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Die Pferdeflüsterin

Seit Kindesbeinen liebt Christiane Bude Pferde. Jetzt hat sie in Eutrich ihre Bestimmung gefunden.

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© Wolfgang Wittchen

Von Kerstin Fiedler

Nein, mit dem XXL-Ostfriesen, der schon für das Fernsehen Tiere therapiert hat, kann sie nicht mithalten. Doch das, was sie macht, hat nicht nur etwas mit Kraft zu tun. Mit einem Blick sieht Christiane Bude, was mit einem Pferd los ist. Ob es hinkt, lahmt, falsch auftritt, den Kopf schüttelt oder um sich beißt – Christiane Bude bekommt heraus, woran es liegt. Sie ist Physiotherapeutin und Osteopathin für Pferde. Am Sonnabend ist die 30-Jährige zu Gast auf dem Hoffest in Eutrich, wo sie ihre therapeutischen Angebote, aber auch Zirkuslektionen mit Pferden vorstellt.

Ihre Eltern wollten nicht, dass sie eine Ausbildung macht, die mit Pferden zu tun hat. Also ging sie nach der Schule nach Bayern, lernte dort bei einem Discounter und war dort zehn Jahre Filialleiterin. Aber die Tiere fehlten ihr. Bereits mit acht Jahren war sie auf einem Bauernhof im brandenburgischen Biehlen. Dort bekam sie ihr erstes Fohlen geschenkt, auf dem sie auch reiten lernte. An manchen Wochenenden ist sie mit dem Zirkus Maja mitgereist. „Ich wollte herausbekommen, wie es geht, wenn die Pferde sich so verbeugen und verrenken können“, sagt sie. Heute hat Christiane Bude so viel Erfahrung, dass sie selbst solche Zirkuslektionen anbietet. Nachdem sie an ihren Arbeitsstellen immer wieder verprellt wurde, überlegte sie, wie ihr Leben weitergehen sollte. „Ich hatte mir gedacht, wenn ich genug Geld verdient habe, kaufe ich mir ein Grundstück in Bayern und ein Pferd“, sagt Christiane Bude. Nun, ein Grundstück fand sie nicht, aber ein Pferd, in das sie sich sofort verliebt hat. Der Tinker-Friese Parsival ist kein Reitpferd, „aber er sah so schön aus“, schwärmt Christiane Bude noch heute. Mit seinen damals fünf Jahren konnte er gar nichts. „Der hat mich durch seine Kraft am Zügel durch den Dreck geschleift“, erinnert sich die zierliche Blondine. Und so musste sie entscheiden: Verkaufen oder mit ihm arbeiten. „Ich habe einige Kurse besucht, die nicht gerade billig waren“, sagt sie. Und sie hat sich ganz viele Dinge abgeguckt von denen, die mit Pferden arbeiten. Auch ein Zirkuskurs war mit dabei. Und so brachte sie Parsival ganz viel bei – bis er auf einmal auf einer Seite nicht mehr richtig ging. Der Zufall wollte, dass jemand vor Ort war, der ihn therapieren wollte. Kein Tierarzt konnte helfen. Doch Dieter Kemker strich mit der Rute über den Hintern und bei der Reaktion des Pferdes war klar: Der Ischiasnerv war eingeklemmt. Mit einem Ruck am Schweif war alles überstanden. „Das fand ich so faszinierend, dass ich das auch lernen wollte“, sagt Christiane Bude.

Fast zwei Jahre lang begleitete sie Dieter Kemker, wenn er zu den Pferden unterwegs war. Sie absolvierte eine Ausbildung an der Schule für tiernahe Therapie in Haßfurt und wurde Pferdemanualtherapeutin für Physiotherapie - Osteopathie. Seit 2008 arbeitet sie mit Pferden, 2010 kam sie zurück in die Heimat ins brandenburgische Ortrand, wo sie sich selbstständig machte. Von dort aus ist sie deutschlandweit, aber mittlerweile auch in Polen unterwegs. „Ein Pferdecheck ab drei Tiere kostet zunächst nur 14 Euro“, sagt sie. Oft kommt Christiane Bude zum Einsatz, wenn Tierärzte nicht mehr weiterwissen. So hat sie ein Pferd von einem Messihof gerettet, das schon geschlachtet werden sollte. „Der Schlachter bot 250 Euro, ich 300. Nach fünf Monaten war es bei mir wieder gesund, und ich konnte es zu einem guten Preis verkaufen“, sagt sie schmunzelnd. Wichtig ist ihr, die Pferde ganzheitlich zu betrachten. „Ich beobachte, wie die Tiere gucken, schaue mir die Zähne an, sehe auf die Halswirbelsäule“, sagt Christiane Bude. Ganz ruhig erklärt sie Zusammenhänge zwischen Mensch und Pferd. „Oft geht es den Tieren nicht gut, wenn sie falsch geritten werden. Oder wenn derjenige, der das Pferd reitet, selbst eine Krankheit hat“, sagt Christiane Bude. Sie sagt von sich, dass sie ein Händchen dafür hat. Das bestätigt auch Kornelia Helm vom gleichnamigen Bauernhof in Eutrich. Die beiden Frauen lernten sich auf einem Reiterhof kennen. „Wir sind in Verbindung geblieben. Und meinen Pferden tut das gut, wenn Christiane ihnen mit ihrer Physiotherapie hilft“, sagt Kornelia Helm. Deshalb hat sie sie zum Hoffest auf den Bauernhof Helm nach Eutrich am Sonnabend eingeladen.

Zum Hoffest am Sonnabend ab 10 Uhr gibt es Hofführungen, Vorführungen des Westernreitens, Erklärungen einer Ergotherapeutin zur Reittherapie, Physiotherapie und Zirkuslektionen für Pferde sowie Vorführungen der Reitschüler. Dazu Hüpfburg, Ponyreiten, Basteln, Kinderschminken und Schauscheren der Schafe.

www.christianebude.de