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„Die Patienten sind noch verunsichert“

Das sagt der Verwaltungsleiter am Klinikum Döbeln. Dort herrscht nach wie vor ein Besuchsverbot. Eine Einschätzung.

Die farblichen Markierungen gehören zum neuen Farbkonzept der Helios-Klinik in Leisnig. Das soll sowohl den Patienten als auch den Klinikmitarbeitern zu einer besseren Orientierung verhelfen.
Die farblichen Markierungen gehören zum neuen Farbkonzept der Helios-Klinik in Leisnig. Das soll sowohl den Patienten als auch den Klinikmitarbeitern zu einer besseren Orientierung verhelfen. © Lars Halbauer

Döbeln. Anfang der Woche waren die Kliniken in der Region Döbeln frei von Corona-Patienten. Auch Verdachtsfälle werden kaum noch in den Einrichtungen behandelt. Auf Patienten mit Covid-19 bleiben die Kliniken in Döbeln, Leisnig und Mittweida aber weiter vorbereitet.

Nach wie vor könne das Klinikum Döbeln für Betroffene einen kompletten Gebäudeteil isolieren, bestätigt Verwaltungsleiter Martin Preißer. Am Krankenhaus in Mittweida werden auch weiterhin 16 Betten auf einer Isolierstation für Covid-19-Patienten vorgehalten, informiert Ines Schreiber, Sprecherin der Landkreis Mittweida Krankenhaus gGmbH. Dort würden bei Bedarf auch Verdachtsfälle betreut.

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An der Helios-Klinik in Leisnig ist in den vergangenen Wochen ein Farbcode-System umgesetzt worden, das sowohl den Patienten als auch dem Personal eine bessere Orientierung in dem Haus erlauben soll. So befinden sich auf dem Boden jetzt grüne Aufkleber, die auf den Mund-Nasen-Schutz hinweisen. 

Vor allem für Klinikpersonal sind rote und gelbe Markierungen angebracht worden, die Bereiche kennzeichnen, in denen Corona-Verdachtsfälle sowie -Patienten behandelt werden können beziehungsweise, in denen andere Patienten nicht gefährdet werden.

Keine Besuche in zwei Kliniken

Seit dem 6. Juni sind in Krankenhäusern in Sachsen auch wieder Besuche erlaubt. Doch nicht jedes Haus in der Region nimmt diese Möglichkeit auch in Anspruch. Während die Helios-Klinik sowie das Fachkrankenhaus Bethanien in Hochweitzschen Besuchszeiten festgelegt haben, gilt für die Kliniken in Döbeln sowie Mittweida weiterhin der Besucherstopp. „Im Rahmen unserer Risikoabschätzung halten wir an dem bisherigen Vorgehen fest“, erklärt Martin Preißer. Wann mit einer Lockerung in Döbeln zu rechnen sei, könne derzeit noch nicht gesagt werden. 

„Wir bewerten die Situation jeden Tag neu“, meint der Verwaltungsleiter. „Das geltende Besuchsverbot erhalten wir bis auf Weiteres aufrecht, um unsere Patienten und Mitarbeiter bestmöglich zu schützen“, sagt Ines Schreiber aus Mittweida. In begründeten Ausnahmefällen, wie zum Beispiel bei Neugeborenen, Kindern sowie Palliativpatienten, seien Besuche allerdings nach vorheriger Absprache möglich.

© SZ Grafik

Darüber hinaus werden in den Kliniken Operationen und Behandlungen wieder normal durchgeführt. „Wir sind unter Wahrung aller Auflagen sukzessive zur Wiederaufnahme selektiver Eingriffe zurückgekehrt“, sagt Dr. René Schwarz, Ärztlicher Direktor an der Helios-Klinik in Leisnig. Wichtig sei, dass sich die Patienten in der Klinik sicher fühlen dürfen und sich bei Beschwerden beruhigt zur Behandlung in die Klinik begeben.

Doch wie Martin Preißer deutlich macht, ist die Verunsicherung unter den Patienten nach wie vor zu spüren. „Es wird sicher noch Zeit vergehen, bis die Gesellschaft wieder Vertrauen aufgebaut hat“, sagt Preißer. 

