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Die Ohorner Niedermühle zieht um

Ohorn. In den kommenden Wochen zieht Mühlen- Technik nach Radeberg. Dort soll ein Museum entstehen.

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Von Reiner Hanke und Jens Fritsche

Die Mühlsteine in der Ohorner Niedermühle drehen sich seit rund 30Jahren nicht mehr. Schon zu DDR-Zeiten wurde der Betrieb eingestellt. Damals konzentrierten sich die Besitzer auf das Sägewerk. Es läuft noch heute zuverlässig.

Jetzt soll auch der alten Mühle wieder Leben eingehaucht werden. Und das gleich an zwei verschiedenen Orten: Der Pulsnitzer Bäckermeister Karsten Mildner will einerseits das Gebäude sanieren. Die Mühlsteine sollen sich aber künftig in einem Mühlenmuseum im Radeberger Hüttertal drehen.

Eine knifflige Aufgabe

Das ist eine verwickelte Geschichte. Karsten Mildner erzählt: „Die Mühle und gehörte einer Erbengemeinschaft, unter anderem meiner Frau.“ Die Gemeinschaft habe aber wenig Interesse an der aus dem Jahr 1855 stammenden Mühle gehabt: „Sie ist sehr sanierungsbedürftig“, so Mildner. Jetzt wollen Karsten Mildner und seine Frau Kathrin die Sache in die Hand nehmen und das Gebäude sanieren. Allerdings nicht zur Schaumühle oder als Mühlenmuseum. Dafür sehe er kaum eine Chance, angesichts der Konkurrenz von Schauanlagen, so Mildner. Die Mühle sei außerdem relativ klein und leider nicht mehr komplett. 1980 Jahren sei mit der Siebmaschine ein wichtiges Teil abmontiert worden. Ohnehin stehen Mildners vor einer kniffligen Aufgabe: „Die Mühle wurde in ein Wohngebäude integriert. Der Schwiegervater lebt dort seit der Kindheit.“ Bei einer Rundumsanierung des Komplexes seien die beiden Mahlstühle ziemlich hinderlich. Die einfachste Variante wäre natürlich, die Technik als Feuerholz durch die Esse zu jagen. Aber es wäre die schlechteste, ein Verlust, ist sich Mildner sicher. Doch, wohin mit den Mahlwerken? Andere Mühlen könnten ja Ersatzteile brauchen“, sagte sich der Bäcker. Oder das Innenleben gleich komplett übernehmen. Irgendwie muss es sich herumgesprochen haben, dass hier historische Technik zu holen ist. Denn eines Tages klopfte der Hütter-Verein an die Tür, mit einem Angebot: Im leer stehenden Seitengebäude der Radeberger Hüttermühle könnte mit der Ohorner Anlage ein Mühlenmuseum entstehen. „Da habe ich okay gesagt“, so Mildner. In diesem und im kommenden Monat sollen die Mahlstühle zerlegt und nach Radeberg transportiert werden. Alfons Saupe, Chef des Hüttertalvereines, freut sich schon darauf. Spätestens 2009 soll das Museum eröffnen: „Ein Museum, in dem Kinder den Weg vom Korn zum Mehl verfolgen können“, beschreibt Saupe. Woher sollen es die Kinder sonst erfahren? Eine Frage, die sich Alfons Saupe mit Blick auf die Mädchen und Jungen von heute regelmäßig stellt, wie er sagt. Der Chef des Radeberger Hüttertal-Vereins weiß zum Beispiel, „dass viele Kinder nicht wissen, wie ein Brot entsteht.“ Das, so frotzelt er, wachse nämlich nicht einfach so im Supermarkt-Regal.

Funktion der Mühle zeigen

Aber der Weg bis zum Mühlen-Museum ist für den Verein noch ein gutes Stück lang. In Radeberg werden die Teile vorerst zwischengelagert. Dann müssen die Vereins-Mitstreiter überlegen, wie Teile der Anlage später im Mühlen-Museum am Hütterteich präsentiert werden sollen. Die ersten Bauplanungen hat Alfons Saupe dabei schon in seiner Schublade liegen, das Radeberger Planungsbüro Schubert hat eine erste Konzeption dazu entwickelt. Keine komplette Mühle soll es werden, so viel steht schon mal fest, sondern nur Teile der Ohorner Mühle werden hier zu sehen sein. „Die Maschine wäre viel zu groß, die Funktion einer Mühle muss rüberkommen, das ist das Wichtigste“, findet Alfons Saupe. Vereinskollege Herbert Müller: „Wir werden natürlich auch etwas zur Geschichte der Ohorner Niedermühle schreiben.“