu feiern. © Jörg Richter

Herr Bischof, wieso findet die erste gemeinsame Firmung der neuen katholischen Pfarrei St. Barbara in Großenhain statt? Gibt es in Riesa keine Kirchen?

In die evangelischen Kirchen in Riesa konnten wir nicht rein. Dort wird schon alles vorbereitet für den Tag der Sachsen am nächsten Wochenende. Und unsere katholische Kirche ist einfach zu klein. Wir hatten auch Wermsdorf und Oschatz, die jetzt auch zu St. Barbara gehören, zur Auswahl. Und die Großenhainer waren nicht böse, als wir bei ihnen angefragt hatten.

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Vor drei Jahren waren Sie zu ihrer ersten Amtshandlung als neuer Bischof des Bistums Dresden-Meißen schon einmal in Großenhain. Damals war es eine Glockenweihe. Diesmal ist es die Firmung von jungen Katholiken in der evangelischen Marienkirche. Kannten Sie diese Kirche schon vorher?

Nein. Nach meinem ersten Eindruck kann ich aber sagen, dass es eine schöne, große Kirche ist.

Es werden 19 Firmanden sein. Das klingt verhältnismäßig nicht sehr viel.

Die Tendenz ist schon fallend. Aber die jungen Leute wollen etwas bewegen, wollen in der Kirche arbeiten. Ich bin zuversichtlich, dass sie sich mit neuen Ideen in die Gemeinden einbringen.

Wo kommen die Jugendlichen überall her?

Aus den verschiedenen katholischen Gemeinden aus Wermsdorf, Gröditz, Großenhain, Riesa und Oschatz. Meine Erfahrung ist, dass sich Jugendliche auch über große Entfernungen begegnen, kennenlernen und unter ihnen auch Freundschaften entstehen. Da wachsen Beziehungen. 

Und ich nehme wahr, dass das auch von den Jugendlichen selbst als positiv bewertet wird. Apropos Freundschaft und Beziehung. Ist es nicht ein schönes Signal an die Ökumene, dass die hiesigen Katholiken in einer evangelischen Kirche feiern?

Ich habe in den vergangenen Jahren in verschiedenen evangelischen Kirchen Gottesdienste gefeiert. Das ist auf der einen Seite ein rein praktischer Umstand, dass die evangelischen Kirchen in Sachsen meistens größer sind als unsere. Auf der anderen Seite erlebe ich hier in Sachsen eine große Gastfreundschaft unserer evangelischen Glaubensbrüder. Das freut uns sehr.

Müsste es noch mehr Kontakte zwischen evangelischen und katholischen Christen geben?

Die Ökumene ist hierzulande sehr lebendig. Es gibt im Laufe des Kirchenjahres schon viele ökumenische Gottesdienste, zum Beispiel am Pfingstmontag, am Buß- und Bettag sowie zum Erntedankfest. Und auch die ursprünglich katholische Sternsingeraktion wird von vielen evangelischen Gemeinden in Sachsen mitgetragen. Ich glaube, es ist wahrnehmbar, dass die evangelischen und die katholischen Christen mehr zusammenrücken.

Viele Katholiken fragen sich, ob die Pfarrgemeinden noch größer werden. Und ist mit der jetzigen Gebietsreform das Ende der Fahnenstange erreicht?

Ich glaube, die jetzigen Pfarrgemeindegebiete sind groß genug. Mehr geht nicht. Da muss man andere Wege finden, wie Gemeinden lebendig bleiben. Eine größere Struktur ist momentan nicht sinnvoll.

Gespräch: Jörg Richter.

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