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Die Friedensgöttin ist reif für Berlin

Der Großenhainer Steinbildhauer Dennis Klingner hat aus Sandstein die Skulptur fürs Stadtschloss geschaffen. Bald geht sie auf die Reise.

Rund siebeneinhalb Monate benötigte Dennis Klingner für die originalgetreue Nachbildung der Pax. Demnächst geht die Friedensgöttin von Großenhain nach Berlin.
Rund siebeneinhalb Monate benötigte Dennis Klingner für die originalgetreue Nachbildung der Pax. Demnächst geht die Friedensgöttin von Großenhain nach Berlin. © Kristin Richter

Sie soll als Teil des Schlüterhofes, eines Innenhofes im Berliner Stadtschloss, wieder an ihren Platz zurückkehren: Pax heißt die Dame, die Dennis Klingner aus der Großenhainer Steinbildhauerwerkstatt Witschel jetzt fertiggestellt hat. 1.270 Stunden, also siebeneinhalb Monate, benötigte der 43-Jährige für die Friedensgöttin. Kratzen, raspeln, schleifen. Von einem rund 13 Tonnen schweren "Klotz" aus Cottaer Sandstein sind letztlich zwei Tonnen geblieben, um die reichlich drei Meter hohe Skulptur "so nahe wie möglich ans Original rankommen zu lassen", sagt Dennis Klinger lächelnd. Das Original wurde im Krieg zerstört. Lediglich ein ziemlich gepixeltes Bild diente als Vorlage für ein Modell, das Klingners Kollege Tilmann Richter vor gut zwei Jahren ebenfalls in Großenhain schuf.

"Die Pax ist die erste Figur für mich in dieser Größenordnung", sagt Dennis Klingner. Die Herausforderung war groß, vor allem, wenn es um die Filigranarbeiten und Details ging.  "Man geht da sukzessive seinen Weg", beschreibt der gelernte Steinmetz die einzelnen Phasen. Allein der Transport des Sandstein-Klotzes zu Klingners Arbeitsplatz war eine Mammutaktion. Weil die Gabelstapler nur maximal vier Tonnen tragen können, musste der "Rest vorher einfach erstmal weg". Gearbeitet wurde bei Wind und Wetter, natürlich mit Schutzmaske, wie das bei derartigen Arbeiten generell vorgeschrieben ist. "Das ist natürlich nicht immer angenehm gewesen", gesteht Dennis Klingner.  "Im Nacken" saß dem Steinmetz und -bildhauer dabei stets eine Expertenkommission, die sich regelmäßig in Großenhain zum Stand der Dinge informierte. Bei ihrem jüngsten Besuch hat sie die Pax nun abgesegnet, so dass einem Transport in die Bundeshauptstadt in ein paar Wochen nichts mehr im Wege steht. Corona-bedingt etwas später als geplant. Aber das ist nebensächlich. Dann wird die Skulptur auf eine Art "Schlitten" verladen und an ihren Bestimmungsort transportiert. Lediglich der Ölzweig, den die Pax in der Hand hält, wird vor Ort noch angebracht. Danach wird die Friedensgöttin auf halber Fassadenhöhe stehen: also etwa in zwölf Metern Höhe. Gemeinsam mit 17 weiteren Figuren, die in anderen Werkstätten Deutschlands wiederentstanden sind.

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"Die Lust habe ich nie verloren", sagt Dennis Klingner und schmunzelt. Seit 27 Jahren arbeitet er in Witschels Werkstatt, ist mit den Aufgaben, insbesondere in der "bewegten Zeit der 1990-er Jahre", gewachsen. Vor etwa sechs Jahren ist er in die Steinbildhauerei eingestiegen. Der technische Anspruch und die kreativen Möglichkeiten dieses Handwerks hatten es ihm angetan.  Ein gewisses Talent müsse man freilich auch haben, glaubt er. 

Mit der Pax fertigt die Großenhainer Werkstatt zum wiederholten Mal eine Arbeit für das Berliner Stadtschloss an. Ein preußischer Adler 2014 und Komposit-Kapitelle für die Säulen am Haupteingang wurden schon 2016 für die Bundeshauptstadt geliefert. Ende dieses Jahres soll nun das Humboldt-Forum im Schlüterhof mit allen Elementen fertiggestellt sein. 

Dann wird an der Pax auch für künftige Generationen sichtbar sein, wer die Friedensgöttin im Jahr 2020 fertiggestellt hat. Denn: "Das Bildhauerkürzel werde ich noch einbringen", sagt Dennis Klingner. 

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