Obwohl es keine Einschränkungen im Klinikbetrieb in Döbeln gab, waren bis Mitte April zum Beispiel fast 50 Prozent weniger Herzinfarkte mittels Katheter-Technik behandelt worden, informierte zum damaligen Zeitpunkt der Geschäftsführende Gesellschafter und Ärztliche Direktor Dr. Ralf Lange. Ein Zustand, der sich nach den Aussagen von Martin Preißer zu urteilen, noch nicht wieder normalisiert hat.

Noch kein Babyschwimmen

Verzichten müssen die Kliniken derzeit noch auf zahlreiche zusätzliche Angebote, wie zum Beispiel in Döbeln auf das Baby- oder Schwangerenschwimmen, das im integrierten Becken der Physiotherapie durchgeführt wird. „Hier prüfen wir noch die Möglichkeiten und arbeiten an der Erstellung eines Hygienekonzeptes“, erklärt Preißer. Am Klinikum in Mittweida bleiben bis voraussichtlich Ende August öffentliche Veranstaltungen wie Patientenforen und die Info-Abend der Geburtshilfe aus. 

Für Letzteres hat die Helios-Klinik in Leisnig eine digitale Alternative gefunden. Statt der Informationsveranstaltung für werdende Eltern mit Kreißsaalführung gibt es zweimal im Monat einen Chat im sozialen Netzwerk Facebook mit dem Team der Geburtshilfe. „Wir werden auch zukünftig an persönlichen Angeboten wie Patientenvorlesungen oder Elterncafé festhalten, prüfen derzeit jedoch auch, was wir sinnvoll mit digitalen Angeboten ergänzen können“, erklärt Sprecherin Juliane Dylus.

Die meisten Patienten sind weiblich

Bislang haben sich nach Angaben des Robert-Koch-Institutes (RKI) in Mittelsachsen 261 Menschen mit dem Coronavirus infiziert. Laut dem Landratsamt sind es 260 Fälle. Der typische Patient war dabei zwischen 35 und 59 Jahre alt und weiblich. 79 Frauen dieser Altersgruppe im Kreis haben sich bisher mit dem Virus infiziert. Die Zahl der betroffenen Männer zwischen 35 und 59 Jahren liegt dem gegenüber bei nur 47.

Diese Tendenz gibt es in fast jeder Altersgruppe, wenn auch mit geringeren Abweichungen zwischen den Geschlechtern. Lediglich bei den Null bis 14-Jährigen sowie den über 80-Jährigen ist die Differenz gar nicht oder kaum vorhanden. Insgesamt ist das Coronavirus bei 154 Frauen nachgewiesen worden. Die Zahl der positiv getesteten Männer hingegen liegt bei 107.

>>>Zum Thema Coronavirus in der Region Döbeln berichten wir laufend aktuell in unserem Newsblog.<<<

Die nach den Kategorien des RKI am stärksten von dem Virus betroffene Altersgruppe sind die 35- bis 59-Jährigen. An zweiter Stelle folgen bei den Männern die 60- bis 79-Jährigen mit 31 Nachweisen, bei den Frauen die 15- bis 34-Jährigen mit 34 positiven Testergebnissen. Mittelsachsen im Alter von 80 Jahren und mehr haben sich bisher in 25 Fällen mit dem Virus infiziert. 

Getroffen hat es hier 14 Frauen und elf Männer. Aber auch Kinder waren unter den Patienten. So ist das Virus bei vier Mittelsachsen im Alter zwischen null und vier Jahren nachgewiesen worden. Das waren jeweils zwei Mädchen und zwei Jungen. Unter den Schulkindern hat es bisher zwei Fünf- bis 14-Jährige erwischt sowie einen Jungen dieser Altersklasse.

Am 13. März sind die ersten Fälle in Mittelsachsen bekannt geworden. Etwa einen Monat lang stiegen die Fallzahlen beinahe täglich. Seit dem 20. April, dem Tag, an dem in Sachsen erste Lockerungen wie die Öffnung des Einzelhandels beschlossen worden sind, stagnieren die Zahlen fast.

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