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„Die Ortsteile müssen zusammenwachsen“

Angela Dammert kandidiert als Bürgermeisterin in Neusalza-Spremberg. Dabei lebt sie selbst in Oppach. In Neusalz ist sie aber keine Unbekannte.

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Von Romy Kühr

Kindereinrichtungen, Schutz vor Überschwemmungen, Wohnungsbau – Angela Dammert sieht noch viele Baustellen in Neusalza-Spremberg. Sie muss es wissen, denn sie hat ein Jahr lang als Bauamtsleiterin in der Stadtverwaltung der Spreestadt gearbeitet. Vor Kurzem schied sie auf eigene Initiative aus dem Amt aus, wegen unterschiedlicher Sichtweisen zwischen ihr und ihrem Arbeitgeber. Jetzt will sie wieder ins Rathaus – als Bürgermeisterin.

Frau Dammert, Sie leben in Oppach und sind CDU-Mitglied. Warum kandidieren Sie im Nachbarort Neusalza-Spremberg für die Freien Wähler?

Man kennt mich im Ort, denn ich war ja bis vor Kurzem als Bauamtsleiterin in Neusalza-Spremberg tätig. Dort habe ich natürlich auch eng mit den Stadträten zusammengearbeitet. Von den Räten, die das Mandat der Freien Wählergemeinschaft haben, wurde ich gefragt, ob ich bereit wäre, zur Bürgermeisterwahl am 7. Juni zu kandidieren. Sie sagten mir, sie hätten meine Arbeit und mich als Person schätzen gelernt und wollen, dass ich mich weiter für Neusalza-Spremberg einsetze. Ich muss zugeben, ich habe ein paar Tage über das Angebot nachgedacht. Aber ich habe mich nie vor einer Aufgabe gescheut. Wenn ich gebraucht werde für eine gute Sache, dann stelle ich mich der Aufgabe.

Warum fühlen Sie sich berufen,die Stadt als Bürgermeisterin zu führen?

Ich habe viele Jahre im Baugewerbe gearbeitet. Bau, Planung, Kalkulation und die Zusammenarbeit mit anderen – das alles ist bei mir quasi in einer Person gebündelt. Diese Erfahrung kann mir helfen , eine Verwaltung zu leiten. Bau und Infrastruktur nehmen einen großen Teil der Verwaltungsarbeit ein. Außerdem habe ich während meiner Tätigkeit im Rathaus die Wertschätzung von den Mitarbeitern erhalten, ich sehe großes Potenzial in der Verwaltung. Vor allem, wenn man bedenkt, dass die Stadtverwaltung personell viel dünner besetzt ist, als anderswo. Ich möchte sehr gern weiter mit den Kollegen zusammenarbeiten. Ich habe gemerkt, dass die Menschen mitziehen, wenn man sie richtig motiviert. Im Bauamt habe ich viele Vorhaben mit auf den Weg gebracht, die ich gern zu Ende führen möchte. Zum Beispiel den Kita-Neubau in Neusalza-Spremberg.

Können Sie sich als Ortsfremde denn

in das Einfühlen, was die Menschen hier bewegt?

Ich kenne die Gegend gut, auch wenn ich nicht von hier stamme, sondern ursprünglich aus der Nähe von Bad Liebenwerda. Immerhin war ich im Bauamt tätig und kenne mich daher vor Ort gut aus. Seit acht Jahren wohne ich in der Oberlausitz. Allerdings war ich früher schon oft hier, die Region, vor allem Neusalza-Spremberg ist mir vertraut. Nach meinem Studium für Meliorationswesen habe ich in einem Büro in Bautzen gearbeitet. Ich habe Planungen übernommen für alles, was mit Entwässerung, Rohrleitungen, Kanälen zu tun hat. Ich war für den Bereich Löbau-Zittau zuständig und auch viel in Neusalza-Spremberg und Friedersdorf unterwegs. Die Leitungen, die wir damals geplant und verlegt haben, wurden seitdem nicht mehr angefasst. Das ist ein großes Problem. Während meiner Arbeit im Bauamt bin ich da schon viel mit den ortsansässigen Landwirten im Gespräch gewesen, wir haben nach Lösungen gesucht. Es kann nicht sein, dass den Anwohnern ständig die Häuser mit Wasser volllaufen. Es wurden auch schon Gräben instand gesetzt. Da müssen wir jetzt dranbleiben.

Welche drängenden Themen sehen Sie noch? Was muss sich unbedingt ändern?

Bautechnisch ist an vielen Gebäuden noch einiges zu tun. Beispiele sind die Turnhallen in Friedersdorf und Neusalza-Spremberg. Letztere ist zwar schon saniert worden. Es sind aber auch Baumängel passiert. Das soll kein Vorwurf sein, vieles hat sich zusätzlich in den letzten Jahren geändert. Auch, was den städtischen Wohnraum betrifft, sehe ich in Neusalza-Spremberg Nachholbedarf. Die kommunalen Wohnungen müssen attraktiver werden. Dazu müsste zuerst einmal eine Bestandsaufnahme gemacht werden. Ich halte es auch für dringend notwendig, dass man zum Beispiel nach großen Baumaßnahmen das jeweilige Objekt noch einmal gründlich überprüft, bevor die Gewährleistungsfristen ablaufen und die Baufirmen, wenn nötig, nachbessern lässt. Das ist oft versäumt worden. Gibt es dann später Mängel, bleibt die Stadt oft auf den Kosten sitzen. So etwas lässt sich vermeiden.

Und was gefällt Ihnen an Neusalza-Spremberg?

Neusalza-Spremberg ist eine tolle Kleinstadt. Besonders die fleißigen Menschen gefallen mir. Ich habe gestaunt, wie viele kleine Handwerksbetriebe es gibt – auch mit jungen Firmenchefs. Die Arbeit der Vereine und die Mitarbeit der Einwohner in diesen prägen wesentlich die Stimmung in einer Kommune. Dies zu unterstützen und zu fördern, sehe ich als eine wichtige Aufgabe. Denn hierdurch werden unsere Kinder und Jugendlichen wirksam in das Gemeindeleben einbezogen.

Wie sehen Sie die Zusammenarbeit

mit Friedersdorf?

Die dörfliche Kultur und der Zusammenhalt in Friedersdorf sind toll. Das müssen sich aber beide Ortsteile annehmen und zusammenwachsen. Ich würde mir wünschen, dass die gegenseitige Hilfe und Unterstützung wieder stärker wird. Ich höre mir gerne auch Probleme an, aber ich halte nichts davon, sich gegenseitig Vorwürfe zu machen. Es funktioniert nur miteinander. Ich denke, dazu kann ich viel beitragen, weil ich als Außenstehende unvoreingenommen bin und alle Einwohner gleich behandle. Ich bin ja weder Friedersdorfer noch Neusalza-Spremberger. Das kann auch ein Vorteil sein.

Halten Sie weitere Gemeindezusammenschlüsse für sinnvoll?

Auch das muss wachsen. Sicher mag das aus ökonomischer Sicht sinnvoll sein, weil man Geld spart. Aber die Menschen müssen mitziehen. Man kann ihnen nichts überstülpen. Das ist überhaupt mein Credo: Man muss bei allem die Menschen mitnehmen.